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24. März 2009
Qualität statt Fallzahlen
Expertenrunde diskutiert über die Gesundheitsregion Ortenau
OFFENBURG. Mehr Innovation, mehr Transparenz, mehr Vernetzung: Diese Ansprüche will die Gesundheitsregion Ortenau (GRO) umsetzen, zu der sich Kommunen, Krankenkassen, Kliniken, niedergelassene Ärzte und weitere therapeutische Leistungsanbieter zusammengeschlossen haben. Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Messe "Balance" ging es um Verbesserungen der Gesundheitsversorgung. Am 4. März wurde der Verein GRO gegründet, dessen Konzept heute schon für das Bundesministerium für Bildung und Forschung zu den 20 besten der Republik gehört. Am 27. Mai wird sich entscheiden, ob die GRO zu den vier bis fünf ausgewählten Regionen zählt, die mit insgesamt 40 Millionen Euro bezuschusst werden. Helmut Hildebrandt gibt sich zuversichtlich. Der Geschäftsführer der Gesundes Kinzigtal GmbH will die guten Erfahrungen, die im Kinzigtal gemacht wurden, auf die gesamte Ortenau übertragen. Aus einer engeren Verknüpfung der Gesundheitseinrichtungen soll die Gesamtbevölkerung ihren Nutzen ziehen. Prävention spielt eine große Rolle, hier soll – auch um Leistungsausgaben einzusparen – gezielt mehr Geld hineinfließen. Das Problem besteht für Hildebrandt darin, dass man heute investieren müsse, den Erfolg aber erst morgen sehe.
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Ulrich Stößel, akademischer Oberrat an der Freiburger Uni, hält es für notwendig, die verschiedenen Versorgungssysteme wissenschaftlich zu begleiten: "Davon passiert in Deutschland zu wenig." Mit der GRO würden Leuchtzeichen gesetzt, so der Medizinsoziologe. Für ihn liegt die Hauptschwierigkeit in der "Zerstückelung der Leistungslandschaft": Der Orthopäde beispielsweise sollte wissen, was der Krankengymnast macht. Das sei nicht immer der Fall.
Durch Ärzte- und Geldmangel entstehen für Manfred Lörch Engpässe sowohl im ambulanten wie stationären Bereich. Der Geschäftsführer der Ortenau-Kliniken am Landratsamt drängt auf eine stärkere Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und den Kliniken. So ließen sich etwa Geräte und OP-Saal auch extern nutzen. Mit einem speziellen Ausbildungsprogramm und einer Niederlassungsgarantie sollen junge Ärzte in die Ortenau gelockt werden: "Der ländliche Raum blutet sonst aus."
Kai Burr von Burda Direct sieht die Arbeitgeber gefordert, ihren Mitarbeitern Möglichkeiten zur Gesundheitsvorsorge anzubieten. Interne Angebote und Beratung hätten im eigenen Betrieb dazu geführt, dass der Hüftumfang bei den Teilnehmer im Schnitt um fünf Zentimeter kleiner geworden sein, verwies Burr auf eine Erfolgsgeschichte. Dass auch die GRO zu einer solchen werde, hofft Helmut Hildebrandt. Die Chancen stünden gut. Die GRO habe die ganze Region im Blick, vom Arbeitgeber über die Schulen bis zu den Senioren. Es gehe darum, den Patienten zu qualifizieren und zu motivieren, an der eigenen Gesundheit zu arbeiten. Ärzte müssten in ihrer Behandlungsfähigkeit unterstützt werden. Wobei sich die Podiumsteilnehmer einig waren: Ärzte stehen vor lauter Rationalisierungen unter ständigem Druck, Fallzahlen zu machen statt Qualität. Auch seien die Erwartungen ans Gesundheitssystem zu groß, führte Lörch aus: "Wenn nicht mehr Selbstverantwortung ins System kommt, können irgendwann nicht mehr alle Patienten behandelt werden." Unter Selbstverantwortung versteht er Prävention. An diesem Punkt will die GRO ansetzen. Um den bürokratischen Aufwand zu verringern, ist zudem vorstellbar, den niedergelassenen Ärzten die Klinikdaten zugänglich zu machen – wenn der Patient damit einverstanden ist.
Autor: Gertrude Siefke
