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21. November 2009

Leserbriefe

  1. Palmöl steckt überall – in Margarine wie im Lippenstift. Foto: Unilever

Palmöl-Kraftwerk in Kork

Diakonie zu Unrecht

am Pranger

Zu unserem Bericht "Diakonie Kork wegen Palmöl-Kraftwerk in der Kritik" (BZ vom 11. November) schreibt ein Leser:

"Gott sei Dank, endlich wissen wir, dass nicht nur der Vatikan in dubiose Waffengeschäfte verstrickt ist , nein, nun wissen wir endlich auch, dass die evangelische Kirche – explizit die Diakonie Kork -–für die Zerstörung des Regenwaldes in Indonesien (mit)verantwortlich ist; und damit für das Aussterben des Orang-Utans, die Zerstörung der Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung und der Zerstörung des Weltklimas. Die Entrüstung ist groß – ebenso die Schlagzeilen in der BZ – wohl zurecht?

Es ist wohl wahr, dass Indonesien mittlerweile durch die Abholzung des Regenwaldes – nach den USA und China – zum drittgrößten Treibhausgas-Emittenten der Welt aufgestiegen ist. Indonesien hat seit 1990 rund 28 Millionen Hektar Wald zerstört, überwiegend im Namen der Landumwandlung in Plantagenflächen. Plantagen für die Palmöl- oder Zellstoffproduktion wurden jedoch erst auf neun Millionen Hektar errichtet. Das bedeutet, dass sich die meisten Firmen die Genehmigungen für die Umwandlung des Waldes in Nutzland nur verschafft haben, um an das Holz heranzukommen. Der Regenwald wird nicht nur für neue Plantagen, sondern auch wegen des wertvollen Holzes weiter zerstört. Jedoch sollte erwähnt werden, dass weltweit etwa 90 Prozent der Palmölproduktion für Nahrungsmittel verwendet und die verbleibenden zehn Prozent für Nicht-Nahrungszwecke wie Reinigungsmittel, Kosmetika und in der oleochemischen Industrie. Nur etwa fünf Prozent werden für Biokraftstoffe verwendet. Alleine Unilever verarbeitet im Jahr etwa 1,2 Megatonnen Palmöl – das sind rund drei Prozent der Weltpalmöl-Produktion.

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Wohl die wenigsten kommen heutzutage darum herum und sind davor gefeit Palmöl in irgendeiner "Form" zu konsumieren oder an sich ran zu lassen. Von Backwaren, Margarinen über Fertiggerichte und Saucen bis zum Schokoriegel, Babynahrung, Kosmetika, Dusch-Wasch-Putzmittel – alles, was pflanzliches Öl oder Fett enthält, kann auch Palmöl enthalten. Spitzenreiter – wenn es um die in Deutschland verwendete Gesamtmenge an Palmöl geht – ist die Margarine (...) . Meist steht nirgends drauf was drin ist da in Deutschland keine Kennzeichnung von Palmöl in Lebensmitteln verpflichtend ist . Auf den Verpackungen ist daher sehr häufig bei den Inhaltsangaben nur der Begriff "pflanzliches Fett" oder "ungehärtetes pflanzliches Öl" zu lesen. In den meisten Fällen verbirgt sich Palmöl dahinter. Weiterhin ist Palmöl in pflanzliche Seifen, Lippenstiften oder in Cremes enthalten ebenso in Wasch- und Putzmitteln, in vielen Farben und Lacken,Fetten und Kerzen wird es auch häufig eingesetzt. Palmkernschrot findet auch immer häufiger für die Massentierhaltung Verwendung und dient dort als Ersatz für das mittlerweile verbotene Tiermehl. Die Lebensmittelindustrie verwendet Palmöl zu 90 Prozent in rein vegetarischen Produkten. Zudem sollte erwähnt werden, das die deutsche Regierung den Kahlschlag in Indonesien mitfinanziert; 2006 und 2007 hat die DEG(Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft) dem größten indonesischen Palmölkonzern Sinar Mas Kredite über insgesamt 42 Millionen Dollar gegeben. Damit wird eine Firma finanziert, welche auf mehreren tausend Quadratkilometern Palmölplantagen pflanzen will.

Es ist ein Dilemma – selbst für ökologisch und ethisch bewusst lebende Menschen, ihr Leben verantwortungsbewusst zu Leben. Deshalb ist es meines Erachtens ungerecht, dass die Diakonie Kork dafür in diesem Maße an den "Pranger" gestellt wird. Ich selbst arbeite seit fast 20 Jahren in der Diakonie Kork und bin andererseits noch länger Mitglied bei einer Umweltorganisation weshalb ich bei einer solchen Thematik leicht in einen persönlichen Gewissens- und Interessenskonflikt gerate. Jedoch sollte jeder sich aber auch einmal bei seiner eigenen Nase fassen bevor er leichtfertig verurteilt. Es ist für eine Privatperson schon nicht einfach – wenn nicht gar unmöglich – sich durch den Lebens(mittel)-Dschungel zu kämpfen ohne, dass er Spuren einer Mitverantwortung zum Voranschreiten der Zerstörung unserer Erde hinterlässt.

Eine Einrichtung in der Größe und mit dem Aufgabengebiet wie die Diakonie Kork steht jedoch heutzutage immer mehr unter betriebswirtschaftlichen Zwängen – Zuschüsse und Gelder der "Öffentlichen Hand" sind in der Zeit von leeren "Töpfen" umkämpft von vielen sozialen Einrichtungen. Jeder möchte etwas abhaben, und die Wirtschaftskrise tut ihr weiteres dazu die finanzielle Lage aller zu verschärfen. Die Argumentation der Diakonie Kork dass 2,5 Personalstellen auf dem Spiel stehen falls Palmöl nicht mehr als Treibstoff verwendet wird, mag zwar auf den ersten Blick als nichtig erscheinen.

Verantwortung für die Schöpfung darf deshalb gerne von solchen Organisationen wie "Rettet den Regenwald" von einer Einrichtung wie der Diakonie Kork eingefordert werden – im Gegenzug fordere ich jedoch solche Organisationen und ihre Mitglieder auch auf, daran zu denken, dass auch sie einer sozialen Verantwortung für Menschen, wie sie in Kork betreut werden, unterliegen und auch deren Lebensqualität nicht aus den Augen verloren werden darf.


Autor: Peter D´Agostino, Offenburg