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17. Juni 2017 09:40 Uhr

Wein aus der Ortenau

Nach dem Frost im April rechnen die Winzer mit starken Einbußen

Abgerechnet wird im Herbst – doch die Blütenstände der Weinreben in der Ortenau sind nach dem April-Frost reduziert. Die Winzer schätzen die Lage problematisch ein.

  1. Rebblüten an einer Weinrebe. Foto: Harald Rudolf

Der Einbruch polarer Luft im April hat zu massiven Schäden im Weinbau geführt. Von Ausfällen bis zu hundert Prozent haben Winzer nach der Frostnacht gesprochen. Flächendeckend seien junge Triebe erfroren. Die BZ hat – in der Zeit der Rebblüte – bei Offenburger Weinbaubetrieben und in Durbach nach einer Bewertung aus heutiger Sicht gefragt.

"Was erfroren ist, ist erfroren", sagt Stefan Huschle, Inhaber des Offenburger Weinguts Freiherr von und zu Franckenstein. Die nicht erfrorenen Triebe seien jedoch "normal durchgewachsen". Durch Nachkömmlinge gäbe es allerdings ein unterschiedliches Triebwachstum, das mehr Laubarbeit erfordere. Huschle rechnet für seinen Betrieb mit bis zu 50 Prozent weniger Ertrag in diesem Jahr. "In vielen Parzellen geht es nur darum, nächstes Jahr eine Fruchtrute zu bekommen." Beim Riesling habe man Glück gehabt, die frühen Lagen seien durch den eisigen Wind jedoch erfroren.

"Derzeit können wir noch nicht abschätzen, wie die begonnene Blüte verläuft und was für Kapriolen das Wetter eventuell noch mit sich bringt – zum Beispiel Hagel", sagt Georg Lehmann von der Winzergenossenschaft Rammersweier. Aktuell könne man nur eine Prognose abgeben. Der "Gescheinsansatz" bei den nachträglich ausgetriebenen Beiaugen sei leider überschaubar, so Lehmann.

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Einzelwinzer und Einzellagen hat es hart getroffen

"Es gibt Anlagen, sortenübergreifend, die nahezu eine normale Ernte bringen können. Allerdings haben wir auch Anlagen mit 50 Prozent oder sogar noch weniger Gescheinsansatz." Die Winzergenossenschaft Rammersweier geht aktuell – im Betriebsschnitt und sortenübergreifend – ebenfalls von 50 Prozent weniger Erntemenge aus.

"Das rasante Wachstum der letzten Tage", erklärt Christian Gehring, Geschäftsführer der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg, "darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Blütenstände – die Gescheine – deutlich reduziert sind." Die Nebentriebe seien zwar vorhanden, aber häufig nur mit wenigen beziehungsweise ohne Gescheine. "Entscheidend", so Gehring, " wird nun die Blüte sein und der weitere Witterungsverlauf."

Vielleicht kann die Natur wieder etwas ausgleichen

Bei optimalen Bedingungen werde die Natur vielleicht noch einiges ausgleichen können. Die Weinmanufaktur rechnet jedoch mit "deutlichen Ernteeinbußen" von 30 bis 50 Prozent. Nach einer Erhebung der Weinmanufaktur liegen die Frostschäden in Zell-Weierbach und Fessenbach für Chardonnay bei 90 Prozent, für Müller- Thurgau bei 50 Prozent und für die Burgundersorten bei 40 Prozent. "Bei den Burgundersorten hatten wir Glück, dass es nochmal nachgewachsen ist, allerdings bei Müller- Thurgau und Chardonnay nicht", erklärt Nicole End, Winzerin und Weinbautechnikerin und Kellermitarbeiterin der Weinmanufaktur.

Durbach ist nach Einschätzung von Stephan Danner, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, mit einem "hellblauen Auge" davongekommen. "Allerdings haben wir Einzelwinzer und auch Einzelflächen, die es echt hart getroffen hat", so Danner. "Deswegen tut es mir immer sehr leid zu sagen, dass es im Ganzen noch erträglich ist." Die Obstbauern habe es viel stärker erwischt. "Da gibt es Schäden bis zum Totalausfall."

Fundierte Informationen gibt es Ende Juni

Laut Landratsamt wird es noch einige Tage dauern, bis das Amt für Landwirtschaft die Frostschäden im Ortenaukreis erfasst hat. Man rechne Ende Juni mit fundierten Informationen zu den Schäden in der Landwirtschaft und auch speziell im Weinbau. Die würden dann veröffentlicht werden, so die Pressestelle des Landratsamtes.

Für Stefan Huschle ist der Frost 2017 "wieder einmal ein lehrendes Beispiel wie abhängig wir von der Natur sind. Es sollte uns allen wieder bewusster werden, dass uns keine Industrie ernährt, sondern unsere Erde". Vielleicht trage der Frost dazu bei, dass mit mehr Verständnis und Genuss gegessen und getrunken werde. "Für uns, die von und mit der Natur tagtäglich leben, ist es natürlich ein herber Verlust. Ein Jahr lang Arbeit und Pflege der Weinberge ohne viel Ertrag", so Huschle. Abgerechnet werde jedoch im Herbst. "Dann wissen wir wirklich was im Keller liegt."

Das sagt auch Matthias Wolf, Geschäftsführer des Weingutes Schloss Ortenberg: "Wir haben ordentlich Frostschäden auf etwa zehn Hektar". Die Blüte sei aber glücklicherweise sehr gut verlaufen. "Da dieses Jahr aber schon verrückt genug verlaufen ist, müssen wir November abwarten um einen Schaden prognostizierten zu können."

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Autor: Harald Rudolf