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03. Juli 2012 20:51 Uhr

Sensationsfund

Historische Weltkarte: Wie überstanden die Exemplare die Jahrhunderte?

Da waren’s plötzlich fünf: Die Münchner Unibibliothek hat eine historische Weltkarte von Martin Waldseemüller entdeckt – und zwar in einem Bibliothekseinband. Genau wie bei dem Offenburger Exemplar.

  1. Eine Schwester dieser Weltkarte, die im Offenburger Ritterhaus aufbewahrt wird, wurde jetzt in München entdeckt. Auf ihr taucht erstmals der Name „America“ auf. Weltweit gibt es jetzt fünf bekannte Stück. Foto: Museum

OFFENBURG. Da waren’s plötzlich fünf. In der Münchener Unibibliothek ist jetzt ein fünftes Exemplar der Globuskarte von Martin Waldseemüller und Matthias Ringwald aufgetaucht. Die Karte ist deshalb so wertvoll, weil auf ihr 1507 zum ersten Mal der Name "America" für den 1492 von Christoph Kolumbus entdeckten Kontinent verzeichnet wurde. Das vierte bisher entdeckte Exemplar dieses weltgeschichtlichen Dokuments befindet sich im Offenburger Ritterhausmuseum.

Von einem "Sensationsfund" sprechen laut Bericht des Burda-Nachrichtenmagazins Focus und anderer Medien die Bibliothekare der Münchener Ludwig-Maximilians-Universitätsbibliothek. Vor mehr als 200 Jahren war das Münchener Exemplar in einen Geometrieband mit Drucken aus dem 16. Jahrhundert eingebunden worden. So hat es unerkannt die Zeiten überstanden, bis es jetzt von zwei Forscherinnen wiederentdeckt wurde. "Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es einen Fund dieser Dimension nicht mehr gegeben", wird ein Münchener Bibliotheksverantwortlicher vom Focus zitiert.

Da kann der Mann aber nur für München sprechen. Denn 1993 hat es für die Stadt Offenburg einen ebenso beglückenden Moment gegeben. An einem Tag dieses Jahres kam die Spezialistin für Alte Drucke der Freiburger Universitätsbibliothek Vera Sack mit zittrigen Knien zu ihrem Chef. Sie kümmerte sich damals um die Bände der ehemaligen Offenburger Franziskanerbibliothek, die im Grimmelshausen-Gymnasium gelagert hatten, rund 1600 Bände, darunter viele Wiegendrucke aus den Kindertagen des Buchdrucks, die sich zu jener Zeit zur Restaurierung in Freiburg befanden. Eben hatte sie, eingebunden zwischen die Seiten 210 und 211 einer "Nikomachischen Ethik" des Aristoteles von 1541, ein Exemplar der Globensegmentkarte des Martin Waldseemüller von 1507 gefunden.

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"Die Bedeutung unserer Karte ändert sich für uns nicht."

Christoph Jopen, Bürgermeister
Das Offenburger Exemplar verdankt demnach seine Erhaltung bis heute denselben Umständen wie das eben gefundene Münchener. Die Freiburger Expertin für Alte Bücher berichtete damals aufgeregt, dass es weltweit sonst nur noch drei bekannte Exemplare dieses "Taufscheins Amerikas" gibt. Die Offenburger Weltkarte, die heute im Museum im Ritterhaus aufbewahrt wird, ist die vierte wieder aufgefundene.

Mit der jetzt in München aufgetauchten Globuskarte sind es nun insgesamt fünf Exemplare. Eines befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Die zwei anderen Exemplare sind in den USA: Eines besitzt die James Ford Bell Library der Universität von Minnesota in Minneapolis, das andere wurde im Jahre 2005 von Christie’s für 800.000 Euro versteigert. Sein heutiger Aufbewahrungsort ist unbekannt.

Was bedeutet nun der Münchener Fund für den Wert der Offenburger Waldseemüllerkarte? "Die Bedeutung unserer Karte ändert sich für uns nicht, egal ob es vier, fünf oder sechs Exemplare gibt", erklärte Bürgermeister Christoph Jopen auf Anfrage. "Da wir ja nicht die Absicht haben, die Karte zu versilbern, ist der Fund für uns interessant, aber am langen Ende nicht weiter bedeutsam."
Die Waldseemüller-Karte

Martin Waldseemüller (um 1470 bis um 1522) wurde in Wolfenweiler bei Freiburg, wo er später Schule und Universität besuchte, geboren. 1507 berief Herzog René II. von Lothringen den Kartographen in seine Geographenschule in St. Dié. Zusammen mit Kollegen brachte Waldseemüller ein Buch, eine Weltkarte und eine zum Globus faltbare Karte in einer Auflage von rund 1000 Stück heraus. Von der Globuskarte wurde nun in München das fünfte erhaltene Exemplar entdeckt.

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Autor: Ralf Burgmaier


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