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17. Juni 2017

Macron-Euphorie auch im Elsass

BLICK INS ELSASS: 14 teils unbekannte Kandidaten der Bewegung La République en Marche erreichen den zweiten Wahlgang – keiner holt weniger als 26 Prozent.

  1. In der monumentalen alten Post sollen betreutes Wohnen und Büros untergebracht werden. Foto: Teli

STRASSBURG (teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet immer samstags unser "Blick ins Elsass".

Wohnen in der Post

Es gehört zu den monumentalen und spektakulären Bauwerken, die in Straßburg während der Zugehörigkeit zum deutschen Kaiserreich entstanden sind: Die Post wird ihren Regionalsitz an der Avenue de la Marseillaise aufgeben und an einen Investor veräußern, der darin Wohnungen, betreutes Wohnen für ältere Menschen und Büros unterbringen will. Das 1899 von den Architekten Ewald von Rechenberg und Ernst Hake auf seinem 6500 Quadratmeter großen Grundstück errichtete Gebäude umfasst eine Nutzfläche von rund 20 000 Quadratmetern. Es liegt genau in der Achse zwischen dem Kaiserpalast (Palais du Rhin) und dem historischen Universitätsgebäude, entlang derer die Neustadt geplant wurde. Entsprechend des neugotischen Stils zeichnen ein großer Innenhof und monumentale Treppenhäuser das beeindruckende Bauwerk aus. An den Ecken wird es von Türmen begrenzt, die über die Fassaden hinausragen. Während die Post mit einer Servicestelle vor Ort im Gebäude bleiben möchte, sollen alle weiteren Bereiche im Gebäudekomplex in der Rue de la Fonderie in Straßburg konzentriert werden. Voraussichtlich Ende des Jahres könnte der schrittweise Umzug von 120 Postangestellten beginnen und sich 2018 fortsetzen. Der Umbau des Gebäudes, in dem laut Informationen der Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d'Alsace auch 40 Sozialwohnungen entstehen sollen, wird erst im Laufe des nächsten Jahres seinen Anfang nehmen.

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Politische Neulinge

Von den 30 Kandidaten, die sich in den 15 Wahlbezirken im Elsass zum zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen am Sonntag qualifizieren konnten, sind nur neun bislang bereits Abgeordnete der Nationalversammlung gewesen. Fünf von ihnen gehen mit einem Stimmenrückstand aus dem ersten Wahlgang ins Rennen, der eine Wiederwahl kaum wahrscheinlich macht. Von den 14 Kandidaten der Macron-Bewegung La République en Marche (LREM), die den zweiten Wahlgang erreicht haben (im Wahlbezirk Sélestat gab es keinen LREM-Kandidaten), waren einige den Wählern bislang völlig unbekannt. Dennoch hat keiner dieser Bewerber um ein Abgeordnetenmandat im ersten Wahlgang weniger als 26 Prozent der Stimmen geholt, im Wahlkreis Straßburg-Land schaffte die Psychiaterin Martine Wonner, eine der politischen Novizinnen, mit 41,52 Prozent das beste Ergebnis im gesamten Elsass. Schlecht sieht es für die sozialistischen Kandidaten in Straßburg aus, wo inzwischen seit 2008 eine rot-grüne Stadtregierung unter Führung des sozialistischen Oberbürgermeisters Roland Ries die Geschicke lenkt. Beigeordneter Serge Oehler ist im Wahlbezirk Straßburg-Schiltigheim bereits im ersten Wahlgang mit nur 6,4 Prozent ausgeschieden; die bisherigen Abgeordneten Philippe Bies (seit 2012 in der Nationalversammlung) und Eric Elkouby (seit 2016 als Nachrücker für Armand Jung im Parlament) hatten beide im ersten Wahlgang mehr als 20 Prozentpunkte Rückstand auf die Kandidaten von La République en Marche. Dass Thierry Michels, 56 Jahre alt, leitender Angestellter in einem Pharmaunternehmen, als politischer Neuling im Wahlbezirk Straßburg-Zentrum, der langjährigen Hochburg der Sozialisten, 35,3 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen und Eric Elkouby mit nur 13,9 Prozent hinter sich lassen konnte, hat im sozialistischen Lager wie ein Blitz eingeschlagen. Nur 46,6 Prozent der Wahlberechtigten im Elsass haben am vergangenen Sonntag gewählt.

