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26. November 2008

Mit Sicherheit länger warten

Eine eigene Grünphase für Radfahrer und Fußgänger soll unfallträchtige Kreuzung sicherer machen

  1. Radfahrer und Fußgänger sollen künftig getrennt vom motorisierten Verkehr die Kreuzung Grabenallee/Zähringestraße überqueren. Eine 100-jährige Eiche steht den städtischen Planern jedoch im Weg. Foto: archivfoto: helmut seller

OFFENBURG. Grünes Licht für Fußgänger und Radfahrer: Die Stadt reagiert auf den schweren Unfall, bei dem im August eine Radfahrerin tödlich verletzt wurde, und will nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmern ein sicheres Überqueren der Kreuzung Grabenallee/Zähringerstraße ermöglichen. Kosten: 205 000 Euro.

2000 Radfahrer nutzen diese Kreuzung Tag für Tag. Um zur "verkehrssichersten Lösung" zu gelangen, hat die Stadt zwei externe Büros zu Rate gezogen. Das Ergebnis stellte Verkehrsplaner Mathias Kassel in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses vor: Mit einem "Rundumgrün" für Fußgänger und Radfahrer könne ein Unfall wie im Sommer nahezu ausgeschlossen werden, da die Ampel für Autos und Lastwagen während dieser Phase rot zeige. An der Kreuzung Moltkestraße/Weingartenstraße habe man damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Während Radfahrer alle vier Kreuzungsarme überqueren können, soll es Fußgängern weiterhin nicht erlaubt sein, den östlichen Kreuzungsarm Richtung Bahngraben zu überqueren. In diesem Fall müsste die Grünphase um weitere Sekunden verlängert werden, was die Leistungsfähigkeit der Signalanlage schmälern würde. Da die Ampel an der Zähringerbrücke über den Bahngraben nur 130 Meter entfernt liege, müssten beide Verkehrsschnittpunkte gemeinsam betrachtet werden, führte Kassel aus. Um größere Rückstaus parallel zur Bahnlinie zu verhindern, soll die Abbiegespur von der Wilhelmstraße auf die Grabenallee mit einer Bedarfsampel ausgestattet werden. Bahnt sich ein Stau an, stellt sie auf Rot.

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Insgesamt werde die Umlaufzeit an der Kreuzung Grabenallee/Zähringerstraße 120 Sekunden betragen und damit 30 Sekunden mehr als bislang. Das liege an der längeren Grünphase. Als "großen Knackpunkt" bezeichnete Kassel die Notwendigkeit, gemeinsame Flächen für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen. Eng könnte es vor dem Klavierhaus werden, wo eine über 100 Jahre alte Eiche ihr Dasein fristet. Es sei kaum möglich, diesen Baum zu erhalten, meinte Kassel – und Bürgermeister Dieter Eckert pflichtete ihm bei.

Die Fraktionsrunde machte deutlich, dass sich die Stadträte damit nicht abfinden wollten. Lediglich Kurt Feger (CDU) verwies auf "schöne große Bäume" in der Nähe und auf eine Ersatzbaumpflanzung, die seines Wissens bereits für diese Eiche vorgenommen worden sei: "Die Verkehrssicherheit geht eindeutig vor."

Heinz Hättig (SPD) bezeichnete den Plan der Verwaltung als "richtige Sache". Allerdings sei seine Fraktion für den Erhalt des Baumes: "Wir möchten beides." Uta-Maria Klingenberger sprach für die Grünen von einem "schlüssigen Konzept", wobei auch sie sich gegen ein Fällen der Eiche aussprach – ebenso wie Thomas Bauknecht (FDP): Da er dem Verwaltungszuschlag nur zustimmen könne, wenn der Baum erhalten bleibe, enthielt er sich der Stimme. Bauknecht forderte die Verwaltung auf, zu prüfen, ob die gemeinsame Fläche für Radfahrer und Fußgänger nicht um den Baum herum angelegt werden könne. 500 Euro koste ein entsprechendes Verfahren. Wolfgang Schrötter (Freie Wähler) sprach sich ebenfalls für den Verwaltungsvorschlag aus, fand es allerdings unbefriedigend, dass die "Leistung der Kreuzungen" reduziert werde.

Die Verwaltung will jetzt "mit allen Mitteln prüfen, ob der Baum erhalten bleiben kann". Stimmt der Gemeinderat zu, könne im Frühjahr mit dem Umbau begonnen werden, so Kassel.

Autor: Gertrude Siefke