Plötzlich mit dem All verbunden

Robert Ullmann

Von Robert Ullmann

Di, 22. November 2016

Offenburg

Trio beim Weingartenkonzert.

OFFENBURG. Heiter-höfische Musik, hohe Spiritualität auf der Orgel, danach glühende deutsche Romantik und ein augenzwinkernder Rausschmeißer – das jüngste der Weingartenkonzerte war eine abwechslungsreiche Angelegenheit.

Das Trio aus Felix Ketterer (Orgel), Sarah Marie Immer (Geige), und Martina Jessel (Cello) begann mit einer Sonate für Violine und Continuo von Jean-Baptiste Loeillet de Gant, der um 1700 Hofmusiker des Erzbischofs von Lyon war. Es handelt sich um barocke Unterhaltungsmusik, mit leichter Hand komponiert. Die jubelnde Violine beginnt, das Cello gibt Echos, die Orgel – sie übernimmt den Part des Cembalos – wispert und zirpt. Ein wenig Feierlichkeit ist immer dabei, ein Erzbischofshaushalt hat Würde zu zeigen. Im Largo wird es noch anmutiger, Geige und Cello wetteifern mit ausschweifenden Klagetönen, Ketterer setzt zarte Orgeltupferchen dran. Dann ein gemessenes Rondeau – und hoppla! Bei der Gigue zum Abschluss wird es richtig spritzig. Fazit: Ein idealer Einstieg in ein Konzert.

Ketterer widmet sich anschließend dem Choral Numero 3 in a-Moll von César Franck, Belgier wie Loeillet, aber 150 Jahre jünger. Das Werk entstand 1890, in Francks Todesjahr. Taumelnde Intervallketten, Fanfarentutti, unterlegt mit Kraftbässen, flirrende Höhen – das ist brausendes Gotteslob und eine Feier des Instruments, das Franck so sehr liebte. Dann tastende Halbtonschritte, ein Suchen, Seufzer, Drängen. Das wächst zu einer großen Linie zusammen, zu einem Fließen. Und plötzlich merkt man, wie diese Musik von einer großen innere Ruhe durchströmt ist – ein ganz wunderbarer Moment: Musik, die über uns hinaus weist, die Schönheit des Klangs feiert.

Danach hat es Francks Zeitgenosse Josef Gabriel Rheinberger mit seiner Suite in c-Moll, opus 149, zunächst einmal schwer. Das Werk ist üppig im Klang und im Gefühl. Da gibt es eingängige Melodik, im Adagio eine operettenhafte Sehnsucht, die durch hymnische Orgel-Passagen noch überhöht wird, viel Geigenglut und satt-intensives Cello. Im Schlusssatz darf auch die Orgel gewaltig erklingen – ziemlich kalorienhaltige Romantik.

Ketterer, der auch Organisator der Konzertreihe ist, hatte danach die Überraschung auf seiner Seite, als er die Melodie der amerikanischen Nationalhymne durch die Kirche strömen ließ. Auf Pathos folgte zartes Flattern, durchsetzt mit Vogelrufen, ein folkloristisch heiterer Tanz, dann ein walzernder Ländler, USA meets Alpenland, und schließlich gar noch eine Fuge. Zugleich demonstrierte Ketterer, was die Winterhalter-Orgel in der Weingartenkirche so drauf hat.