Spektakel am Münster

Ein Schattentheater im Großformat auf der Südseite des Münsters wird die Hauptattraktion des Straßburger Sommerprogramms bilden. Zwar hat wie schon im vergangenen Jahr das belgische Unternehmen ACT Lighting Design die Ausschreibung gewonnen, dennoch werde sich die Licht- und Musikshow völlig von dem unterscheiden, was rund 900 000 Menschen im Sommer 2016 erlebt haben. "Ballett der glücklichen Schatten" ist das Spektakel betitelt, das wiederum etwa 15 Minuten dauern und drei bis vier Mal pro Abend aufgeführt werden wird. Starten können die Vorführungen erst, wenn die Dunkelheit wirklich hereingebrochen ist, weshalb entschieden wurde, das Sommerspektakel erst am 8. Juli, anstatt wie üblich schon in den ersten Julitagen, beginnen zu lassen. Die allabendlichen Vorstellungen enden am 3. September. Die Kosten für das Schattentheater im XXL-Format belaufen sich wie 2016 wieder auf 670 000 Euro, die Hälfte davon wird von Sponsoren aufgebracht. Der Place du Château wird für die Vorführungen wieder abgesperrt werden, die Zuschauer werden durch einen Zugang auf den Platz gelangen und müssen sich auf Taschenkontrollen einrichten.

Bedeutender Zeichner

Er zählt zu den größten Zeichnern des 20. Jahrhunderts und rangiert direkt hinter Saul Steinberg, Seite an Seite mit Sempé oder Tomi Ungerer: André François. Der Leiterin des Tomi-Ungerer-Museums, Thérèse Willer, ist es vergangenen Monat gelungen, 34 Originalzeichnungen des Künstlers für rund 30 000 Euro zu erwerben. Das ist vor allem deshalb eine Besonderheit, weil ein Brand in André François Atelier in Paris 2002 ein Großteil seiner Originalzeichnungen vernichtet hatte und seine Werke seither vom Kunstmarkt so gut wie verschwunden waren. Glücklicherweise hatte der Zeichner einen kleinen Teil seiner Zeichnungen und Plakate in seiner Münchner Galerie gelagert, so dass wenigstens ein Fragment seines Werkes erhalten geblieben ist, das er über mehrere Jahrzehnte hinweg erarbeitet hatte.

Bereits 2002 und 2005 hatte Thérèse Willer sechs Zeichnungen des Künstlers für das Tomi-Ungerer-Museum erworben, weitere 30 Werke konnte sie 2007 aus dem Münchner Depot erstehen. Alle Ankäufe zusammengenommen ist Straßburg nun im Besitz der größten Sammlung von André-François-Zeichnungen in ganz Frankreich.

Kulturtelegramm

Das Freiluft-Musikereignis des Jahres steht am Mittwoch an, wenn ganz Straßburg wieder die Fête de la musique feiert.

Rock, Pop, Jazz:
Bereits um 18.30 Uhr öffnen am Montag die Tore der Laiterie, wenn Of Mice & Men, Motionless in White, Chelsea Grin und The Devil Wears Prada sich an diesem Metalcore-, Deathcore- und Alternativ-Rock-Abend abwechseln. Auf ihrer Abschiedstour machen The Dillinger Escape Plan am Dienstag Station in der Laiterie. Reservierungen für beide Konzerte unter (0033388)237237. Nosfell und Alain Ros gestalten den Donnerstagabend (22. Juni) im Espace Culturel Django Reinhardt mit ihren Interpretationen von Folk. Konzertbeginn ist um 20.30 Uhr; Reservierungen: Tel. (0033388)615287.

Klassik: Eine musikalische Erzählung in Anlehnung an Mozarts Zauberflöte können Besucher des Aperitif-Konzerts am Samstag um 11 Uhr in der Straßburger Rheinoper erleben. Reservierungen unter (0033368)987593. Werke von Bartók und Berlioz interpretiert das Philharmonische Orchester Straßburgs am Donnerstag, 22. sowie am Samstag, 24. Juni, jeweils von 20 Uhr an im Musik- und Kongress-Palast unter der Leitung von Marko Letonja. Solistin an der Violine ist Alina Ibragimova. Reservierungen unter Tel. (0033368)986815.

Fête de la musique: Immer am 21. Juni, am längsten Tag des Jahres wird in ganz Frankreich die Fête de la musique gefeiert. Auf allen Plätzen in der Straßburger Innenstadt, aber auch in den Straßen dazwischen, wird musiziert, von Laien wie von Profis, von allen, die Spaß an der Musik haben. Beginn ist um 18 Uhr, Ende wird gegen Mitternacht sein. Zum ersten Mal können Festbesucher mit der Tram von Kehl aus in die Straßburger Innenstadt fahren – und auch nach Mitternacht noch zurück in die Orternau. Die größte Bühne steht wie immer auf dem Kleber-Platz, dort ist auch Ehrengast Olivia Ruiz zu erleben. Das sehr umfangreiche Programm steht auf der Internetseite der Stadt Straßburg unter http://www.strasbourg.eu zum Herunterladen bereit.

Ballett: Drei zeitgenössische Choreographien unter dem Titel "Constellations" bringt das Ballett der Straßburger Rheinoper zum Abschluss der Kultursaison auf die Bühne. Zu erleben sind diese vier Tage lang von Mittwoch, 21. bis einschließlich Samstag, 24. Juni, jeweils von 20 Uhr an, sowie am Sonntag, 25. Juni, um 17 Uhr. Reservierungen sind möglich unter: Tel. (0033368)987593.

Autor: teli