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10. Februar 2012
Jahr der Rekorde für die Sparkasse
Das größte Geldinstitut in der Ortenau kratzt mit seiner Bilanzsumme an der Vier-Milliarden-Grenze / Kunden setzen auf Sicherheit.
OFFENBURG. Auf ein Jahr der Rekorde kann die Sparkasse Offenburg/Ortenau zurückblicken: Die Bilanzsumme 2011 kratzt nah an der Vier-Milliarden-Grenze, das Kreditgeschäft florierte ebenso wie der Immobilienhandel, das Auslandsgeschäft legte spürbar zu, und bei den Bausparverträgen wurde gar das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt.
Mit einem Betriebsergebnis von 52,3 Millionen Euro vor Bewertung liegt das von Sparkassenchef Helmut Becker und seinem Stellvertreter Helmut Kienzle geführte Institut an der Spitze der Sparkassen in Baden-Württemberg. Der Bilanzgewinn beträgt 5,8 Millionen Euro, die Eigenkapitaldecke konnte 2011 auf 172 Millionen Euro verstärkt werden. Allerdings belastet aus Sicht des Sparkassendirektors die Schulden- und Vertrauenskrise im Euro-Raum zunehmend auch die deutsche Konjunktur. Becker geht davon aus, dass die Unsicherheit die inländische Nachfrage dämpfen und der Außenhandel nicht mehr weiter ansteigen wird: "Es wird wohl zu einer konjunkturellen Abkühlung kommen – allerdings ausgehend von einem hohen Niveau." Zur aktuellen Griechenland-Debatte sprach Becker Klartext: "Der Euro sollte uns wichtiger sein, als ein störrisches, handlungsunfähiges Land."Werbung
FLORIERENDE WIRTSCHAFT
Die regional und dezentral verankerten Sparkassen hätten sich in der Krise einmal mehr als stabile Säulen bewährt, so Helmut Becker. Der "genetische Code" laute: "Wir machen Geschäfte, die wir verstehen, mit Kunden, die wir kennen." Profitiert habe auch die Sparkasse von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der Ortenau, wobei es laut Helmut Kienzle keine großen Schieflagen und Insolvenzen gegeben habe: "Die Sparkasse ist gesund – und ihre Kunden auch."
Alle Einlagen und Wertpapierbestände der gut 208 000 Kunden zusammen stiegen um 54 Millionen auf 3,51 Milliarden Euro. Die klassischen Spareinlagen hielten das Niveau von 1,4 Milliarden Euro, währen die Sichteinlagen – also das jederzeit abhebbare Geld – um 2,4 Prozent auf fast eine Milliarde stiegen. Der Bestand an Termineinlagen stieg um stramme 50 Prozent auf 220 Millionen Euro. Die Wertpapierbestände legten um drei Prozent auf 870 Millionen Euro zu, wobei die Kunden laut Becker wertstabile Papiere mit geringen Kursrisiken bevorzugten. Das tut auch die Sparkasse bei ihren eigenen Wertpapieranlagen – sie stiegen um knapp 70 Millionen auf 1,64 Milliarden.
BOOM BEI KREDITEN
Beim Kreditvolumen konnte ein Zuwachs um 96 Millionen auf 2,2 Milliarden verbucht werden – aufgeteilt je zur Hälfte auf Privat- und Firmenkunden. Mit dieser Steigerung um 4,5 Prozent liege man etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt der Sparkassen im Land. Auch viele öffentliche Haushalte haben die Sparkasse laut Becker im vergangenen Jahr wieder als Kreditgeber entdeckt: Das Darlehensvolumen stieg um 57 Prozent auf 68 Millionen Euro. Einen Boom beim Kreditgeschäft konnte Helmut Kienzle vermelden: Die Auszahlungen an Firmenkunden stiegen um 70 Millionen (52 Prozent) auf 204 Millionen Euro, an alle Kunden zusammen wurden mehr als 400 Millionen Euro an Krediten vergeben. Zuwachs gab es auch im Auslandsgeschäft mit einem Umsatzplus von 4,3 Prozent auf 588 Millionen und einem erstmals erzielten Ertrag von mehr als einer Million Euro.
Rekordumsätze konnte Helmut Kienzle im Immobiliengeschäft vermelden. Das krisenbedingte Sicherheitsdenken führte zu einer heftigen Nachfrage bei den Sachwerten und dazu, dass nicht einmal alle Käuferwünsche erfüllt werden konnten. Auch die Volksbank hatte, wie kürzlich berichtet, einen fast leergefegten Markt beklagt. Über die Sparkasse wechselten 218 Objekte – 34 Wohneinheiten und Grundstücke mehr als 2010 – die Besitzer, der Umsatz kletterte um fast 20 Prozent auf 40,1 Millionen Euro.
ANSTURM DER BAUSPARER
Einen weiteren Rekord fügte Kienzle beim Blick auf das Bauspargeschäft an: 5255 Bausparverträge (Vorjahr: 5236) mit einem Volumen von 187,3 Millionen Euro bescherten in dieser Sparte "das beste Ergebnis aller Zeiten." Um 12,4 Prozent legten die Lebensversicherungen zu, deren Beitragssumme auf nun 40,5 Millionen Euro stieg.
Weiter nach oben geht auch der Trend bei den Onlinekonten: Mit 67 500 wird fast die Hälfte der Sparkassen-Konten inzwischen übers Internet geführt.
Autor: Helmut Seller


