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28. Dezember 2010
Hoher Anteil von Naturröhre
Peter Oehler, seine Band und seine musikalischen Gäste rocken drei Stunden lang die Reithalle.
OFFENBURG. Mehr Offenburger Rockprominenz war vermutlich noch nie auf einer Bühne versammelt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag bildete sich in der voll besetzten Reithalle um den Gitarristen Peter Oehler eine Art Mega-Supergroup mit Offenburger Rockmusikern aus mehreren Generationen, verstärkt durch Drummer Bodo Schopf aus Stuttgart und den Saxophonisten Ralph Delgado aus New York.
Der Abend bot vier Stunden Rock-, Swing- und Soulklassiker von Santana über Pink Floyd und Simply Red bis hin zu Robbie Williams. Schon die "reguläre" Peter-Oehler-Band besteht aus Top-Leuten, etwa der Offenburger Schlagzeuglegende Pit Koether, dem Ex-Bassprofi Mario Reinfarth, Bernd Wetzel an den Tasten und der Allround-Sängerin Moni Siegler. In der Reithalle gesellten sich nun bekannte Gäste ums Mikrofon. So sang Jess Haberer zum Beispiel Elton Johns "Don’t let the sun go down on me", das fast 20 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung im Duett mit George Michael zum Riesenhit wurde. Die Rapper Claudio Esposito und P-Verse waren bei "We are the World" am Mikro.Werbung
Der Einstieg in den Supergruppe-Teil des Abends hatte viel Atmosphäre. Bodo Schopf begann mit einem Solo auf einer "Hang Drum". Das Gerät sieht aus wie zwei aufeinander gesetzte Wok-Töpfe, der Klang ähnelt der Steel Drum, ist aber gedeckter. Schopf spielte eine sich immerzu wiederholende Intervallfolge, die er rhythmisch variierte. In die letzten Takte flossen Keyboard-Flächen, übernahmen die Dominanz. Dann ließ Oehler das Kosmos-Riff von Pink Floyds "Shine on you crazy diamond" durch die Reithalle schweben. Manni Kirchner von "Child’s Anthem" sang die Nummer deutlich härter, rauer, bluesiger als Pink-Floyd-Sänger Roger Waters. Der lyrisch-verschwebte Song bekommt durch Kirchner ein herben Kern, der ihm gut bekommt.
Für eine ganze Weile standen die Soul-Geschwister Werner und Andrea Möschle im Zentrum, mit Stücken wie "Something’s got me started" von Simply Red oder "Lady Marmalade" von La Belle.
Oehler ist als Gitarrist und Bandleader in jeder Art Rockmusik daheim. Was bei seiner Formation den Unterschied zu einer gewöhnlichen Coverband ausmacht, ist seine Kreativität: Da wird ein Funk-Riff zugespitzt, dort die Gitarre härter und verzerrter an das Stück gegeben, als vorgesehen. Bei "You might need somebody" von Randy Crawford ist sein Gitarrensolo nicht gefühl-, sondern schmerzvoll. Es öffnet das Stück. Und Oehler mit seiner Gitarre reißt die von Andrea Möschle mit zurückgehaltenem Schmerz dargebotene Soulmelodie mitten hinein in die Seelenpein. Andrea Möschle hat einen hohen Anteil leidenschaftlicher Naturröhre in ihrem Gesang, und wenn sie die rauslässt, dann fetzt es.
Unbedingt zu erwähnen ist Ralph Delgado. Der spielte ein heißes Solo ums andere. Delgado überbläst, zieht den Ton hoch, überspringt breite Intervallgräben und groovt richtig gut. Er war bereits bei Gaby und Armin Heuberger mit auf der Bühne, die als kleines Intermezzo einige Jazz-Standards boten. Zum Aufwärmen ganz zu Beginn des Abends gab es eine Stunde Coverrock durch die Peter Oehler Band, ehe dann die Heubergers und Oehler & Friends auf die Bühne gingen.
Autor: Robert Ullmann
