In die Stille das Brüllen der Löwen

Carola Bruhier

Von Carola Bruhier

Fr, 28. Dezember 2018

Offenburg

Am zweiten Weihnachtsfeiertag zelebrierten Norbert Großklaus und Sascha Ellinghaus den Gottesdienst im Weihnachtscircus.

OFFENBURG. Gottesdienst im Weihnachtscircus gehört schon seit rund 20 Jahren fest zum Weihnachtsprogramm in Offenburg. Pfarrer Norbert Großklaus und sein katholischer Kollege Sascha Ellinghaus von der Circus- und Schaustellerseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz haben gemeinsam mit Offenburgern und Artisten des Offenburger Weihnachtscircus Charles Knie in der Manege die Weihnachtsbotschaft gefeiert.

Großklaus im schwarzen Talar schielt – gespielt – ein wenig neidisch auf die bunte Stola seines Kollegen, die mit Stickereien von Zirkuspferden, Kamelen, Elefanten und Clowns versehen ist. In Anlehnung an Psalm 34 spricht Ellinghaus anschließend von der Suche nach Frieden. "Schon kleine Dinge können Zufriedenheit stiften", sagt er. Zirkus sei ein Ort der Abwechslung und Freude, der Träume und Überraschungen. "Auch hier entsteht Sehnsucht nach Frieden." Gemeinsam lesen sie Texte der Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium und aus dem Propheten Jesaja, "aus einer Zeit, 700 Jahre vor Christus, also 2700 Jahre vor unserer Zeit", präzisiert Großklaus. Darin ist die Rede von einem friedlichen Miteinander von Wolf und Lamm, von Löwe und Kalb, von Bärin und Kuh, in einem zukünftigen Reich des Friedens. "Im Zirkus werden solche Tiere natürlich getrennt", scherzt Großklaus, betont aber mit großem Ernst, dass "unsere Seelen solche Bilder brauchen", denn mehr und mehr seien die Menschen fürchterlichen Bildern ausgesetzt, von hungernden Kindern, Opfern von Naturkatastrophen, Kriegen und Gewalt, auch und gerade in der Weihnachtszeit. "Gott leidet mit seiner Schöpfung. Wir dürfen Mut haben, trotzdem mit anzupacken, zu helfen, nicht aufzugeben, auch eine Spende hilft." Der gleiche Prophet Jesaja kündigt die Jungfrauengeburt eines Retters an, einen "Spross aus dem Geschlecht Davids". "Neue Bilder und Stimmungen kommen mit Jesus in die Welt, der ganz anders mit Ausgegrenzten, Kranken, Armen, Schwachen, Frauen und Kindern umgegangen ist." Die Band Pascasca aus Offenburg singt vom Stern über Bethlehem, von der Geburt des Kindes im Stall, dem Licht in der Dunkelheit und der Hoffnung auf Frieden. Die Kinder und Jugendlichen des Pfadfinderstamm Konradin aus Offenburg ziehen mit dem Friedenslicht aus Bethlehem in der Manege ein, gefolgt von Kindern aus dem Publikum. Gemeinsam werden bekannte Weihnachtslieder gesungen, darunter "Ich steh an deiner Krippe hier" von Paul Gerhardt, entstanden Mitten im Leid des Dreißigjährigen Kriegs und "Stille Nacht, Heilige Nacht", das 2018 200-jähriges Jubiläum feiert und in einer Zeit extremer Armut und Hoffnungslosigkeit nach den napoleonischen Kriegen geschrieben wurde.

Wenn es still wird in der Manege des Weihnachtscircus ’ hört man laut und vernehmlich das Brüllen der Großkatzen draußen in den Wägen. "Es sind die Tiger und Löwen, die sich gegenseitig zurufen, so wie sie es auch in der Savanne tun", erklärt Katie Lacey die Ehefrau von Dompteur Alexander Lacey auf Nachfrage. Großklaus bedankt sich bei Patrick Adolph vom Circus Charles Knie und seinen Mitarbeitern, die diesen Gottesdienst möglich gemacht haben und seinem "Assistenten", dem Clown Mr. Lorenz. Die Kollekte geht dieses Jahr an die Pflasterstube Offenburg und den Verein "Leben mit Behinderung Ortenau".