Nostalgische Verstärkung für Gengenbach

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Do, 17. Januar 2019

Gengenbach

Das Museum Haus Löwenberg erhält die Sammlung historischer Puppentheater und Karussellpferde von Erich Cohnen aus Freiburg.

GENGENBACH. Erich Cohnen, Chemiker im Ruhestand und leidenschaftlicher Sammler aus Freiburg, hat kürzlich seine Sammlung historischer Puppentheater sowie historischer Karussellpferde an das Museum Haus am Löwenberg in Gengenbach überschrieben. Jetzt unterzeichneten er und Gengenbachs Bürgermeister Thorsten Erny die Schenkungsurkunde.

Die bildschönen Marionetten und Karussellpferde bilden den Grundstock des "Wunderland Löwenberg", das im Erdgeschoss des historischen Gebäudes im Herzen der Altstadt ab Mitte April als interaktive Dauerausstellung eröffnet werden wird. Am 12. April wird dort zugleich eine Tagung des deutschen Verbandes der Puppenspieler stattfinden. Damit ist die Ausstellungseröffnung auch organischer Teil des Rahmenprogramms der Ortenauer Puppentage.

Zugleich beginnt mit "Wunderland Löwenberg" eines der Kapitel der bereits in Arbeit befindlichen Umgestaltung des Museums- und Touristinfo-Komplexes am Löwenberg und im alten Kaufhaus in den Gebäuden der Hauptstraße 13 bis 15, wie Lothar Kimmig, Leiter der Kultur- und Tourismus GmbH erklärte. Bürgermeister Erny sprach von einem echten Mehrwert, den die Stadt Gengenbach Bürgern wie Besuchern bieten könne.

Im EG des Museums entsteht das "Wunderland Löwenberg"

Künftig soll das ehemalige Kaufhaus zentraler Empfangsbereich werden für Kultur- und Tourismusangebote sowie für das Ticketing; von dort aus werden die Besucher dann ins Haus Löwenberg geleitet und damit in den Museumsbereich. Dieser wird im Erdgeschoss die erwähnte Dauerausstellung beherbergen und im Obergeschoss offen bleiben für Wechselausstellungen. "Wir wollen so einen kleinen Marktplatz für Kultur, Wissen und Tourismus schaffen", sagte Kimmig.

Die Sammlung Cohnen wird dabei wesentliche Attraktion sein. Bereits jetzt sind zahlreiche Marionetten und Zirkuspferde zu sehen; der Sammlung bereits hinzugefügt ist ebenfalls das schon in Gengenbach ausgestellte Orgelspiel "Knödelfresser", eine Leihgabe von Hansjörg Leible. Hinzu kommen soll die originale Theaterbühne eines böhmischen Puppentheaters, dessen Ursprung auf den Beginn des 19. Jahrhunderts geschätzt wird, wie Reinhard End, künstlerischer Leiter des Museums Haus am Löwenberg und verantwortlich für den Gengenbacher Adventskalender, erklärte. Der Künstler Dietmar Mahler werde die Marionetten teilweise wieder mechanisieren. Die Bühne verfügt über mehrere, detailreich in Ölmalerei gestaltete Kulissen, sowie einen begehbaren Bühnenaufbau, den später auch Grundschulklassen für Puppenspiele nutzen können sollen. Die böhmische Theaterbühne samt zugehörigen Marionetten bildet den Kern der Cohnen’schen Sammlung. Interaktiv geht es auch im Nebenraum mit einem aufwendigen Kugelbahnspiel des Künstlers Mahler weiter, dessen Spezialität kinetische Installationen sind. Für das Konzept der Dauerausstellung "Wunderland Löwenberg" sind End, Kimmig sowie der Vorstand des Fördervereins, vertreten durch Ersin Kurun und Oliver Möller verantwortlich. Sammler Erich Cohnen werde dem Team bei der Gestaltung der Ausstellung auch weiterhin beratend zur Seite stehen, hieß es auf der Pressekonferenz.

Der aus Hamburg stammende Cohnen erklärte seine Sammelleidenschaft mit frühen Kindheitserinnerungen: "Vor meinem Geburtshaus war ein Platz für Jahrmärkte", erinnert er sich. "In den 1940er Jahren war das noch richtig romantisch, vielleicht habe ich deshalb mit dem Sammeln begonnen." Cohnen hatte die Sammlung in Jahrzehnten zusammengetragen und damit das Souterrain seiner Freiburger Wohnung gestaltet. Den materiellen Wert der mehr als 60 Marionetten und etwa zehn Karussellpferde sei nur schwer zu beziffern, erklärte er; Kimmig sprach von etwa 30 000 Euro. "Die Sammlung hat vor allem Liebhaberwert und ist ein echtes Geschenk für das Museum und für die Stadt."