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12. Januar 2016

Hollywood spricht Alemannisch

Alemannische Bühne bereitet mit "Numme kenn Panik" auch Nichtbadenern einen amüsanten Abend.

  1. Die beiden Diven, gespielt von Ingrid Scheer und Christine Brodowsky, halten mit ihrem abgekarteten Spiel ihre Entourage in Atem. Foto: Heidi Ast

OFFENBURG. Sigi Schwarz, den Ortenauern hinlänglich als Theatermacherin in den unterschiedlichsten badischen Personifizierungen bekannt, führt beim Mundartstück des Alemanischen Theaters Kehl "Numme kenn Panik" Regie. In der Offenburger Reithalle traf an diesem Sonntag klassische amerikanische Screwball-Komödie aus den 40ern auf badisches Bauerntheater.

Mit rasantem Tempo entwickelt sich die Geschichte zweier verfeindeter Hollywood-Diven, Amanda Andersen (Ingrid Scheer), die zynische Martinitrinkerin, und Claire Silva (Christine Brodowsky), die nymphomane emotionale Supernova. Es ist, als würden Liza Minelli und Debbie Reynolds aufeinander treffen. Die Pagen Peter und Paul agieren ganz in der Tradition von Laurel und Hardy und der Assistent Herr Kleine bringt noch ein bisschen guten alten Josef-Meinrad-Oberst-Böckl-Flair auf die Bühne der Reithalle.

Bernhard S. Braun (Ingo Stiefel), Direktor des Palast Hotel Superior, hat mehr als Hände voll zu tun, um nicht nur die für ihren Auftritt bei einer Charity-Gala erwarteten beiden Diven im Zaum zu halten. Auch die Randgruppensportler, denen sich Frau Dörenskamp (Daniela Gieringer), Ehefrau des Hotelchefs, mit ganzer Seele widmet, fackeln beinahe das Hotel ab. Nach dem beide Damen, ohne von einander zu wissen, in der gleichen Suite unterkommen, verschiedene Koffer zur falschen Zeit gebracht und weiße langstielige Rosen in und aus dem Zimmer getragen werden müssen, dreht sich das boulevardeske Verwechslungs – und Vertuschungskarussel immer schneller. Die Dialoge sind pointiert und den Spracheigenheiten des alemannischen Dialekts angepasst. "Ich schaff do." " Du schaffst do?" oder "Dunderwetter" und "Wo do?" – "Do do.". Mit gutem Timing und mit der richtigen Betonung erzielt das den erwünschten Effekt bei den Besuchern der voll besetzten Offenburger Reithalle: ein Riesenvergnügen.

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Tür auf, Tür zu – auch dieser unzerstörbare Kunstgriff des Boulevard-Theaters wird reichlich geritten: Eine Diva kommt aus dem einen Zimmer in der Suite, während die andere geradewegs in ihrem Zimmer mit einem Martiniglas verschwindet. Zwischendrin hysterische Pagen, ein hektischer Hoteldirektor, dessen Mantra "Numme kenn Panik" wohl am meisten zu seiner eigenen Beruhigung dienen soll, sowie die liebreizende Nervensäge Frau Dörenkamp, die es toll findet, wenn ihre "Randsportgruppenmotoradsportler" von den Hells Angel auf den multikulturellen Eishockeyclub aus Kreuzberg trifft. Nicht zu vergessen, den Klatschreporter Stichling (Martin Oehler), der auf der Suche nach dem großen Skandal mehr als einmal im Kleiderschrank der Suite landet.

Die spannende Frage, wann werden sich die Diven das erste Mal begegnen und wie groß wird die Explosion dann werden, wird immer drängender. Als es endlich passiert, suchen die restlichen Anwesenden nach anfänglicher Schockstarre geflissentlich das Weite.

Wenig erstaunlich, aber dennoch amüsant ist die nun folgende Volte. Alles erweist sich als ein abgekartetes Spiel, das Andersen und Silva mit diabolischer Freude für ihre Karrierebelebung bereits auf den verschiedensten Bühnen der Welt zum Besten gegeben haben. Ein vergnüglicher Abend allemal, den man immerhin auch mit recht rudimentären Badischkenntnissen in vollen Zügen genießen kann.

Autor: Heidi Ast