Sprachrohr für die Interessen der Innenstadtbewohner

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Mi, 12. Dezember 2018

Offenburg

Adventsfeier der Bürgergemeinschaft Innenstadt mit zwei Vorträgen zur Innenstadtgeschichte und "Stadt-Speck".

OFFENBURG. Im Warmen bei Kaffee, Kuchen und gemeinsamem Singen lasse es sich gut feiern, begrüßte Ingo Fritz, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Innenstadt, die Gäste im weihnachtlich dekorierten Saal des Stadtteil-und Familienzentrums Innenstadt. Die traditionelle Adventsfeier des Vereins, wo man das Jahr verabschiede und sich auf Neues einstelle, sei auch eine Anlaufstelle für Neubürger, Interessierte und jüngere Generationen. Allerdings frage man sich im Verein, ob die herkömmlichen Adventsfeiern vielleicht nicht mehr so anziehend sind, ergänzte die stellvertretende Vorsitzende Simone Golling-Imlau.

Deshalb gab es zusätzlich zwei Programmpunkte: Fabian Berl hatte einen zehnminütigen Kurzfilm mitgebracht, der das alte und neue Offenburg zeigt, Stefan Dittrich sprach über die Geschichte der Offenburger Innenstadt.

130 Familien sind als Mitglieder der Bürgergemeinschaft Stadtmitte e.V. eingeschrieben, generell liege der Bürgergemeinschaft der Stadtteil, also die Innenstadt und die Kinzigvorstadt am Herzen, es gehe darum, deren Bewohnerinnen und Bewohnern eine Stimme zu geben, wie Golling-Imlau erklärte.

Bürgergemeinschaften seien ein Gewinn für Offenburg, betonte Oberbürgermeister Marco Steffens, der sich mit seiner Familie ebenfalls beim Adventsnachmittag eingefunden hatte. Er persönlich nutze solche Veranstaltungen, um mit Menschen in ungezwungener Atmosphäre zusammenzukommen, sagte er in der Tischrunde. Solche Gelegenheiten seien wichtig, denn Begegnung und Kontakt stärkten die Gemeinschaft. Hier kämen Jung und Alt zusammen, man könne sehen in welchem Wandel die Stadt stehe.

Dieser Wandel war auch Thema im Film von Fabian Berl. Er hat vor einigen Jahren eine Videocollage zusammengestellt, Offenburger Aufnahmen aus den 1920er bis 1950er Jahren und das jetzige Stadtbild gefilmt. Diese Aufnahmen als Kontrast zusammengeschnitten ergaben interessante Eindrücke: Wie das Bähnle noch die Hauptstraße hoch und runter fährt und als Kontrast dazu die heutigen grünen Busse. Viele alte Häuser sind erhalten geblieben, beispielsweise am Fischmarkt. Zu sehen war auch die frühere Nutzung der Kaserne im Kontrast zur jetzigen Familien-, Kultur- und Freizeitparkanlage auf dem Kulturforum. Oder der Blick aus dem Torbogen Seestraße in Richtung Baustelle Rée Carré, der Torbogen ist noch derselbe, doch dahinter liegt die Baugrube.

Der Vortrag von Stefan Dittrich griff den Wechsel der Ladengeschäfte in Offenburg auf. "Mich interessiert das Geschehen innerhalb der Stadt, das hat mich bewogen die Geschäftswelt von Offenburg zu beleuchten", sagte er. Jede Adresse habe er einzeln aufgenommen von 1901 bis zur Gegenwart und eine Tabelle angelegt, wie viele Bäcker, Metzger oder sonstige Läden es gab. Da könne man sehen, wie sich die Gesellschaft verändert habe. Zum Beispiel habe es damals einen einzigen Buchladen gegeben, inzwischen sei der Freizeitsektor ausgeprägt entwickelt. Mehr Zeit und Lust zum Lesen erfordern eben auch in Zeiten von Internetbestellungen mehr Buchhandlungen in der Stadt. Die Handwerker sind radikal zurückgegangen und auch Lebensmittelgeschäfte gibt es nicht mehr.

Mit Anbruch der Dunkelheit wurde vor dem Gebäude im Bürgerpark noch ein Lagerfeuer in der Feuerschale angezündet. Mit Glühwein, Stockbrot und Stadt-Speck (statt Wald-Speck), klang das gemütliche Zusammensein am verregneten Sonntagnachmittag vergnüglich aus.