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19. Juni 2017

In der Oberrheinhalle surren die Nadeln der Meister

Mehr als 120 Tätowierer bieten bei der "Tattoo & Art Show" ihre Dienste an und finden regen Zuspruch / Manch ein Besucher könnte als Gesamtkunstwerk durchgehen.

  1. An 120 Ständen konnten sich die Besucher tätowieren lassen, wie etwa Steffi aus Offenburg bei „Tattoos Opiate by Anke“. Rechts: Der Japaner Tendiyu Horiyoshi präsentiert die traditionelle Tebori-Tattoo-Kunst. Foto: Reimold

  2. Foto: Karin Reimold

  3. Foto: Karin Reimold

OFFENBURG. Zum zweiten Mal gastierte die "Tattoo und Art Show" vergangenes Wochenende in der Oberrheinhalle – mit großem Erfolg. Bereits nach den ersten drei Stunden zählten die Veranstalter, die Gebrüder Rotolo aus Eimeldingen im Landkreis Lörrach, fast tausend Besucher.

Monotones Surren der Nadeln, junge Menschen, die teilweise selbst als Gesamtkunstwerk durchgehen könnten – am Samstag und Sonntag traf sich vor allem die Tattoo-Szene in Offenburg. Insgesamt 120 Tätowierer aus der Region und aus aller Welt präsentierten ihre Arbeit direkt an den Ständen. Dort lagen, saßen, knieten die Fans des besonderen Körperschmucks auf den Pritschen, ließen sich von den Besten ihres Faches, wie etwa Randy Engelhard oder Marco Klose, beide bekannt aus der Sixx-Serie "Pain & Fame", verzieren. "Wann kann man sich schon mal von den Weltstars tätowieren lassen", erklärte Geschäftsführer Fabio Rotolo das Konzept und den Erfolg seiner Veranstaltung "Vita in arte aeterna"– "Leben mit der ewigen Kunst". Er und seine Brüder Filippo, Davide und Gianni ErCheccio freuten sich schon am ersten Tag der Messe über den guten Zulauf. "Letztes Jahr hatten wir 4100 Besucher, dieses Mal streben wir 5000 an", sagte Fabio Rotolo.

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Für die meisten Gäste war es sichtlich nicht das erste Mal, was die entspannte Haltung beim Stechen verriet. Im Gegenteil, da tippten sie fleißig am Handy, eine Besucherin las nebenbei entspannt ein Buch. Etwas angespannt wirkte die Offenburgerin Steffi auf ihrem Stuhl bei "Tattoos Opiate by Anke". Vier kleine Schwalben ließ sich die 24-Jährige auf ihrer Schulter verewigen. Zur Unterstützung hatte sie sich zwei Freundinnen mitgebracht, denen sie nach einer halben Stunde versicherte: "Tut gar nicht weh, fast nicht." Nach einer dreiviertel Stunde war ihr bereits zweites Tattoo perfekt. "Wow, jetzt bin ich schon froh", sagte Steffi erleichtert. Wie viele andere auch, ist sie mit dem Ziel auf die Messe gekommen, es mit einem neuen Kunstwerk unter der Haut wieder zu verlassen. Kaum war ihre Liege frei, saß auch schon der nächste Kunde darauf. "Manche Tätowierer bieten günstige Messepreise an, das steht ihnen aber frei", erklären die Veranstalter.

Vor allem gehe es um Prestige, die an beiden Tagen abends beim "Tattoo Contest" präsentiert werden konnte. Am Sonntag traf einer der gefragtesten Tattoo Artists für "Tebori-Tattoos" in der Oberrheinhalle ein: der Japaner Tendiyu Horiyoshi. Er führte die japanische, traditionelle Art des Tätowierens ohne technische Hilfsmittel vor, nur mit einem Bambusstock, an dem ein Nadelbündel befestigt ist. "Tebori" oder auch "Tatau Samoa", das Pendant aus Polynesien, das händische Klopfen in die Haut sah etwas schmerzhaft aus. Doch Fabio Rotolo beschwichtigte: "Das tut weniger weh, als das normale Stechen. Denn beim mechanischen Tätowieren sticht die Nadel 200 Mal in der Sekunde in die Haut."

Wer es völlig schmerzfrei wollte, kam bei Emilie Grauffel aus Straßburg mit ihrem Body-Painting auf seine Kosten. Mehr für die Augen gab es auf der Showbühne, wo David Schnabel, achtmaliger Weltmeister im Kunstradfahren, sein Können zeigte und sich Marc Pipper, Meister im "Martial Art’s Tricking" dazu mit wilden Pirouetten in die Luft schwang. Abgerundet wurde das Kunstspektakel von Jochen Scherzingers Ausstellung seiner Kult-Bilder mit Schwarzwälder Motiven. Weitere Highlights waren der Auftritt von Hypnotiseur Christo und der des Mannes ohne Schmerzen, der sich unter anderem Nägel in die Nase schlug.

Nach diesen gewaltigen und bunten Eindrücken ließen sich die Besucher abschließend gediegen auf den Bierbänken vor der Halle nieder und bestaunten ihren noch frischen, neuesten Körperschmuck.

Autor: Karin Reimold