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15. Dezember 2009

Nicht immer Erzieherin und Friseurin

Die Girls’-Day-Akademie zeigt jungen Frauen Alternativen zu schlecht bezahlten "Mädchenjobs" auf

  1. Diese Pädagoginnen und Pädagogen engagieren sich in der Girls’-Day-Akademie für verbesserte Berufsperspektiven für Mädchen (v.l.n.r.): Lydia Stein, Annette Albrecht, Robert Breig und Petra Hähnel. Foto: G.  Siefke

OFFENBURG. Das Thema ist nicht neu, aber weiter aktuell: Mädchen sollen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe interessiert werden. Was der Girls’-Day an einem Tag im April veranstaltet, wollen die Girls’-Day-Akademien des katholischen Verbands In Via ein ganzes Schuljahr hindurch leisten. 27 Offenburger Schülerinnen an der Realschule der Klosterschule sowie der Georg-Monsch-Schule beteiligen sich derzeit an dem Projekt.

Friseurin, Arzthelferin, Erzieherin: Nach wie vor können sich viele junge Frauen keine anderen Tätigkeitsfelder vorstellen, in denen sie künftig ihre Brötchen verdienen. Berührungsängste sind vorhanden, alte Rollenklischees werden noch immer weiter gegeben. Dass frau noch lange nicht zum grobschlächtigen Mannweib mutiert, nur weil sie mit Schraubenzieher und Lötkolben umgehen kann, das ist ein Aspekt, den die Girls-Day-Akademie vermitteln will.

An der Georg-Monsch-Schule bietet Lydia Stein die zusätzlichen Doppelstunden jeden zweiten Mittwoch an. Die Pädagogin der katholischen Organisation In Via trifft sich mit zwölf Mädchen der achten Klasse, die sich für den Hauptschulabschluss entschieden haben. Zehn der jungen Frauen haben einen Migrationshintergrund, bei einigen von ihnen wird zuhause noch streng an der tradierten Rollenverteilung festgehalten. "Das erfordert eine ganz besondere Sensibilität", sagt Stein. Die Mädchen seien zwar hoch motiviert, zugleich aber auch verunsichert. "Dürfen wir das überhaupt?", sei eine Frage, die immer wieder auftauche, wenn den Jugendlichen "typisch männliche" Berufe vorgestellt werden.

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Das Angebot ist dreigeteilt, worauf Projektleiterin Annette Albrecht hinwies: Neben Bewerbungstraining und theoretischer Technik-Orientierung soll ein Praktikum in einem naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Betrieb absolviert werden. "Derzeit suchen wir noch nach Firmen, die Plätze zur Verfügung stellen", so Stein, die hofft, dass jedes Mädchen für eine Woche ein Unternehmen von innen sehen kann: "Kontakte sind superwichtig."

Traditionelle Frauenberufe bieten in der Regel kaum Aufstiegschancen
Petra Hähnel kümmert sich um 15 Achtklässlerinnen an der Klosterschule. Auch sie stellt großes Interesse und Neugier fest. Allerdings hätten sich die meisten bislang wenig mit der Berufswahl auseinandergesetzt. "Wir wollen Begeisterung wecken", sagt Hähnel, die mit ihrer Truppe auch schon eine Exkursion ins Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) nach Karlsruhe unternommen hat. Demnächst ist das Science-House beim Europa-Park an der Reihe. Realschullehrer Robert Breig ist am Kloster für die Berufsorientierung verantwortlich. Er begrüßt das Projekt, das den Mädchen "Mut gibt, über den Tellerrand zu schauen". Inzwischen gebe es zunehmend junge Frauen, die sich auch im Kfz-Bereich, bei der Polizei oder in Metall verarbeitenden Betrieben umschauen. "Es tut sich etwas", so Breig. Er ist davon überzeugt: Für weibliche Jugendliche gibt es Alternativen zu schlecht bezahlten Jobs, die kaum Aufstiegschancen bieten.

Das Angebot läuft bis Oktober 2012. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg unterstützt das Projekt mit Mitteln des europäischen Sozialfonds und Landesmitteln.

Autor: Gertrude Siefke