Telefonseelsorge sucht Unterstützer

Barbara Puppe-Opahle

Von Barbara Puppe-Opahle

Mi, 12. September 2018

Offenburg

Im Oktober beginnt ein neuer Kurs für Ehrenamtliche, die helfen wollen / Eine Mitarbeiterin erzählt von ihren Erfahrungen.

OFFENBURG (bpo). Die Telefonseelsorge Ortenau Mittelbaden sucht neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Julia* macht seit 15 Jahren Tag-und Nachtdienst am Sorgentelefon, 14 Stunden im Monat. Sie weiß, für viele Menschen ist es eine Hilfe, überhaupt reden zu können und jemanden zu haben, der zuhört und sie ernst nimmt. In ihrem Erfahrungsbericht erklärt sie, warum es notwendig ist, dass sie anonym bleibt?

Wozu dient die Anonymität bei der Telefonseelsorge?
Die Arbeit der Telefonseelsorge soll in der Anonymität stattfinden, auch die Anrufer bleiben ja anonym, das setzt die Hemmschwelle wesentlich herunter. Viele Menschen tun sich auch leichter, wenn sie den Gesprächspartner nicht kennen. Auch für mich selber ist die Anonymität wichtig. Ich empfinde es auch so, dass ich eine andere Welt betrete, ich versuche alles hinter mir zu lassen, um ganz für die Anrufer da zu sein. Ich nehme die Probleme möglichst nicht mit nach Hause. In einer Supervisionsgruppe kann über Belastendes gesprochen werden.

Warum brauchen die Mitarbeiter den Ortswechsel?
Es bedeutet, dass andere Maßstäbe gelten wie im Alltag. Ich höre aktiv zu, im Sinne von dahinter hören – was hinter den Problemen tatsächlich steckt. Oft sind die Schwierigkeiten tiefer, als ausgesprochen wird. Gesprächsführung ist ein wichtiger Teil unserer Ausbildung. Es ist erstaunlich, wie viel mehr man hört, wenn man nur das Telefon als Medium hat und nicht abgelenkt ist durch den Alltag.

Welches sind denn die häufigsten Gründe für einen Anruf ?
Die häufigsten Themen sind Beziehungsgeschichten in Partnerschaft und Familie, im Beruf, wie beispielsweise Mobbing, Trennungen, Verlassen werden, Einsamkeit nach Scheidung oder Todesfall. Manche Menschen haben Probleme, selber Kontakte zu anderen aufzunehmen, oder werden von anderen abgelehnt. Auch psychische Krankheiten und Belastungen begegnen uns häufig.
Sie sind auch nachts
und an Feiertagen erreichbar

Manche Probleme brauchen den Schutz der Nacht, um ausgesprochen werden zu können. Ich kann im Nachtdienst eine ganz lebhafte Nacht haben mit einem Telefonat nach dem andern, es kann aber auch sein, dass ich Nächte erlebe, in denen ich auf Anrufe warte. In Zeiten, wo viele Familienfeste gefeiert werden, Weihnachten oder Ostern, ist die Tendenz schon da, dass viele, die keine Familie haben sich an uns wenden.

Welche Art der Hilfe
können Sie am Telefon anbieten?

Meine Aufgabe ist zuhören und dahinter hören. Thema des Gesprächs wird es dann sein zu schauen, was zu ändern wäre. Ich kann Denkanstöße geben. Wir wollen keine Antworten geben und die Probleme der anderen lösen, sondern Hilfestellung geben, dass der Anrufer selber einen Weg findet, ein Problem zu lösen oder bestmöglich auch mit unlösbaren Situationen umgehen kann. Es kommt auch vor, dass Menschen sich schwertun, gleich loszulegen mit ihrem Problem, weil sie vielleicht schon viele Enttäuschungen auf dem Gebiet erlebt haben. Da gilt es, das Schweigen auszuhalten und abzuwarten, bis der andere bereit ist.

Warum haben Sie ein so
schwieriges Ehrenamt ausgewählt?

Es gibt Gespräche, die sehr unbefriedigend sind, in denen wir vielleicht sogar beschimpft werden, aber das Gros der Gespräche ist durchaus so, dass ich einen Sinn darin sehe. Wenn ich spüre, ich kann Hilfestellung anbieten, dann bestätigt das natürlich. Wichtig ist mir die Erfahrung, dass Gespräche, durch die Nähe entsteht, schon eine große Hilfe sind. Das bereichert mich, denn ich bin auch selber dabei die Lernende, mache Erfahrungen, die mir gut tun. Meine kleine Welt weitet sich, und diese Erfahrung möchte ich auch nicht missen. (*Name von der Redaktion geändert, die Mitarbeiter und Mitarbeiter der Telefonseelsorge bleiben anonym)

Info:Im Oktober beginnt ein neuer Ausbildungskurs mit mehreren Terminen verteilt auf 14 Monate.

Wer sich für das ehrenamtliche Engagement bei der Telefonseelsorge interessiert kann Kontakt aufnehmen unter Tel. 0781/22758, E-Mail: info@ts-ortenau.de