Diskussion um Wildtiere

Offenburger Weihnachtscircus: "Die Tierrechtsorganisation Peta erzählt Unfug"

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

So, 16. Dezember 2018 um 18:02 Uhr

Offenburg

Der Leiter des Offenburger Weihnachtscircus’ weist die Anschuldigungen der Tierrechtsorganisation zurück, die Tiere würden zu unnatürlichen Kunststücken gezwungen. Peta fordert ein Wildtierverbot für Offenburg.

Der Weihnachtscircus öffnet am kommenden Mittwoch, 19. Dezember, wieder seine Tore. Die Tierrechtsorganisation Peta übt im Vorfeld traditionell scharfe Kritik an der nach eigenen Angaben "tierschutzwidrigen Veranstaltung", bei der exotische Wildtiere wie Löwen, Tiger, Elefanten, Seelöwen und Zebras zu unnatürlichen "Kunststücken" gezwungen würden. Tierschutzbeauftragter Dieter Seeger vom Veranstalter, dem Circus Charles Knie, weist die Kritik vehement zurück.

Die Organisation appelliert erneut in einer Mitteilung an den Gemeinderat, ein Zirkus-Wildtierverbot auf den Weg zu bringen. Dafür stelle sie sogar einen "rechtssicher gestalteten Musterantrag" zur Verfügung.

"Für die Tiere im Zirkus ist Weihnachten kein Fest. Sie zahlen einen hohen Preis für das kurze, zweifelhafte Vergnügen der Zirkusbesucher", so Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta: "Offenburg sollte der Tierquälerei endlich einen Riegel vorschieben und verantwortungsvoll handeln, denn Zirkusse mit Wildtieren sind auch eine erhebliche Gefahr für Zuschauer und Anwohner."



Raubtierdompteur Alexander Lacey, so Peta, sei 2017 von Ringling Bros. and Barnum & Bailey zurück zu Charles Knie gewechselt, nachdem der große US-Wildtierzirkus aufgrund schwindender Zuschauerzahlen aufgegeben habe. "Peta" weist nachdrücklich auf die Gefahren der Raubtierdressur hin: 2017 sei einer der Tiger bei einem Transport in den USA entkommen, durch Siedlungen gestreift und von der Polizei erschossen worden. Im Frühjahr sei Lacey von einer Löwin angegriffen worden. Peta übt außerdem Kritik an den Dressuren mit Elefanten und Seelöwen. Diese seien Wildtiere mit hohen Ansprüchen an ihren Lebensraum.

Mehr als 100 deutsche Städte und Kommunalvertretungen hätten bereits ein Wildtierverbot beschlossen "und damit ein Zeichen für den Tierschutz gesetzt". Hinsichtlich der uneinheitlichen Rechtsprechung deutscher Gerichte bestätige ein Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart, dass kommunale Wildtierverbote weiterhin zulässig seien – "insbesondere, wenn neben tierschutzfachlicher Erwägungen auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als ein wesentlicher Grund für das Verbot genannt wird", da die Verantwortung dafür bei den Kommunen liege.

"Hunde werden deshalb auch nicht verboten"

Bezüglich exotischer Wildtierarten sprechen sich laut Peta auch die Bundestierärztekammer sowie die Mehrheit der Deutschen für ein Verbot aus. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage zufolge seien 82 Prozent der Meinung, dass Wildtiere im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden können. Auch der Bundesrat habe 2016 erneut ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gefordert und dies in seinem Antrag damit begründet, dass die Tiere erheblichem Leid ausgesetzt seien.

"Das ist das Übliche, was wir von Peta immer wieder zu lesen bekommen, es ist Unfug", sagte Dieter Seeger, Produktionsleiter des Offenburger Weihnachtscircus’, Tierschutzbeauftragter von Charles Knie und Vorsitzender des Verbandes der deutschen Circusunternehmen, auf Anfrage. Immer wieder würden Leute zitiert, die "von Wildtieren nur bedingt Ahnung haben".

Richtig sei, so Seeger, dass in den USA ein Tiger ausgebrochen sei, doch die Umstände seien längst nicht geklärt. Zudem: Die Anzahl von Ausbrüchen von Wildtieren aus Zirkussen sei im Verhältnis zu Gefährdungen bei anderen Veranstaltungen, etwa Reitturnieren, "verschwindend gering". Überdies seien die 30 000 "Beißvorgänge" von Hunden jährlich nicht zu ignorieren: "Hunde werden deshalb auch nicht verboten."

Gewiss, Lacey sei angegriffen worden, es sei, wie er bekannt habe, sein eigenes Verschulden und die Verletzung "geringfügig gewesen". Die Forsa-Umfrage, so Seeger, kenne er nicht, und es hätten höchstens 60 Städte ein Wildtierverbot erlassen – und mehr als die Hälfte seien nicht relevant, "weil sie gar keinen Zirkusplatz haben".

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