Psychisch labile Frau legt Feuer im Polizeikombi

hru

Von hru

Mo, 09. April 2018

Offenburg

Sie habe sich nur eine Zigarette anzünden wollen: Die 49-jährige Angeklagte wird zu einer Geldstrafe von 480 Euro verurteilt.

OFFENBURG (hru). Weil eine 49 Jahre alte Frau auf dem Weg in die Ausnüchterungszelle ein Feuer im Polizeikombi entfacht hat, ist sie wegen fahrlässiger Brandstiftung zu einer Geldstrafe von 480 Euro verurteilt worden. Die zur Tatzeit im Sommer 2017 stark betrunkene Frau erklärte vor Gericht, das Feuer nicht absichtlich gelegt zu haben.

Es sei keine vorsätzliche Brandstiftung gewesen. Wahrscheinlich habe sie sich eine Zigarette anzünden wollen, sagte die 49-Jährige, die derzeit im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen (ZFP) untergebracht ist. Während des Feuers war sie teilnahmslos im Auto sitzen geblieben und musste von den Polizeibeamten hinausgezogen werden. Ein Polizist erlitt dabei Verbrennungen.

Weil ihr körperlicher Zustand die Beförderung im Streifenwagen nicht zugelassen hatte – die Frau saß in ihren Exkrementen – benutze die Polizei einen Kombi und legte, um die Rückbank zu schützen, einen weißen Schutzanzug der Kripo aus Dieser stand während der Fahrt über die B 3 plötzlich in Flammen.

Die Polizisten im Führerhaus bemerkten den Rauch, sprangen aus dem Wagen und zogen die Frau aus dem Fahrzeug. "Es brennt an Ihrem Hinterteil und Sie sitzen seelenruhig da", fragte die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts, Ute Körner. "Ich habe nicht gemerkt, dass es unter mir gebrannt hat", erwiderte die gelernte Industriekauffrau, die seit Jahren abwechselnd in Notunterkünften, in der Psychiatrie und auf der Straße lebt.

Gegen 14 Uhr am 10. Juni 2017 fanden Jugendliche die Frau auf einer Parkbank bei einer Bushaltestelle in Hofweier. Die polizeibekannte 49-Jährige war laut Polizei stark alkoholisiert, eingenässt und eingekotet. Im mühsamen Gespräch erlangten die Polizeibeamten Informationen über Angehörige der Frau. Der Ex-Schwiegersohn kam sogar hinzu, schilderte eine Polizistin. Er weigerte sich jedoch, sie mitzunehmen. Sie hätte schon bei ihm gelebt, aber das sei schief gegangen. Ein Anruf bei der Tochter endete so: "Die Tochter legte sofort auf."

Eine halbe Stunde dauerte die Klärung der Situation. Während die Polizeibeamten die Frau befragten, habe sie sich immer wieder eingenässt. "Ich wusste gar nicht, dass ein Körper so viel Urin produzieren kann", sagte die Polizeibeamtin. Nachdem man den Bereitschaftsrichter, für die Anordnung einer Gewahrsamnahme zuständig, überzeugt hatte, wurde Gewahrsam bis 21 Uhr angeordnet.

In den vergangenen Jahren befand sich die 49-Jährige 30 Mal in stationärer Behandlung in Emmendingen. Dazwischen war sie obdachlos. "Auf der Straße ist es besser", sagte die an Depressionen und Alkoholsucht erkrankte Frau. Wenn ihr die Therapie zu viel war, sei sie geflüchtet. Eine halbe Flasche Wodka oder ein Tetra-Pack Wein reiche, "um mich wegzubeamen", erklärte sie.

Für eine längerfristige Entwöhnungstherapie brauche es aber einen "Abstinenzwillen". Den hätte die 49-Jährige bislang noch nicht gehabt. Vor einiger Zeit, während der Kälteperiode, floh sie leichtbekleidet aus der Klinik und betrank sich in der Nähe. Mit 33 Grad Körpertemperatur sei sie aufgefunden und notärztlich behandelt worden.