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10. Februar 2012
Mozarts Don Giovanni half beim Heiratsantrag
Ilse und Dieter Herberg feiern heute ihre goldene Hochzeit zu zweit / Beim Geburtstag wird mit der Familie nachgefeiert .
OFFENBURG. Vor 50 Jahren haben Ilse, geb. Müller, und Dieter Herberg ja gesagt, glücklich darüber, dass sie der Zufall – oder das Schicksal? – zusammengebracht hat. Möglichkeiten, sich zu begegnen, gab es reichlich: Beide wohnten nicht weit voneinander entfernt in Heidelberg, gingen in dieselbe Schule – ein englisches Institut, das als Privatschule gleich nach Kriegsende wieder unterrichten durfte –, studierten Medizin an der Universität Heidelberg, beendeten ihre Ausbildung in der Uni-Klinik, beide promovierten. Dieter Herberg wurde später an der Universität zum Professor ernannt. Und dennoch hatten sich die beiden nie getroffen.
Bis eines Tages Professor Wegner, früher Lehrer an der Privatschule, während seines Aufenthaltes in der Klinik nach einem Herzinfarkt den betreuenden Arzt, Dieter Herberg, fragte, ob er das Fräulein Müller kenne. Sie sei Ärztin an der Klinik und früher seine beste Mathe-Schülerin gewesen. Herberg machte sich auf die Suche, fand sie und sie gefiel ihm sofort: "Sie sah sehr gut aus". Im Mai lud er sie zu einem Ausflug mit Freunden nach Straßburg ein und da "hat es gefunkt", erklären die Eheleute strahlend. Auf dem Heimweg nahm Dieter Anleihe bei Mozart und sang: "Reich mir die Hand mein Leben" . . . wer kann da widerstreben?
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Im November war Verlobung, im Februar des nächsten Jahres Hochzeit. Die Trauung hat Prälat Hermann Maas vorgenommen, evangelischer Pfarrer in Heidelberg und als Pionier des jüdisch-christlichen Dialogs bekannt. Auch die beiden Söhne Clemens und Martin, 1963 und 1964 geboren, wurden von ihm getauft. Das Ziel der Hochzeitsreise war Italien. Mit dem VW-Käfer-Cabrio fuhr das junge Paar den ganzen Stiefel runter bis nach Sizilien – 25 Jahre später feierten sie das Ehejubiläum in Florenz. Italien blieb bevorzugtes Urlaubsland wegen der Architektur, der herrlichen Landschaft, köstliches Essen und guter Wein inbegriffen.
Ilse Herberg hat ihren Beruf zunächst ausgeübt, die Eltern halfen bei der Kinderbetreuung. Als Professor Herberg 1970 die Chefarztstelle der medizinischen Abteilung im städtischen Krankenhaus Offenburg übernahm, stieg sie aus, bis der 1970 geborene Sohn Felix aufs Gymnasium kam. Ehrenamtlich unterstützte sie als Gastärztin ihren Mann im Klinikum; die Patienten konnten sich so über eine Ärztin mit neuen Ideen freuen wie die Einrichtung des Refugiums und Zeit für Gespräche.
Das gute Gelingen einer Ehe sieht Ilse Herberg unter anderem darin, dass ein Paar nicht in zwei Spuren gehen sollte. Das bedeute aber nicht, dass die Partner keine eigenen Interessen haben sollen. Beispielhaft sei hier ein Teil ihres ehrenamtlichen Engagements erwähnt, für das sie das Bundesverdienstkreuz erhielt: Sie ist die "Tafelfrau" und fast täglich in den Räumen der Offenburger Tafel anzutreffen, sie war Kirchenälteste in der Auferstehungsgemeinde, langjährige Elternbeiratsvorsitzende am Grimmelshausen-Gymnasium, Gründungspräsidentin des Serviceclubs "Inner Wheel". Ehepartner sollten sich aber Zeit nehmen für ständigen Austausch und gemeinsame Unternehmungen. Dieter Herberg rechnet seiner Frau hoch an, dass sie sich um die Familie gekümmert hat. Ilse Herberg ist dankbar, dass ihr Mann ihr bei der Organisation der "Tafel" hilft, "ihr Sekretär zu Hause", wie er lächelnd ergänzt. Wenn er mit seiner Frau über Themen wie Gentechnik, Evolution und Gehirnforschung diskutiert, über die er auch Vorträge hält, hat er eine sachkundige Gesprächspartnerin. Ein intaktes Familienleben ist für ihn wichtig, er liebe seine Frau wegen ihrer Warmherzigkeit, ihr Elan erhalte jung.
Ein Leben mit nur Sonnenschein gebe es nicht, deshalb sei zum Gelingen auch eine Portion Glück nötig und das ganz besonders bei einer Krankheit. Der erfahrene Arzt ist sich sicher, dass eine ausgedehnte soziale Einbindung und geistige Beschäftigung vor Altersdemenz schützen.
Eine große Feier gebe es nicht, erklärt Ilse Herberg, denn von den Hochzeitsgästen lebe niemand mehr. Sie werden nur zu zweit feiern, wie und wo, das bleibt ihr Geheimnis. Ein Familientreffen mit Söhnen, Schwiegertöchtern und vier Enkelkindern finde eine Woche später anlässlich ihres Geburtstages statt.
Autor: Rosel Kesel
