Pan tanzt zeitweise bocksbeinig Menuett

Robert Ullmann

Von Robert Ullmann

Di, 14. Februar 2017

Offenburg

Zweites Konzert zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Offenburger Ensembles vereint Stimmungs- und Humorvolles mit Virtuosem.

OFFENBURG. Er hat richtig viel Spaß gemacht, dieser zweite Teil der Konzert-Trilogie, mit dem das Offenburger Ensemble sein 30-jähriges Bestehen feiert. Die Soiree am Samstag im sehr gut besuchten Schillersaal bot stimmungsvolle, humorvolle und hoch virtuose Musik – mit hoher gemeinsamer Schnittmenge.

In die Abteilung "stimmungsvoll" gehörte György Ligetis "Ballade und Tanz" für Blockflöte und Ensemble, ein reizendes kleines Werk, sonnig und heiter, mit einer volksliedhaften Melodie, gefolgt von einem Tanz, der nach Renaissance-Musik klingt. Da wie dort wechselt stets die Blockflöte (Reinhard Holz) mit einem kleinen Ensemble aus Streichern, Klavier und Schlagwerk. Das Konzert begann mit dem Werk "Die Schönheit des Morgens" für Klarinette und Klavier von Wilhelm Killmayer. Es ist in gewisser Weise ein Eintauchen in die Welt Eichendorffs, doch geht es weit darüber hinaus. Es gelingt Killmayer, die Momente der Ruhe, der Schönheit, des inneren Friedens musikalisch unprätentiös einzufangen. Zugleich wird deutlich, dass diese Momente brüchig sind. Der fantastische Markus Raus an der Klarinette bringt diese endlos weiten Melodiebögen zum Schimmern, weich und warm, einfühlsam gestützt am Klavier durch Uschi Gross. An dieser Musik wirkt alles schlicht und schön. Hier ein Weckruf – oder war es ein Vogel? –, dort munteres Hummelsummen, zarteste Klangfarben, sprudelnde Intervallfolgen und nachdenkliches Innehalten. Doch schleichen sich auch dunklere Momente ein, wie Sorgen des Alltags. Harmonie ist vergänglich, und sowohl Komponist wie Interpreten scheinen das zu wissen.

Gleich im Anschluss der Wechsel zum Humor – und das mit einer Uraufführung. Der Heidelberger Komponist Moritz Eggert hat ein Gedicht der Lyrikerin Sabine Bergk vertont und das Werk der Fagottistin Annette Winker und der Sopranistin Siri Thornhill gewidmet. "Der weiße Garten" ist textlich ein Sinnbild dafür, wie Lyrik entsteht: "Tagsüber wirkt er fahl. Erst mit sinkendem Licht beginnt er zu klingen ( . . . ) Wahn und Nacht treiben pflanzliche Varianten." Eggert setzt das Symbolische gegen das Plastische. Während Siri Thornhills schöner Sopran ganz kultiviert die Silben rundet, sie auskostet, vorsichtig fasst, bedächtig abwägt, tanzt via Fagott der Gott Pan durch die Partitur, mal bestens gelaunt, mal verärgert bruddelnd über die lyrische Störung. Das fallende Fagott-Motiv ist simpel-genial, und der zeitweise bocksbeinig Menuett tanzende Pan ist köstlich. "Tango perpétual / Perpetual Tango" von Eric Satie und John Cage war bestes Musikkabarett. Satie hat einen Tango in Endlosschlaufe komponiert, Cage hat ein paar Töne aus ihm herausgebrochen, was ihn völlig schräg macht, beide haben dazu einen Text um Tod und Teufel beim Tanz verfasst. Uschi Groß spielt bewusst mit der mechanischen Gelangweiltheit eines Caféhauspianisten, und Ursula Bengel rezitiert förmlich bis zur völligen Erschöpfung. Der Saal hat getobt vor Lachen.

Bleibt noch die Abteilung "virtuos" – und da gab es Fantastisches und wiederum Stimmungsvolles zu hören, zunächst mit einem Kammermusikwerk von Bohuslav Martinu aus dem Jahr 1949. Friedemann Treiber und seine Ehefrau Marzena Toszco-Treiber spielten, Viola und Violine, unglaublich eng ineinandergreifend, mit vehementen Wechseln zwischen innig und expressiv. Und dann noch Friedemann Treibers "Tango – in Memorian Astor Piazzolla", von ihm selbst auf die Violine gespielt, begleitet von Klaus Jäckle an der Gitarre: Virtuos, zerrend, tieftraurig und wild aufbegehrend – zweimal große und großartig dargebotene Musik.