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08. Februar 2010

Kleiner Käfer, große Folgen

Maiswurzelbohrer nicht auszurotten / Landschaftsbild der Ortenau ändert sich / Mehr Weizen

  1. Der Mais ist die wichtigste Feldfrucht in der Ortenau, doch der Anbau wird künftig stark zurückgehen. Foto: dpja

  2. Der Maiswurzelbohrer Foto: ddp

OFFENBURG/APPENWEIER (ddn). Zweieinhalb Jahre nach den ersten Alarmsignalen ist für die Maisbauern in der Ortenau nichts mehr, wie es einmal war. Der Maiswurzelbohrer wirft den Anbau der wichtigsten Feldfrucht im Kreis gründlich über den Haufen.

Fast auf den gesamten 16 000 Hektar Maisanbaufläche zwischen Sasbach und Ringsheim müssen die Landwirte künftig die Fruchtfolge einhalten. Das heißt: Mais darf entweder nur noch jedes zweite Jahr angebaut werden oder höchstens zweimal in drei Jahren. Dann aber ist bereits der Einsatz von Pestiziden verpflichtend vorgeschrieben. Das wird für die Landwirte zwar teurer, dürfte aber nach Einschätzung des Landratsamts dennoch die bevorzugte Variante werden. Die Behörde schätzt, dass die Anbaufläche für Mais wegen der Neuregelung bereits in diesem Jahr um bis zu 2000 Hektar zurückgeht.

Die meisten Landwirte werden vermutlich auf Winterweizen ausweichen, vermutet man im Offenburger Landratsamt. Der aber bringt in der Rheinebene nicht die Erträge, die man sich wünscht: Für wirklich optimale Weizenernten sei es "zu feucht, zu heiß und zu schwül", sagt Holger Steenhoff, stellvertretender Dezernent für den ländlichen Raum in Offenburg. Der Weizen benötige kühle Nächte.

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Für viele Betriebe, die auch bisher schon mit Mischkulturen arbeiten, wird sich durch die Neuregelung kaum etwas ändern. Wer bereits jetzt weniger als zwei Drittel seiner Ackerfläche zur Maisproduktion genutzt hat, der muss lediglich darauf achten, dass die Fruchtfolge innerhalb des Betriebs entsprechend angewandt wird, sagt Henning Pohle vom Landwirtschaftsamt. Wirklich umstellen müssen sich jene Bauern, die bislang nichts als Mais erzeugt haben: "Der Mono-Mais-Anbau ist nicht mehr möglich", sagt Pohle, die Landwirte müssten rund ein Drittel ihrer Fläche anders nutzen. Ob sofort, oder nach und nach in diesem und den kommenden beiden Jahren, das lässt die im Oktober erlassene Allgemeinverfügung des Landratsamts offen. Nur unter dem Strich muss es stimmen. Deshalb ist es für die Behörde noch schwer, abzuschätzen wie sehr sich die Agrarlandschaft in der Rheinebene durch die Neuregelung bereits in diesem Jahr verändern wird. Doch die ersten Zeichen sind sichtbar: "Wer mit offenen Augen durch die Ortenau geht, der entdeckt, dass auf den ersten Maisfeldern bereits Winterweizen ausgebracht wurde", sagt Henning Pohle. Spätestens im Frühjahr sehen es nicht nur die Fachleute: "Es wird", prophezeit Steenhagen, "sicherlich Veränderungen des Landschaftsbildes geben".

Die vom Kreis im vergangenen Oktober veröffentlichte Allgemeinverfügung bedeutet vor allem eines: Die Agrarbehörden geben den Versuch verloren, den ursprünglich aus Osteuropa oder den USA eingeschleppten Maiswurzelbohrer wieder aus der Ortenau zu vertreiben. Auf die misslungene "Ausrottungsstrategie" folgt jetzt die Eingrenzung des ungeliebten Neulings in der Tierwelt.

Dabei setzt man beim Lebenszyklus des kleinen Schädlings an, der in den auf dem Feld verbleibenden Wurzelballen überwintert und auf die frischen Keimlinge wartet. Wenn im kommenden Jahr nicht an gleicher Stelle wieder Mais gepflanzt wird, dann hat der Käfer ein Problem. Damit entfällt, zumindest bei einem strengen Fruchtwechsel, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weitgehend – eine Strategie, die Umweltschützer schon früh gefordert hatten.

Auszurotten ist der Schädling auf diese Weise nicht, räumt man im Landwirtschaftsamt ein, zumal weiter die Gefahr droht, dass das Tier als blinder Passagier auf, an und in Autos, Sattelzügen und Flugzeugen entlang der Hauptverkehrsachsen erneut in die Ortenau eingeschleppt wird. Doch das ist, heißt es, kein besonderes Problem. Die massiven Schäden, die den kleinen Käfer so gefürchtet machen, treten nur bei Massenvermehrungen auf, die man mit der Fruchtfolge in den Griff zu bekommen glaubt. "In der Ortenau", sagt Henning Pohle, "sind erst 90 Käfer gefunden worden. In der Po-Ebene dagegen gibt es Jahre, da verdunkelt sich der Himmel".

Autor: ddn