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09. Februar 2012

Im eigenen Leben die Welt erzählen

Die Offenburger Literaturtage Wortspiel starten am 9. März mit Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts".

  1. Odile Kennel Wortspiel 2012 Foto: © SVEN PAUSTIAN / www.svenpaustian.com

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  3. Eugen Ruge Wortspiel 2012 Foto: Tobias Bohm

OFFENBURG. Eine Erfolgsgeschichte schreibt sich fort. Seit 2008 erfüllen die Offenburger Literaturtage unter dem Titel "Wortspiel" das Frühjahr mit spannenden Positionen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und – dafür ist stets die mitveranstaltende Offenburger Volkshochschule zuständig – mit internationalen Klassikern der Weltliteratur. Neben der VHS sind die Stadtbibliothek und das städtische Kulturbüro sowie die Offenburger Buchhandlungen Roth und Akzente Co-Veranstalter dieser hochrangigen Bücher- und Autor(inn)en-Parade. Der Deutsche Buchpreisträger 2011 Eugen Ruge, Karl-Heinz Ott, Uwe Timm und wieder einmal Sibylle Lewitscharoff sind unter einer Schar interessanter Autorinnen und Autoren die Zugpferde des diesjährigen "Wortspiels".

Wenn es einen roten Faden im diesjährigen Wortspiel-Programm gibt, dann den, dass etliche Autorinnen und Autoren anhand des (auto)biographischen Erzählens Zeitgeschichte transportieren. Leuchtendstes Beispiel ist Eugen Ruge, der mit seinem Bestsellerroman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" das diesjährige Wortspiel eröffnen wird. Neben dem Deutschen Buchpreis erhielt der 57-Jährige, der zu DDR-Zeiten als Mathematiker im anderen Deutschland arbeitete, im vergangenen Jahr den Aspekte-Preis, der herausragenden Newcomern zuerkannt wird. In seinem Fall einem recht reifen. Denn tatsächlich veröffentlichte Ruge seinen Romanerstling in einem Alter nahe der Pensionierungsgrenze. Anhand der Geschichte von vier Generationen seiner Familie erzählt und montiert Ruge virtuos 50 Jahre deutsch-deutsche Geschichte. Da im Veranstaltungssaal des Stadtbibliothek nur rund 200 Sitzplätze zur Verfügung stehen, empfiehlt Bibliotheksleiterin Sybille Reiff-Michalik, sich frühzeitig Karten zu sichern.

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Die Straßburgerin Barbara Honigmann ist eine Lieblingsautorin der Bibliothekschefin, die sie 1988 erstmals nach Offenburg holte. Jetzt kommt Honigmann mit dem autobiographischen Roman "Bilder von A.", in dem sie die Leser mitnimmt in das Leben der jungen Barbara Honigmann, in dem es viele weitreichende Entscheidungen zu treffen gab.

Dass Sibylle Lewitscharoff erst vergangenes Jahr beim Wortspiel gastierte, war kein Ausschlusskriterium für eine erneute Einladung. Ihre Hommage an den Philosophen Hans Blumberg mit dem schlichten Titel "Blumberg" sei ein so grandios humorvolles Buch, dass sie Einladung einfach aussprechen musste, sagt Sibylle Reiff Michalik. Wie beim heiligen Hieronymus im Gehäus sitzt eines nachts ein veritabler Löwe im Studierzimmer des Philosophen.

Schon seit dem Start von Wortspiel hatte die Bibliothekschefin Uwe Timm auf ihrer Prioritätenliste ganz oben. Jetzt hat es endlich geklappt. Mit der kleinen Novelle "Freitisch" kommt einer der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller der 68er-Generation nach Offenburg. In seiner Geschichte um vier Studenten, die sich einst am Freitisch eines Unternehmens heiße Diskussionen geliefert haben, sich 20 Jahre später wieder treffen, um Bilanz zu ziehen, was aus ihren alten Idealen geworden ist, transportiert Timm sinnlich-anschaulich Zeitgeschichte.

Einen schrägen biographischen Roman um das Leben des großen französischen Aufklärers und Pädagogen Jean-Jacques Rousseau hat Karl-Heinz Ott geschrieben. "Wintzenried" zeichnet den Halbgott der Aufklärung und der französischen Revolution als Karikatur in seinen Widersprüchen zwischen Werk und Leben.

Die Volkshochschule widmet ihre traditionelle "lange Nacht" in diesem Jahr der italienischen Literatur vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Von Dante bis Umberto Eco streift die zweisprachige Lesung mit szenischen Elementen und italienischem Imbiss unter anderem das Werk von drei Nobelpreisträgern und viele Überraschungen von diesem Kontinent der Weltliteratur namens Italien. Hier ist eine Voranmeldung bei der VHS notwendig, 0781-9364-220.

Der Hausacher Dichter José F. A. Oliver lädt sich wieder eine dichtende Kollegin in die Buchhandlung Akzente ein: Diesmal mit Nora-Eugenie Gomringer ein junges Ausnahmetalent.

Karten für das Festival halten alle Veranstalter für die eigenen Lesungen parat. Die Buchhandlung Roth verkauft zusätzlich die Tickets für die Stadtbibliothek. Die Karten für den Abend des Kulturbüros mit dem Schweizer Kolumnisten Franz Hohler gibt’s im Bürgerbüro Offenburg, Tel. 0781- 822000.

Weitere Informationen im Internet unter http://www.wortspiel-offenburg.de

Wortspieler

Eugen Ruge, "In Zeiten des abnehmenden Lichts", Freitag, 9. März, 20 Uhr Stadtbibliothek, Weingartenstraße 32

Benjamin Stein, "Replay", Dienstag, 13. März, 20 Uhr, Buchhandlung Roth, Hauptstraße 45

Barbara Honigmann,"Bilder von A.", Donnerstag, 15. März, 20 Uhr, Stadtbibliothek, Weingartenstraße 32

Karl-Heinz Ott, "Witzenried" Mittwoch, 21. März, 20 Uhr, Buchhandlung Roth, Hauptstraße 45

Franz Hohler, "Es war einmal ein Igel", Mittwoch, 28. März, 20 Uhr, Salmen, Lange Straße 52

Von Dante bis Umberto Eco, Langer Abend der italienischen Literatur, Donnerstag, 29. März, 19 Uhr, VHS-Saal, Amand-Goegg-Straße 2, Kulturforum

Nora-Eugenie Gomringer und José F. A. Oliver, "dichter.innen IV", Freitag, 13. April, 2012, 20 Uhr, Buchhandlung Akzente, Metzgerstraße 17.

Judith Schalansky, "Der Hals der Giraffe", Dienstag, 17. April, 20 Uhr, Buchhandlung Akzente, Metzgerstr. 17

Odile Kennel, "Was Ida sagt", Donnerstag, 19. April, 20 Uhr, Buchhandlung Akzente, Metzgerstraße 17

Sibylle Lewitscharoff, "Blumenberg", Dienstag, 24. April, 20 Uhr, Stadtbibliothek, Weingartenstraße 32

Uwe, Timm, "Freitisch", Donnerstag, 26. April, 20 Uhr, Stadtbibliothek, Weingartenstraße 32  

Autor: rab

Autor: Ralf Burgmaier