Materialschlachten auf der Leinwand

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Di, 11. Dezember 2018

Ortenaukreis

Das Museum für aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle zeigt Malerei von Heinz Pelz und Roland Splieth.

DURBACH. In schneller Abfolge sind im Museum für aktuelle Kunst in Durbach in letzter Zeit die Vernissagen zu verzeichnen. Nach der kürzlich eröffneten großen Schau "Mythos Leipziger Schule von 1960 bis heute" folgte nun in der Reihe "Profile der Kunst am Oberrhein", die vier Räume des Museums zeitgenössischen Künstlern zur Verfügung stellt, die Eröffnung mit Werken von Heinz Pelz und Roland Spieth.

Einzige Bedingung für diese Reihe ist, dass die Künstler ihren Wirkungskreis, Lebens- und Arbeitsort entlang des Oberrheins haben. Wiederum von Kurator Axel Heil und Kunsthistorikerin Margrit Brehm ist die neue Schau eingerichtet worden, die eine reizvolle Kombination aus zwei verschiedenen, aber doch nicht völlig konträren Positionen vorstellt. Vor zehn Jahren hatte Museumschef Rüdiger Hurrle zuletzt Werke von beiden Künstlern in der gleichen Reihe im Rheumazentrum Baden-Baden gezeigt. Leider waren nun beide Vernissagen nicht so gut besucht, wie man es wünschen würde.

Heinz Pelz, dessen Werke in den ersten beiden Räumen zu finden sind, stellt zum ersten Mal Malerei und Grafisches einander gegenüber, beides in abstrakter, das heißt auf die Linien und das Material selbst, bezogener Weise. Es wird deutlich, dass das Material die Bildlichkeit bestimmt. Ein grobes Handtuch aus Bundeswehrbeständen wird mit dickem Farbauftrag bespachtelt, die Willentlichkeit wird im Freigelassenen deutlich. Große Papierarbeiten sind von zufälligen über das Blatt verteilten Halbkreisen, die die Form von Würmchen annehmen, geprägt. Hier ist die Technik eine Besondere, eine dünn über Farbe aufgetragene Lackschicht wird verletzt und erneut mit Farbe überzogen, die sich dann ihren Weg in die Schicht darunter sucht.

Dieser abstrakten, wohlgesetzten Bildlichkeit steht in den Arbeiten von Roland Spieth das All-Over gegenüber. Seine Arbeiten, die Figürliches milde, nicht notwendigerweise assoziieren lassen, entstehen in einem Prozess von Absicht und Zufall, von Anschauen und Werden. Das Figürliche ergibt sich durch Stehengelassenes oder Übermaltes, durch Verdichtung, und bleibt doch halb verborgen, mit einem sehr freien Duktus, der auf Musikalität im Innern schließen lässt, und jedes Bild für sich bestimmt. Außer der Ölmalerei zeigt Roland Spieth auch kleine und mittelgroße grafische Arbeiten, die stärker von der Linie und objekthaften Gegenständen bestimmt sind, auch hier ohne eine allzu genaue Festlegung hinsichtlich des Assoziativen. Ebenso wird hier sichtbar, wie die Bildlichkeit vom Material bestimmt wird. Mit der Pastellkreide ist die Bewegung eine andere als mit dem Pinsel, Bewegung liegt immer zugrunde.

Die für die Ausstellung gewählten Räume wirken dieses Mal gut gestaltet, das kleine und mittlere Format hat in den nicht allzu großen Räumlichkeiten genügend Luft um sich. Beide Künstler haben in den achtziger Jahren ein Studium an der Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe absolviert.

Museum für aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle, Almstr. 49, 77770 Durbach. Tel. 0781 – 93201402, Mi - Fr 14-18 Uhr, Sa - So 11-18 Uhr. Ausstellungsdauer bis 28. April 2019. http://www.museum-hurrle.de