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04. Dezember 2014

Ortenau-Klinikum will Risiko für Raucher nach einer OP minimieren

Rund 3000 Raucher landen jährlich auf den Operationstischen / Spezielles Entwöhnungsprogramm soll sie vor möglichen schweren Folgen eines Eingriffs bewahren.

  1. Wer vier bis sechs Wochen vor einer Operation auf den Glimmestängel verzichtet, kann erhöhte Raucher-Risiken deutlich senken. Foto: dpa

  2. Wer vier bis sechs Wochen vor einer Operation auf den Glimmstängel verzichtet, kann erhöhte Raucher-Risiken deutlich senken. Foto: dpa

OFFENBURG. Rund 3000 Raucher kommen jährlich im Ortenau-Klinikum geplant auf den OP-Tisch. Dabei handelt es sich vor allem um Eingriffe an "Hüfte, Schilddrüse, Kniegelenk", erläutert Reinhard Müller vom zentralen Medizincontrolling. Genau für diese Gruppe gibt es nun ein spezielles Programm, um die Folgen des Eingriffs zu verbessern. Rauchfrei in den OP, oder kurz RiO, so der Name des Angebots, wurde am Dienstabend in der Josefsklinik in Offenburg vorgestellt. Es ist eine Kooperation von Gesundes Kinzigtal, dem Ortenau-Klinikum unter Beteiligung der Krankenkassen AOK, SVLFG und Barmer GEK sowie mit Unterstützung des Landratsamts. Das Ziel, so Projektleiter Dirk Konnegen von den Gesundheitsmanagern der Gesundes Kinzigtal aus Haslach, ist es, Rauchern in einer Kurzintervention dabei zu unterstützen, zumindest für einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen vor einem geplanten Eingriff rauchfrei zu sein. Ein Ziel, das auch bei der Landesregierung auf Wohlwollen stößt: Schirmherrin ist Gesundheitsministerin Katrin Altpeter.

Das Warum erläuterte Michael Neuburger, Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin am Ortenau-Klinikum-Standort Achern-Oberkirch: "Raucher haben nach einer Operation ein höheres Risiko einer Lungenentzündung, eines Schlaganfalls, einer Lungenembolie oder einer Beatmung während des Eingriffs." Wer allerdings vier Wochen oder noch besser länger vorher nicht mehr rauche, minimiere dieses Risiko – zum Teil sehr deutlich. "Es ist sogar mehr als das", führte Ulrich Geiger, Vorsitzender der Kreisärzteschaft Ortenau, weiter aus: Die Patienten und ihre Hausärzte hätten bei solchen geplanten Operationen ja Zeit, sich darauf vorzubereiten. Eventuelle Probleme über das medizinische Risiko hinaus nach der OP müssten ebenfalls angesprochen werden, etwa das Husten mit frischer Narbe.

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Da für viele Raucher der Schritt zum Nichtraucher eigentlich nicht vorstellbar sei, weil er ihnen zu groß vorkommt, habe RiO noch einen weiteren Vorteil. Mit diesem Angebot zu einem konkreten Anlass und einem konkreten Ziel lasse sich dieser Schritt nämlich anders bewerten und definieren. "Ein großer Schritt wird kleiner", sagte Geiger. RiO werde nun an allen Standorten des Ortenau-Klinikums und den Haus- sowie Fachärzten im Landkreis vorgestellt und in die generelle OP-Vorstellung integriert. "Wir rechnen damit, dass die ersten Kurzinterventionen im Januar oder Februar losgehen", sagt Dirk Konnegen. Angeboten als Entwöhnungsmethoden werden eine Gruppentherapie in Zusammenarbeit mit der Fachstelle Sucht und mittels Akupunktur. Die Kosten dafür tragen Barmer, AOK und SVLFG für ihre Versicherten. "Aber es gibt immer die Möglichkeit, dass auch andere Kassen einer individuellen Finanzierung zustimmen", sagt Konnegen.

Die Grundlage des Programms, das in dieser Form einzigartig in Deutschland ist, kommt aus Schweden. Dort hatte sich ein Orthopäde geweigert, Raucher zu operieren, wenn sie nicht rauchfrei sind. "So weit gehen wir nicht", sagte Reinhard Müller. Der Facharzt für Innere Medizin und oberste Controller des Klinikums machte klar, dass Rauchfreiheit keinen Einfluss auf OP-Termine habe.

Autor: Patrick Merck