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04. November 2008

Kaninchenvermehrung seit Leonardo

Einen unterhaltsamen Abend im Zeichen der Zahlen präsentierten Dozenten an der Hochschule zum Jahr der Mathematik

  1. Der Meistermathematiker blickt der Referentin über die Schulter: Angelika Erhardt und der Rechenmeister Leonardo Fibonacci. Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. Donnerstagabend im Foyer der Hochschule: Sechs Professoren demonstrierten auf anschauliche Weise die Alltagstauglichkeit der Zahlenlehre – und ließen manche Schulstunde ganz schön alt aussehen. 180 Besucherinnen und Besucher fanden den Weg in die Badstraße.

Das "Jahr der Mathematik" macht vor der Hochschule nicht halt: Bei einem Grillfest habe man sich im Dozentenkreis überlegt, wie sich dieses Thema aufgreifen lasse, ohne Vorurteile zu bestätigen. Im Gegenteil: Es sollte auf die Anwendbarkeit der Mathematik hingewiesen werden – und das alles durchaus mit einem Augenzwinkern, wie Christina Dosse verriet: Sie ist Assistentin im Rektorat und war für die Organisation zuständig. Bereits der Vortrag über Mathematik in der Hochschulreihe "Forum" habe gezeigt, dass ein großes Interesse vorhanden sei, über die Wissenschaft der Zahlen und Strukturen mehr zu erfahren, vor allem auf eine verständliche Art und Weise.

Karin Milbert nickt. Sie lebt im Kinzigtal und hat sich auf den Weg gemacht, weil sie endlich ihr "Mathetrauma" überwinden wolle. In ihrer Gymnasialzeit habe sie nie mehr als ein "ausreichend" geschafft. Irgendwann sei sie sogar ein bisschen stolz gewesen, dass sich zur "Eins" in Deutsch die "Vier" in Mathe gesellte. Das sei durchaus "hoffähig" gewesen. Andererseits habe sie nie so recht verstanden, warum sie mit diesen Zahlenexperimenten nicht klar kam, warum es ihr nie einleuchten wollte, dass eine "Null" nach unendlich gehen kann. Nach dem Abend an der Hochschule denke sie schon, dass vieles mit der Art der Vermittlung zu tun habe. Gilbert Barnot aus Straßburg sieht das ähnlich – und sieht darin auch kein "typisch deutsches Phänomen". Wenn er an seine Schulzeit zurückdenkt, denkt er "am wenigsten gern" an den Matheunterricht. Ein paar wenige Mitschüler habe es gegeben, die "den Laden blickten". Und die anderen hätten sich "zu Tode gelangweilt". Aber im Grunde sei es doch spannend zu sehen, was sich mit Zahlen alles machen lasse, meint der Elsässer.

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Mathematik hilft beim Entschlüsseln von Geheimschriften
Da hatte Werner Schröder seine kleine Geschichte der Kryptologie erzählt und über das Entschlüsseln von Geheimschriften berichtet; Karl Bühler stellte den Freistrahl im Schwerefeld vor und konnte bei Alltagsphänomenen auf mathematische Aspekte hinweisen; Ulrich Hochberg dröselte die spannende Frage auf, wie der Hund an die Wurst kommt; Christoph Nachtigall zeigte, wie sich das Alter der drei Töchter eines Mannes errechnen lässt, wenn man sachlich analysiert und einfache mathematische Regeln anwendet. Dan Curticapean brach eine Lanze für die gesundheitlichen Aspekte der Mathematik. Hochschul-Student Willi Auerbach führte mit für Heiterkeit sorgenden Lockerungs- und Rechenübungen durchs Programm.

Vom Errechnen der Kaninchenpopulation zur Zeit der Entstehung von Leonardo da Vincis "Mona Lisa" reichte das Spektrum des Referats von Angelika Erhardt: Die Professorin im Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnik befasste sich mit den Fibonacci-Zahlen, benannt nach ihrem Entdecker, dem Pisanischen Rechenmeister Leonardo Fibonacci. Es handelt sich um eine Folge, bei der sich die nächste Zahl aus der Addition der beiden vorangegangenen Zahlen ergibt: 0,1,1,2,3,5,8,13, 21 und so weiter. Der Quotient zweier aufeinander folgender Fibonacci-Zahlen nähert sich dem Goldenen Schnitt. Dieses als besonders harmonisch empfundene Verhältnis ist in der Natur häufig anzutreffen: Schneckenhäuser weisen oft eine "goldene Spirale" auf, der Blütenstand der Sonnenblume steht im "goldenen Winkel". Quod erat demonstrandum – was zu beweisen war.

Autor: Gertrude Siefke