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13. September 2017

Mieterverein sieht überhitzten Markt

Vorsitzender Wünsch: Immer weniger finden bezahlbare Wohnung.

  1. Rainer Wünsch Foto: privat

OFFENBURG (BZ/hsl). Selbst Mieter mit einem mittleren Einkommen finden in Offenburg kaum noch bezahlbaren Wohnraum: Das stellt der Mieterverein Offenburg-Lahr klar. Vorsitzender Rainer Wünsch spricht von einem "überhitzten Mietwohnungsmarkt" und widerspricht Einschätzungen von Edith Schreiner. Die Oberbürgermeisterin hatte beim Spatenstich für 268 Mietwohnungen am Mühlbach (BZ vom 7. September) die Hoffnung geäußert, dass die 70-Millionen-Investition der Soka-Bau Entspannung auf dem Mietwohnungsmarkt bringt.

Bis zum Jahresende 2019 wird die Soka-Bau auf dem ehemaligen Spinnerei-Areal 268 Mietwohnungen erstellt haben. OB Edith Schreiner sagte beim offiziellen Spatenstich: "Das bringt Entspannung auf dem Mietwohnungsmarkt, der sehr angespannt ist." Es werde sich schnell eine Nachfrage nach den neuen Wohnungen finden, die nahe der Innenstadt lägen und im Quartier selbst eine gute Infrastruktur bieten würden.

Rainer Wünsch, Vorsitzender des Mietervereins, teilt diese Auffassung nicht – "zumindest was den Markt für bezahlbaren Wohnraum betrifft." Mietwohnungen, die für eine Kaltmiete von 9 bis 10 Euro je Quadratmeter angeboten würden, wobei laut Wünsch zusätzlich Nebenkosten von 2,20 € je Quadratmeter Wohnfläche anfallen, könne die Mehrzahl der Wohnungssuchenden nicht bezahlen.

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Die Stadtverwaltung glaube nach wie vor, dass durch das Angebot von teueren Mietwohnungen günstiger Wohnraum frei würde, weil Umzüge in teuere Quartiere stattfänden. "Diese Einschätzung teilen wir nicht", so der Vorsitzende. Alleine die große Anzahl von Bewerbern von Wohnungssuchenden würden eine andere Sprache sprechen. Laut Wünsch suchten mehr als 1000 Menschen bei der Gemi-Bau und der Stadtbau bezahlbaren Wohnraum. "Da die OB und der Gemeinderat nach wie vor die Erstellung eines Mietspiegels ablehnen, ist weiterhin mit erheblichen Mieterhöhungen anlässlich der Neuvermietung der bisher ’günstigeren’ Wohnungen zu rechnen", befürchtet Wünsch. Gegen den sogenannten Sickereffekt spreche auch, dass die Offenburger Bevölkerung stetig wachse und die Neubauwohnungen für die zuziehenden Neubürger benötigt würden, so dass im Gegenzug keine günstigeren Wohnungen im erforderlichen Umfang frei würden.

"Die Beratungspraxis des Mietervereins zeigt auf, dass nicht nur Mieter mit einem geringen Einkommen sondern zwischenzeitlich auch Mieter mit einem mittleren Einkommen kaum noch bezahlbaren Wohnraum in Offenburg finden", beklagt der Vorsitzende. Vor diesem Hintergrund halte es der Mieterverein es für unabdingbar, dass auch die Verwaltungsspitze bei jeder Gelegenheit herausstelle, wie dringend nicht nur der Bau neuer Wohnungen, sondern vor allem auch der Bau von Wohnraum ist, der für jedermann erschwinglich sei.

Nicht zuletzt denkt der Mieterverein schon weit voraus: Auch im Hinblick auf die kommenden Kommunalwahlen 2019 werde der Mieterverein verstärkt dem Wähler aufzeigen, "welche Kandidaten und Parteien sich für eine in Offenburg benötigte sozialere Wohnungspolitik einsetzen." Ein Instrument für eine sozialere Wohnungspolitik sei auch die Erstellung eines Mietspiegels, knüpft Wünsch an Forderung an, die er seit 2009 stellt.

Einer Offenburger Wohnungsmarkt-Studie vom September 2015 zufolge wird sich die Zahl der Haushalte in Offenburg von derzeit 28 656 auf über 33 000 im Jahr 2030 erhöhen – rund 4400 beziehungsweise 15 Prozent mehr als bislang. Dabei wächst die Kernstadt mit einem Plus von 18 Prozent schneller als die Ortsteile mit zwölf Prozent. Bis 2030 würden rund 5200 Wohnungen benötigt, davon 3740 in der Kernstadt, 1450 in den Ortschaften.

Autor: bz, hsl