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19. September 2009

Start ohne Feier und Schultüte

Die französischen Erstklässler können von einem Schulanfang wie in Deutschland nur träumen

STRASSBURG. Ohne Schultüte und offizielle Einschulungsfeier starten die französischen Erstklässler ins neue Schuljahr. Anders als in Deutschland beginnt die Laufbahn des französischen "Ecoliers" bereits mit drei, manchmal sogar bereits mit zwei Jahren in der "Ecole Maternelle". Und diese ist, wie auch die spätere "Ecole Primaire" (Grundschule) als Ganztagesangebot in das französische Schulsystem integriert. Seit der Reform im Jahr 1989, die die Verschränkung von Elementar- und Primärbereich festlegt, durchlaufen die französischen Kinder insgesamt drei Lernzyklen: In den ersten beiden Kindergartenjahren ("Petite Section" und "Moyenne Section") lernen die Drei- bis Vierjährigen noch sehr spielerisch den Umgang mit der Sprache, mit sich, ihren Kameraden und ihrer Umwelt. Es wird gemalt, gebastelt und auch erste Schreibübungen stehen auf dem Programm. Der zweite Zyklus beginnt bereits mit der "Grande Section" im letzten Kindergartenjahr und läuft in der Grundschule weiter über das CP ("Cours Préparatoire") bis zum CE1 ("Cours Elementaire 1"). Hier werden die Kenntnisse aus dem ersten Zyklus vertieft, nun geht es daran Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen – ganz wie in den deutschen Grundschulen auch.

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In einigen kleineren Gemeinden lernen die fünfjährigen Kinder der "Grande Section" bereits im Klassenzimmer der Erstklässler mit. Der Übergang von Kindergarten zur Grundschule ist in Frankreich also wesentlich weniger markant als in Deutschland. Bereits in der Ecole Maternelle ist der Lernalltag in Klassen organisiert, die "Maîtres" oder "Maîtresses" in der Ecole Maternelle absolvieren die gleiche Grundausbildung wie die französischen Grundschullehrer /-innen. Auch die Schulzeiten von Ecole Maternelle und Primaire sind einheitlich und verbindlich – in der Regel acht bis sechzehn Uhr, mit zweistündiger Mittagspause. Mittwoch ist schulfrei. Die "Rentrée Scolaire", also der Schulanfang, findet für alle Schulen und Kindergärten zeitgleich Anfang September statt. Nur die Erstklässler (CP) starten mit einer Woche Verspätung. Und so stehen die französischen Erstklässler an ihrem ersten Grundschultag wie gewohnt früh auf, um pünktlich um 8 Uhr, gewappnet mit nagelneuem Schulranzen, auf dem Pausenhof ihrer jeweiligen Grundschule einzutreffen. Dort warten bereits die Klassenkameraden vom Vorjahr und die neue Lehrerin, die die Erstklässler eher "sang- und klanglos" in ihr neues Klassenzimmer bringt.

Hier werden die Grundschüler die nächsten fünf Jahre die Schulbank drücken, denn nach dem CP und dem CE1 folgen mit CE2, CM1 und CM2 ("Cours Moyens 1 & 2") der "3ième Cycle d’apprentissage", also der dritte Lernzyklus, bei dem weitere Fächer, wie Naturwissenschaften oder Geschichte hinzukommen. Nach Abschluss der Grundschule steht, anders als in Deutschland, nicht die Entscheidung über eine weiterführende Schule an. Zunächst besuchen die Schüler weitere vier Jahre das Collège, das als Gesamtschule konzipiert ist. Erst mit etwa 15 Jahren können sie sich entscheiden, das "Lycée" (Gymnasium), eine andere weiterführende Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu beginnen.

Autor: Carola Bruhier