Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. Juni 2016

Schwarzwald-Flavour für Gladbach

Der Offenburger Rapper, Songschreiber und Musikproduzent Claudio Esposito gewinnt Wettbewerb um Mönchengladbach-Song.

  1. Claudio Esposito in der Vinyl Garage, seinem ersten Ziel in Mönchengladbach. Foto:   Philipp Hesse

OFFENBURG/MÖNCHENGLADBACH. Der Offenburg Songschreiber, Rapper und Musikproduzent Claudio Esposito hat den vom WDR-Fernsehen veranstalteten Wettbewerb um den besten Mönchengladbach-Song gewonnen. Bei der Live-Präsentation am Freitagabend war Espositos Rap-Song "Gladbach, eine Liebe" beim Publikumsvoting mit deutlichem Abstand vorn.

"Sounds like Heimat" heißt die WDR-Serie, in der jeweils drei Musiker für exakt drei Tage in eine ihnen unbekannte Stadt in Nordrhein-Westfalen geschickt werden, um dann einen Song über die Stadt zu schreiben. Welche Stadt das sein wird, wissen die Bewerber vorher nicht. "Ich hoffte, es würde Mönchengladbach sein", sagt Claudio Esposito.

Der Rapper aus der Nordweststadt verdankt seine Teilnahme seiner Offenburg-Hymne "Wo ich herkomm" und seinem Song "Schwarzwald-Flavour", die beide auf dem Internet-Videoportal Youtube zu sehen sind. Daraufhin besuchte ihn ein WDR-Team im Badischen und drückte ihm einen Umschlag in die Hand: Am Montag antanzen zum Wettbewerb in Mönchengladbach!

Von Montagfrüh bis Dienstagabend vergangene Woche zog der Offenburger von einem Kamerateam begleitet durch die ihm unbekannte Stadt. "Ich kenne den Rapper Kern und den Produzenten Oduza, die dort leben. Wir haben schon Songs zusammen gemacht. Aber ich war noch nie dort", gesteht Esposito, der nicht nur Musiker und Vinyl-Fan, sondern auch Sozialarbeiter ist. Da war es logisch, dass er als erstes einen Shop namens "Vinyl-Garage" aufsuchte.

Werbung


Die Einrichtung sei, so Esposito, mit einem Resozialisierungsprojekt für Ausstiegswillige aus der Drogenszene verknüpft. Der Plattenverkäufer erzählte ihm von der Gladbacher Band Wallenstein. Die war eine der prägenden Bands des "Krautrock". Esposito hörte sich durch deren Musik durch. Am selben Abend noch ging er mit Oduza und weiteren Musikern ins Studio, sampelte den Wallenstein-Song "On an Eagles Wing", legte eine Basslinie drunter, Drums, Keyboard. "Für mich war das DIE Entdeckung. Ich hatte Musik aus Gladbach, eingespielt mit Gladbacher Musikern! Ich hatte meinen Soundtrack." Fehlte nur noch der Text.

Er besuchte einen der vielen Fußballclubs von Gladbach: "Einen mit viel Jugendarbeit." Natürlich fehlt auch die Borussia nicht in seinem Song: "Die Leute hier sind wahnsinnig stolz auf die Borussia – und auf die Tante Ju!" Tante Ju – das ist die vom Gladbacher Flugzeugpionier Hugo Junkers entwickelte dreimotorige Ju 52, die heute noch täglich zu Rundflügen über der Stadt kreist.

Er habe auch Kritisches mit verarbeitet – mit einem durch Offenburg geschärften Blick. Etwa das 40000 Quadratmeter große Einkaufszentrum Minto, vor drei Monaten eröffnet. Esposito: "Viele Gladbacher klagten mir gegenüber, dass jetzt schon kleine Läden zugemacht hätten." Oder den Streit ums Kfz-Kennzeichen von Rheydt. In den 1970er war die Kreisstadt Rheydt eingemeindet worden. Nun wollen die Rheydter gern ihr altes Kennzeichen wiederhaben, wie das in der Ortenau die Bewohner der früheren Kreise teils auch haben. Zur Live-Präsentation reisten Esposito und sein Offenburger Bühnenpartner DJ Tony Luong erneut nach Mönchengladbach. Im Publikum seien viele ältere Gladbacher dagewesen – und gerade die mochten seinen Song. "Wer kennt Wallenstein?" fragte er. Massenhaft Hände seien hochgeflogen.

Espositos Stadtrundgang und sein Siegersong werden im August oder September im WDR-Fernsehen gezeigt. Den Song überarbeitet er derzeit nochmals und stellt ihn dann zum freien Download ins Netz – als Geschenk an die Stadt, die ihm sympathisch geworden ist. Auch eine Einladung vom dortigen Rathaus hat er bekommen, um bei einem offiziellen Ereignis "Gladbach – eine Liebe" nochmals live zu rappen.

Autor: Robert Ullmann