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17. März 2016

Offenburger Pflichtlektüre

Ex-Hauptkommissar Werner Stock hat 22 launige "Buben- und Polizeigeschichten" aufgeschrieben.

OFFENBURG. Hol den Pudding rein, die Dampflok kommt! Schon der Titel macht neugierig auf die "Buben- und Polizeigeschichten aus Offenburg", die ein 128 Seiten starkes Büchlein füllen. Aufgeschrieben hat sie mit Werner Stock ein waschechter Offenburger, der fast 30 Jahre lang als Polizist in seiner Heimatstadt gearbeitet hat. Herausgegeben hat die höchst unterhaltsame Lektüre Jutta Bissinger, in der Stadt bekannt als Autorin von "Um fünf am Stadtbuckel" sowie "Läden & Leute."

Als Werner Stock 2009 pensioniert wurde, da dachte er wie viele Polizisten: "Über das, was ich erlebt habe, könnte ich ein Buch schreiben." Während es in der Regel beim Vorsatz bleibt, griff Stock beherzt zur Feder. Auslöser für den Ausflug in die Schriftstellerei war Jutta Bissingers Offenburger Anekdoten-Sammlung "Um fünf am Stadtbuckel". Stock, der als leidenschaftlicher Reiter und Turnierrichter inzwischen in der deutschen Pferdehauptstadt Warendorf lebt und dessen Frau Ulrike eine kleine Pension betreibt, bekam das Buch im vergangenen Herbst bei einem Offenburg-Besuch in die Hand. Er nahm Kontakt zu Jutta Bissinger auf und bot ihr an, fürs nächste Werk das eine oder andere Geschichtle erzählen zu können. Stock schickte ein paar Schlagzeilen im Stil des heutigen Buchtitels – das Interesse war geweckt. Nach einem ersten Treffen in Schillers Café in Offenburg kamen die beiden Autoren im Herbst 2015 überein, dass Stock einfach selbst aufschreibt, was er in seinen Offenburger Jahren erlebt hat und Jutta Bissinger sich als Herausgeberin um den Rest kümmert. Gesagt, getan: "Ich habe von 1. bis 22. November jeden Tag geschrieben", sagt Werner Stock lachend. Es hat sich gelohnt – auch für ihn selbst: Zum Stolz auf das Werk kam durchs Schreiben auch "die Erkenntnis, dass ich eine schöne Kindheit hatte." Das sei doch lange verdeckt gewesen.

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Gleiches gilt auch für den Beruf des Polizisten: "Das war für mich immer mein Traumberuf", sagt Werner Stock. Dass sich das in den letzten Berufsjahren geändert hat, liege auch daran, dass sich die Polizei "immer mehr selbst verwaltet", zusätzliches Personal in den "Wasserköpfen" verschwand und an der Basis kaum ein zusätzlicher Beamter ankam.

Wie Stocks Berufsweg am 11. Oktober 1971 bei der Bereitschaftspolizei in Lahr begann, ist im Kapitel "Wie wird mer Bollizischd?" nachzulesen. Gegliedert sind die 22 Kapitel nach Jahreszahlen – von 1952 bis 1992. Werner Stock spannt den Bogen vom Einsturz der Unionbrücke (siehe Artikel unten) über die einstige Offenburger Herbschtmess bis zum "Schdädische un die Halbgötter in Weiß" – dem städtischen Krankenhaus mit seinen Ärzten. Überwiegt das Lustig-Launige, so kommt auch das Bewegende nicht zu kurz – etwa in "Minner Freund Kawiller". Der Name Kawiller ist zwar geändert, doch die Geschichte des aus der Stegermatt stammenden Schulfreundes, der auf die schiefe Bahn kam, letztlich doch aber wieder den Pfad der Tugend fand, ist berührend. Das gilt nicht minder für die Begegnung mit der Offenburger Jüdin Dorothea Siegler-Wiegand, einer Zeitzeugin des Nazi-Terrors, die dem jungen Werner einst "Mein Kampf" auslieh.

Dass der spätere Hauptkommissar auch seinen Opa in den Akten der Roxi-Bar entdeckte, bringt ebenso Offenburger Lokalkolorit ins Buch, wie die Begegnung mit dem Senator bei der Fahrt im Hochhaus-Paternoster, die Razzia im Schdudendeclub ("Stud") oder das "Rangiererlotto" im Güterbahnhof.

Wer einmal angefangen hat, in Stocks flott geschriebener Geschichtensammlung zu blättern, ist schnell gefesselt. So gehört das von seinem früherem Lahrer Kollegen Siggi Trahasch mit Strichzeichnungen illustrierte und bei Books on Demand verlegte Buch für ältere Offenburger zur höchst unterhaltsamen Pflichtlektüre – und für jüngere erst recht. Auch die Herausgeberin ist mit Werk und Autor sehr zufrieden: "Er nimmt sich selber auf die Schippe und hat das auch später als Polizist beibehalten – das gefällt mir gut", sagt Jutta Bissinger.

Signierstunde, Lesungen, Buch und Kontakt

Werner Stock kommt diesen Samstag, 19. März, von 10.30 bis 12 Uhr zu einer Signierstunde in die Buchhandlung Roth. Lesungen gibt es am Montag 21. März, 20 Uhr im Spitalkeller in der Reihe "LesBar" sowie am 4. April im Winzerkeller in Zell-Weierbach, ebenfalls 20 Uhr.
Das Buch: "Hol den Pudding rein, die Dampflok kommt", 128 Seiten, 11 Zeichnungen ISBN 978-3739245898, BoD Verlag, 8,95 Euro. Erhältlich im Buchhandel und bei der Herausgeberin Jutta Bissinger unter http://www.jutta-bissinger.de sowie unter http://mehr.bz/stock
Kontakt und weitere Infos auch unter http://www.pension-stock.de  

Autor: hsl

Autor: Helmut Seller