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27. Januar 2015 09:36 Uhr

Rheintalstrecke

Tunnel kommt erst 2035 – Bahn stellt Lärmpläne vor

2100 Wohneinheiten in Offenburg sollen bis spätestens 2018 besser vor Bahnlärm geschützt werden. Dazu soll es am 10. Februar eine Bürgerversammlung geben. Erst 2035 ist mit dem Tunnel zu rechnen.

  1. Bahnlärm ist Alltag in Offenburg – und wird zunehmen, weil ein Tunnel wohl nicht vor 2035 fertig ist. Foto: helmut seller

Ein Güterzugtunnel für Offenburg wird nach jüngsten Einschätzungen der Bahn erst 2035 in Betrieb gehen. Weil bis dahin immer mehr Güterzüge durch die Stadt rattern, wächst auch die Lärmbelastung weiter. 2100 Wohneinheiten können in Offenburg laut einem schalltechnischen Gutachten der Bahn allerdings kurzfristig durch eine sogenannte Lärmsanierung besser vor Bahnlärm geschützt werden. Mit dem Thema befasst sich der Gemeinderat am 2. Februar. Am 10. Februar folgt eine Bürgerversammlung.

WÄNDE, FENSTER, LÜFTER

Zur Lärmsanierung zählt aktiver Schallschutz durch den Bau von Lärmschutzwänden ebenso wie passiver Schallschutz, wie er etwa durch spezielle Fenster, Dämmungen und den Einbau von schallgedämmten Lüftern erreicht werden kann. Im Gegensatz zur Lärmvorsorge bei neuen Bauprojekten oder dem Ausbau einer Bahnstrecke ist die Lärmsanierung eine freiwillige Leistung des Bundes.

100 Millionen Euro stehen dafür bundesweit bereit – allerdings stehen dieser Summe auf einer Priorisierungsliste des Bundes auch 1450 Ortsdurchfahrten gegenüber. Förderfähig ist eine Lärmsanierung nur, wenn an einer Strecke für mindestens zehn Jahre keine Veränderungen geplant sind. Das ist laut Andreas Demny in Offenburg der Fall.

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Wurde bisher 2029 als Jahr der Inbetriebnahme eines Tunnels genannt, so geht die Bahn seit dem Beschluss des Projektbeirates inzwischen von 2035 aus, weil eine generelle Neuplanung nötig wird. Der Fachbereichsleiter Tiefbau und Verkehr bei der Stadt hat in einer 30-seitigen Vorlage für den Gemeinderat aufbereitet, wie in Offenburg eine Lärmsanierung aussehen könnte. Die Strecke wurde dazu grob in fünf Abschnitte unterteilt.

FÜNF ABSCHNITTE

Vom Bahnhof bis Unionbrücke könnten zwar 147 Wohneinheiten durch eine Lärmschutzwand geschützt werden – allerdings mit nur geringer Lärmminderung, weshalb eine Förderung nicht möglich ist. So bleibt es dort bei passivem Lärmschutz. Im zweiten Abschnitt Bahngraben bis Zähringer Straße liegen nur die Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Bahngraben im Bereich der Lärmsanierung.

Aus wirtschaftlichen Gründen komme eine Lärmschutzwand am Bahngraben nicht in Betracht. Denkbar wäre sie aber auf 650 Meter Länge zwischen der Brücke in der Zähringer Straße und der Badstraße. Die drei Meter hohe Wand würde 950 000 Euro kosten. Wird sie gebaut, müssten noch 208 Wohnungen in der Stegermatt mit passivem Lärmschutz ausgerüstet werden, ohne Wand wären es 401.

Der dritte Abschnitt bis Uffhofen könnte im südlichen Bereich eine Lärmschutzwand bekommen, im nördlichen allerdings nicht: Das Freizeitbad ist bei Lärmsanierung nicht förderfähig, wollte die Stadt im dortigen Saunabereich mehr Lärmschutz, so müsste sie auf eigene Kosten für rund 220 000 Euro eine Wand bauen. Auch die Kinzigvorstadt fällt aus dem Raster, weil sie nach 1974 entstanden und damit nicht förderfähig ist. Im Abschnitt von Uffhofen bis zur Wendeschleife Königswaldstraße ist eine gut einen Kilometer lange und drei Meter hohe Lärmschutzwand denkbar. Sie würde 2,25 Millionen Euro kosten und dann "nur" noch passiven Lärmschutz an 471 Wohneinheiten erfordern – ohne Wand wären es 1031.

Weitere 700 Meter Wand parallel zum Fasanenweg würden 1,2 Millionen Euro kosten und die Notwendigkeit eines passiven Lärmschutzes von 700 auf 563 Wohneinheiten reduzieren. Im letzten Abschnitt bis zur Stadtgrenze bleibt es bei passivem Lärmschutz, weil nur einzelne Gebäude betroffen sind und sich eine Wand nicht rechnen würde.

Zudem hält die Stadtverwaltung aus städtebaulichen Gründen Schallschutzwände auch nicht überall für vertretbar, etwa weil sie Sichtbeziehungen zerstören würde. Mitunter würden sich transparente Ausführungen anbieten – da das Budget allerdings begrenzt ist, müsste für solche besonderen gestalterischen Lösungen auch die Stadt die Kosten mitfinanzieren.

DER ZEITPLAN

Nach einer ersten Information des Gemeinderates wird die DB Projektbau die Pläne zur Lärmsanierung und die förderfähigen Maßnahmen am Dienstag, 10. Februar, in einer Bürgerversammlung vorstellen. Ort und Zeit werden noch bekanntgegeben.

Laut Andreas Demny soll vor einer endgültigen Ratsentscheidung am 23. März auf jeden Fall das Meinungsbild abgewartet werden: "Bei starken Widerständen gegen Lärmschutzwände wird die Bahn eher passiven Lärmschutz umsetzen wollen, um aufwändige Planfeststellungsverfahren zu vermeiden."

In diesem Fall würde die Bahn nur passiven Lärmschutz umsetzen, was nach der Planung in diesem Jahr schon 2016 umgesetzt werden könnte. Werden auch Lärmschutzwände gebaut, so braucht die Entwurfsplanung länger , zudem müssen Sperrpausen an der Rheintalstrecke beantragt werden. Ein Baubeginn wäre dann für die zweite Hälfte 2018 vorgesehen.

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Autor: Helmut Seller