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17. November 2009
Steckbriefe von Menhiren und Myriametersteinen
5874 Objekte umfasst die Studie zu Ortenauer Kleindenkmalen
OFFENBURG. 5874 Ortenauer Kleindenkmäler sind in sechsjähriger Arbeit von rund 200 ehrenamtlichen Helfern dokumentiert worden. Es handelt sich dabei um ein landesweites Projekt, das langfristig alle Kleindenkmale Baden-Württembergs erfassen will. Unter Kleindenkmalen versteht man Objekte wie Bildstöcke, Wegkreuze, Brunnen oder auch Kleinkapellen.
Jetzt übergab Martina Blaschka, die das Projekt seitens des Landes wissenschaftlich betreut, den kompletten Katalog an das Kreisarchiv der Ortenau. Es handelt sich um fünf Regalmeter, insgesamt 70 dick bepackte Ordner, die nun im Kreisarchiv aufbewahrt und Fachbehörden wie Bau- und Straßenbauämtern, aber auch der Wissenschaft zur Verfügung stehen werden. Der leichteren Zugänglichkeit wegen wurde der gesamte Inhalt der 70 Ordner datentechnisch erfasst und auf zwei Disketten gespeichert.Laut dem Offenburger Historiker Gernot Kreutz, der die Erfassung im Ortenaukreis koordinierte, hat ein großer Anteil der Kleindenkmale religiösen Hintergrund. Dazu gehören nicht allein die Bildstöcke, Kapellen oder Grotten, die häufig der Marienverehrung gewidmet sind. Es gebe in der Ortenau auch um die Tausend Erinnerungsmale für Tote oder Gefallene, der Arbeit im Wald oder für in den Reben Verunglückte. Nicht möglich sei es gewesen, eine sehr große und wichtige Objektgruppe mit zu erfassen: Die Grenzsteine. Davon habe die Ortenau vermutlich über 10 000 Stück. Sie mit aufzunehmen hätte den Rahmen der Arbeit gesprengt.
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Lage, Größe, Art und Erhaltungszustand des Objektes wurdendokumentiert, Inschriften mussten exakt wiedergegeben werden. Überdies wurden alle Objekte numeriert und in eine Karte eingetragen, der späteren Auffindbarkeit wegen. Ulrich Burgert aus Offenburg hat im Ortsteil Bohlsbach, in dem er lebt, etwa 30 Objekte dokumentiert. "Man ist doch weitgehend Einzelkämpfer", sagt Burgert. Auf Bohlsbacher Gemarkung befindet sich übrigens auch ein Menhir, den Asterix-Kennern eher als Hinkelstein geläufig. Diese Megalithen wurden in der Jungsteinzeit oder Bronzezeit errichtet. Die Bohlsbacher Megalith ist als "Dicker Stein" bekannt und schon in alten Dokumenten erwähnt. "Ein großer Teil der Bohlsbacher Objekte ist innerörtlich", sagt Burgert. Draußen auf der Flur sei vieles verloren gegangen. Mit der Erfassung verbinden die Historiker auch die Hoffnung auf eine Sicherung der Kleindenkmale. Nach Ansicht der Fachleute sind durch Rebflurbereinigungen, Neubaugebiete oder Straßenbauprojekte allein in den 1990er Jahren zehn Prozent der Kleindenkmäler zerstört worden. Das soll in Zukunft nicht mehr möglich sein.
Autor: Robert Ullmann
