Rückblende und Ausblick

Was bedeutet es heute, ein Kino erfolgreich zu betreiben?

Dierk Knechtel

Von Dierk Knechtel

Di, 23. Oktober 2018 um 16:28 Uhr

Offenburg

Blockbuster, Bolschoi Ballett und Unterrichtsfilme – wie geht das zusammen? Betreiber Jan Marc Maier und Investorin Gertraud Hurrle sprechen über zehn Jahre Forum-Kino in Offenburg.

Das Offenburger Forum-Kino beweist es seit nunmehr zehn Jahren. Investorin Gertraud Hurrle ließ das Gebäude am Stadtbuckel errichten und engagierte Jan Marc Maier als Betreiber. Für ihn war Kino nie nur Vorführsaal, sondern Stätte vielfältiger kultureller Veranstaltungen. Ein Forum eben. Wie hat sich die Kino-Landschaft seither verändert? Was bedeutet es heute, ein Kino erfolgreich zu betreiben?

Die Aufgabe ist gleich geblieben: "Wir müssen den Kunden ein Erlebnis bieten, das sie zu Hause nicht haben können", sagt der 45-jährige Maier. Doch die Mittel haben sich rasant verändert: "Wir begannen damals mit analogen Filmprojektoren. Je nach Tageszeit hat ein Film unterschiedliche Zuschauerzahlen. Nachmittags kann ein kleiner Saal genügen, während es abends der große sein muss. Also trugen wir die Filmrollen mehrmals am Tag hin- und her. Heute wird das alles vom Server gesteuert."

Umstellung auf digitale Technik

2009 sei der erste digitale Projektor angeschafft worden, erinnert sich Maier. Die gesamte Branche habe damals begonnen, auf digital umzustellen. Die Filmdateien kämen heute entweder auf einer Festplatte per Paketbote ins Haus, oder würden über Internet oder Satellit bezogen. Durch den Wegfall des Spulen-Handlings sei Personal eingespart worden, sagt Maier. Er betreibt in Lahr und Rastatt zwei weitere Forum-Kinos, auch sie im Besitz von Gertraud Hurrle. An den drei Standorten seien insgesamt 70 Mitarbeiter beschäftigt, davon 40 in Offenburg, wo sich die Zentralverwaltung befindet.

Auch das Marktumfeld hat sich nach den Worten von Maier stark gewandelt. "Die Neuen Medien sind durch die Verfügbarkeit stark gewachsen. Das war 2008 noch nicht so. Unser Hauptwettbewerber ist heute das Home Entertainment. Wir grenzen uns davon durch Bildgröße und Sound-Erlebnis ab."Und durch eine Palette alternativer Inhalte ("contents"). Dazu zählen Übertragungen von Opern und Ballettaufführungen (Bolschoi, Royal Opera, Metropolitan Opera) und im populären Bereich von Musicals und Konzerten (André Rieu, Coldplay). "Exklusivität ist dabei ganz wichtig", ergänzt Maier. "Kein anderes Medium außer den Kinos darf Opern der ’Met’ übertragen."

Matthias Schweighöfer war auch schon da

Der umtriebige Netzwerker Maier arbeitet zudem mit Vereinen, Firmen und Institutionen zusammen und wirkt so in das soziale Gefüge der Stadt hinein. Stichwort Schule: Unterrichtsergänzende Filme könnten in Originalversion gezeigt werden. "Die digitale Technik erlaubt Tonspuren in allen Sprachen", erläutert Maier. Die sieben Vorführsäle seien technisch ausgestattet wie Kongresszentren und würden für Firmenveranstaltungen gebucht. "Zum Abschluss läuft dann ein Film."

Bei aller Vielfalt sei der klassische Kino-Film nach wie vor das wichtigste Produkt, betont der aus Heidenheim an der Brenz gebürtige Maier. Sein Gästebuch zieren die Grußworte vieler Stars von Denzel Washington über Nora Tschirner bis Elmar Wepper. Matthias Schweighöfer sei schon sieben Mal da gewesen, sagt Maier nicht ohne Stolz. Ein Ruhekissen ist das nicht.

"Wir müssen weiter Attraktivität schaffen, uns noch breiter aufstellen, alle Altersgruppen erreichen." Aktuell würden die Säle mit neuen Sitzen ausgestattet, die eine höhere Nackenstütze hätten und noch bequemer seien. Ein weiteres Feld für Innovationen sei das Thema Ton. Zuletzt sei das Sound-System Dolby Atmos eingeführt worden.

Hurrle: "Es war auch Abenteuerlust dabei”

Vor der Zusammenarbeit mit Gertraud Hurrle war Jan Marc Maier Leiter des Xinedome in Ulm. Hurrle wünschte und fand in ihm einen Betreiber, der sich voll und ganz dem regionalen Markt widmen konnte. Für sie war der Kino-Bau keine rein ökonomische Entscheidung. "Es war auch Abenteuerlust dabei." Gerne erinnert sich die Unternehmerin, wie Kinobesucher spontan auf sie zukamen und ihr Dank und Anerkennung aussprachen.

"Es war eine gigantische Anfangsstory damals!" Über die zehn Jahre hinweg ist Hurrle mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, ein weiteres Kino zu bauen, antwortet sie zurückhaltend. "Wenn sich ein Standort bietet und die Rahmenbedingungen stimmen, durchaus. Doch es gibt keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte."

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