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19. Mai 2010

"Patient behält die Kontrolle"

BZ-INTERVIEW mit Anke Jörger über Therapie durch Hypnose.

  1. Diplom-Psychologin Anke Jörger hält an der VHS einen Vortrag über Hypnotherapie. Foto: PR

OFFENBURG. Mit "Hypnose zwischen Okzident und Orient" beschäftigt sich Anke Jörger in ihrem Vortrag an der VHS: Die Offenburger Diplom-Psychologin wird die verschiedenen Anwendungsbereiche der Hypnotherapie vorstellen, aber auch auf die Grenzen und Gefahren hinweisen. Im Interview spricht sie über die Hintergründe.

BZ: Ist Hypnose gleich Hypnose?
Anke Jörger: Überhaupt nicht. Die professionelle Hypnose im medizinischen, zahnmedizinischen und psychotherapeutischen Rahmen wird sehr unterschiedlich angewandt. Von der früheren direktiven, "machtvollen" Hypnose, wo einem etwas eingetrichtert wird, was dann passieren soll, hat sich die Hypnose zu einer Therapieform entwickelt, in der unbewusste Ressourcen aktiviert werden, die die Klienten befähigen, ihr Problem selbst zu lösen. Der Patient behält die Kontrolle über das Geschehen. In der Regel gilt: Je besser ein Hypnosetherapeut ausgebildet ist, umso weniger Brimborium veranstaltet er um die Hypnose.
BZ: Wie sind Sie auf diese Therapieform gestoßen?

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Jörger: Als ich noch auf dem Gymnasium war, haben wir im Bekanntenkreis zum Spaß mit Hypnose und Selbsthypnose experimentiert. Wir wollten schauen: Was ist mental mit Hypnose alles möglich? Dabei haben wir einige wirklich verrückte Sachen probiert, die ich heute als Therapeutin nicht mehr machen würde! Aber in Selbsthypnose ist es mir völlig unerwartet gelungen, eine starke Allergie zum Verschwinden zu bringen, unter der ich vorher jahrelang gelitten hatte. Da habe ich Feuer gefangen und gedacht: Das will ich beruflich machen. Also habe ich mich entschieden, erst Psychologie zu studieren und dann bei der Deutschen Gesellschaft für Hypnose in München eine dreijährige Ausbildung in Hypnotherapie zu machen.
BZ: Wann würden Sie von einer psychotherapeutischen Hypnose abraten?
Jörger: Es gibt wenige absolute, aber mehrere relative Kontraindikationen. Hypnose ist zur Therapie von psychotischen Erkrankungen nur sehr eingeschränkt geeignet. In verschiedenen anderen Situationen braucht es einfach sehr viel Erfahrung mit Hypnose oder mit bestimmten Störungsbildern, um mit Hypnose arbeiten zu können. Ein gut ausgebildeter Therapeut wird flexibel mit verschiedenen Methoden vorgehen. Ich vergleiche das gerne mit einem wirksamen Medikament. Wenn man es bei der richtigen Krankheit und in der richtigen Dosierung einsetzt, bewirkt es Heilung. Wenn man es falsch einsetzt, wirkt es im besten Fall gar nicht, im schlechtesten negativ. Wenn jemand den Eindruck erweckt, er könne in Hypnose Macht ausüben und so ein Problem zum Verschwinden bringen, heißt es auf jeden Fall: Finger weg! Hier werden Abhängigkeiten geschaffen, die zum Bumerang werden können.

VHS-Vortrag: Donnerstag, 20. Mai, 20 Uhr, Amand-Goegg-Straße 2, Raum 102.

Autor: bz