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30. November 2009
Kleine Pastelle der US-Society
Emily Jane White gastierte im Offenburger Spitalkeller
OFFENBURG. Es war so etwas wie kammermusikalischer Folk, dieses Konzert mit der Sängerin und Songschreiberin Emily Jane White vergangene Woche im Offenburger Spitalkeller. Die vom Rockmagazin Rolling Stone hoch gelobte Kalifornierin brachte zwei Freundinnen mit namens Jane und Caroline, Cellistin die ein, Geigerin die andere.
Dieses Duo spann um die etwas düster-melancholischen Songs von Emily Jane White feine Gewebe, gefühlvoll zwar, aber auch von einer gewissen Herbheit. Das Spiel der beiden Streicherinnen ist unüberhörbar klassisch geschult. Im Verbund mit den schlichten, aber atmosphärisch stimmigen Klavier- und Gitarrenfiguren, mit denen White ihre Lieder unterlegt, hatte das etwas sehr Intimes.
Ihre Lieder hätten genug Düsternis, um daraus eine Edgar-Allen-Poe-Erzählung zu machen, schrieb der Rolling Stone – und da ist was dran. Immer wieder singt sie von körperlichen Wunden oder vom Tod, wie bei "Bessie Smith", dem Lied, mit dem sie im Spitalkeller beginnt. Von einem Einschussloch ist die Rede in dieser Hommage an die große schwarze Bluessängerin, von einem Messer, das durch dieses Loch hindurchgeht und einem Kruzifix, das in der Wunde verborgen ist – ein Hauch von christlicher Mystik.
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Großartig ist Emily Jane White dort, wo sie kleine Pastelle der amerikanischen Gesellschaft entwirft, wie in "Victorian American". Die Gesangzeilen beschreiben einen statischen Moment, das Streicherarrangement fasst das in strenges Moll. Unweigerlich entsteht das vergilbte Bild einer Gesellschaft, die in ihrer Honorigkeit eingefroren scheint. Ein Dutzend Songs stellt die leicht scheue Dame vor, alles in sich geschlossene kleine Miniaturen, ehe sie sich mit einem gehauchten "Good bye" verabschiedet. Wir hoffen auf ein Wiederhören.
Autor: Robert Ullmann
