Offenburg

So war die Premiere von "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau"

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Mi, 21. November 2018 um 19:07 Uhr

Offenburg

Vor rund 1200 Gästen haben SWR und Hubert Burda Media in der Oberrheinhalle den Zweiteiler "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" präsentiert. Der Film setzt der außergewöhnlichen Offenburger Verlegerin ein würdiges Denkmal.

Roter Teppich in der Oberrheinhalle, Filmstars und Prominenz: Fast herrscht in Offenburg am Dienstagabend mal wieder ein wenig Bambi-Atmosphäre. Fotografen drängen sich um die Hauptdarsteller, allen voran um Katharina Wackernagel – der die Rolle der Aenne buchstäblich auf den Leib geschneidert ist. Mit Fritz Karl als Franz Burda wurde eine weitere Idealbesetzung gefunden – mancher ältere Offenburger sah sich an den Senator erinnert.

Der Film beschreibt über zwei Mal 90 Minuten, wie aus der in der Offenburger Gaswerkstraße geborenen Anna Magdalena Lemminger mit unbändiger Willenskraft, Einfallsreichtum, Geschäftstüchtigkeit und einer gehörigen Portion Eigensinn eine der prägenden Frauen der Wirtschaftswunderjahre wird.

Aenne geht mutig und unaufhaltsam ihren Weg

Aenne Burda erkennt, dass die Frauen in der Nachkriegszeit eine Sehnsucht nach Schönem haben – wie sie selbst. Nur die Ehefrau des wohlhabenden Druckers und Verlegers Franz Burda und Mutter der Söhne Franz jr., Frieder und Hubert zu sein, ist ihr nicht genug. Als sie erfährt, dass ihr Mann ein uneheliches Kind im Alter Huberts und mit seiner ehemaligen Sekretärin Evelyn Holler quasi eine Zweitfamilie hat, da nehmen die Dinge ihren Lauf.

In einer Zeit, in der Frauen ohne die Erlaubnis ihres Mannes nicht einmal verreisen dürfen, geht Aenne mutig und unaufhaltsam ihren Weg, lässt sich auch von herben Rückschlägen nicht entmutigen und zahlt es dem untreuen Gemahl mit einem italienischen Liebhaber heim.

"Jede Minute fühlte ich mich daheim." Hubert Burda


In der Oberrheinhalle gibt es für solche Szenen munteren Zwischenapplaus: "Der Film war schon sehr realistisch – ein echtes Zeitdokument. 1955 hätte kein Mensch geklatscht bei dem Satz: ’Ich habe einen Liebhaber’", beschreibt Hubert Burda den damaligen Zeitgeist und auch die mitunter verstörende Beziehung seiner Eltern: "Wirklich ein Kompliment – es war so eins zu eins. Ich habe mir manchmal an den Kopf gefasst und mich gefragt: Bin ich jetzt in der Hauptstraße 13 oder in der Schanzstraße 12 in Offenburg. Jede Minute fühlte ich mich daheim – da ging es oft so zu", sagt der 78-jährige über das ganz persönliche Film-Erleben.

Die Basis für den Zweiteiler hatte die Offenburger Autorin Ute Dahmen mit ihrer Aenne-Burda-Biografie "Wunder sind machbar" geliefert. Drehbuchautorin Regine Bielefeld hat daraus herausragenden Filmstoff gewoben. "Das ist ein ganz wichtiger Film für Frauen, denn man sieht: Alles ist machbar, wenn man es will", sagt Sabine Tettenborn, die Produzentin des Films.

Dass die Aufbereitung so spannend ist, dass sie auch eine Doppel-Filmnacht füllt, zeigte sich nach einer mit angeregten Gesprächen ausgefüllten Pause: Bei Teil zwei war die Halle trotz fortgeschrittener Stunde noch ebenso voll besetzt, wie am Anfang. Für viele der Gäste war am Ende klar: Den Film schauen sie auch ein zweites Mal an.
Stimmen zum Film

Wie kam der Film bei der Familie Burda und ihren Weggefährten an? Helmut Seller hat nachgefragt. Hier sind die Antworten:

"Wer von euch kennt denn die Aenne? Wow, da gehen ja echt viele Hände hoch."
Elisabeth Burda, Enkelin der großen Verlegerin, in der Oberrheinhalle

"Es freut mich, dass sie so geehrt wird"
Jacob Burda zum Film über seine Oma

"Die Geschichte meiner Familie, das sind schon diese beiden Helden. Ich bin froh, dass ich noch am Leben bin, denn mit solchen Helden kann man auch auf die Schnauze fallen."
Hubert Burda lachend über seine Eltern

"Jeder kriegt eine auf den Latz. Mein Vater hatte viel Humor – sonst übersteht man ja eine Ehe sowieso nicht."
Hubert Burda unter Beifall

"Für mich als Schauspielerin war das eine tolle Rolle."
Katharina Wackernagel, die sich besonders darüber freute, dass in der Oberrheinhalle viele Gäste saßen, die Aenne Burda noch persönlich gekannt haben.

"Ihre Aussagen "Wunder sind machbar" und "Improvisieren geht immer" – das sind die Dinge, die mich durchgetragen haben. Zum "Aenne-Spirit" gehört auch Improvisieren können. Das geht nur mit den besten Mitarbeitern.
Francis Meletzky, Regisseurin des Films

"Aenne-Spirit – uff Badisch heißt des: der Geischt von Aenne."
Hubert Burda als launiger Übersetzer

"Es ist ein Happy End mit Fragezeichen. Aber es ist ein Happy End.
Regine Bielefeld, Drehbuchautorin

"Man findet unglaubliche Dinge, wenn man in eine Bücherei geht."
Drehbuchautorin Regine Bielefeld über ihren Recherche-Besuch in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, wo sie alle Jahrgänge von Burda Moden sowie der Vorgänger-Heftle fand.

"Sie war sehr lebhaft, sehr engagiert, sehr mutig – eine tolle Unternehmerin."
Paul-Bernhard Kallen, Vorstandschef von Hubert Burda Media

"Ich war grad zehn und wusste: Lieber Herrgott, so ein blöder Titel. Jetzt wirst Du für den Rest Deines Lebens Hubert Burda-Moden heißen."
Hubert Burda über den von Aenne Burda gewählten Heft-Titel "Burda-Moden"

"Die Mutter hat immer das Geld verdient, der Vater hat immer investiert."
(Hubert Burda über seine Eltern)

"Der Intendant wird schon ganz unruhig."
(Hubert Burda, der vor dem Filmstart die 1200 Gäste in der Oberrheinhalle zum Singen des Badnerlieds brachte)

"Eine Frau durfte ohne die Erlaubnis ihres Mannes gar nichts tun."
(Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer über die gängige Praxis in den 50ern)

"Emanzipation hat sie nicht interessiert – sie war emanzipiert."
( Hendrike Brenninkmeyer über Aenne Burda)

"Sie war genau so wie sie von Katharina Wackernagel gespielt wird. Sie war impulsiv, direkt, gradlinig und wenn sie von etwas besessen war, dann hat sie es durchgesetzt. Und wie es im Film gezeigt wird, hat sie auch mal die Heftle vom Tisch gefegt."
(Klaus Stoffels, der für die Burda-Immobilien verantwortlich war und 41 Jahre für Burda gearbeitet hat)

"Ich hatte viel Kontakt mit Aenne Burda, weil sie der größte Kunde der Druckerei des eigenen Mannes war. Die mir unterstellten Abteilungen Vertrieb und EDV haben dabei Dienstleistungen erbracht. Frau Burda hat großen Wert daraufgelegt, dass sie als wichtigste Kundin estimiert und ihr Verlag unterstützt wird. Sie hat auch immer genau aufgepasst, dass ihre Heftle im Vergleich mit denen ihres Mannes am Kiosk gut präsentiert werden – ich war dann dazu auserkoren, zwischen beiden für Fairplay zu sorgen."
(Rüdiger Hurrle, einst Leiter des kaufmännischen Bereichs bei Burda)

"Sie war noch viel wilder als im Film. Ich war manchmal dabei, wenn sie und Franz Burda gestritten haben. Wir haben ihre Villa in der Schanzstraße gebaut. Die Treppe mussten wir wieder rausreißen, weil sie sagte: Ich will eine Treppe, auf der man gut zu zweit nebeneinander laufen kann, keinen sozialen Wohnungsbau…"
(Ludwig Fischer ("Fischer-Louis"), Offenburger Bauunternehmer, der für Burda viele Bauten errichtet hat, unter anderem das frühere Hochhaus)

"Ich habe Aenne Burda nicht persönlich gekannt. Aber sie ist ungeheuer beeindruckend. Und der Film macht deutlich: Alles, was diese Frau erkämpft hat, liegt noch gar nicht so lange zurück."
(Marco Steffens, von 3. Dezember an neuer Oberbürgermeister von Offenburg)

"Dieser Film war einer der schönsten Burda-Momente in meinem Leben. "
Hubert Burda, der klarstellte, dass das elterliche Erbe auch Verpflichtung ist: "Du musst nach vorne, Du darfst nicht versagen. Ich war im Grunde pleite, drei Wochen, bevor ich den Focus herausgab."

"Ich seh" die Katharina und ich denk": Ha, des isch mei Mutter."
Hubert Burda, der gestand, dass er seine Mutter immer verehrt hat. Und mit Blick auf Katharina Wackernagel: "Dass ich Simpel jetzt 78 bin, isch natürlich ein Regiefehler." (Tosender Beifall)

"Der Film war schauspielerisch unheimlich gut, die Charaktere gut vorgelebt. Das wird sicher ein Knüller"
(Martin Herrenknecht, Weltmarktführer im Tunnelbohren aus Schwanau)

"Der Film war super. Ich schaue ihn mir nochmal an."
(Werner Kimmig, TV-Produzent unter anderem Bambi)

"Burda Moden hatte in den besten Zeiten rund 1,5 Millionen Exemplare Auflage. Das war ein gigantischer Druckauftrag. Die Aenne war eine ganz wichtige Druck-Kundin und Umsatzbringerin für ihren Mann. Und Franz Burda hat auch sehr gut bezahlt. Der Film ist schon sehr realitätsnah."
(Egon Weimer, langjähriger Chef der Burda-Druckereien)