Und plötzlich singt ein Chor im Publikum "Galileo"

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Sa, 29. Dezember 2018

Offenburg

Die Peter Oehler-Band gestaltet ihr jährliches Konzert am Zweiten Weihnachtsfeiertag mit geschmackvoll ausgewählten Coversongs.

OFFENBURG. "Shine On You Crazy Diamond" von Pink Floyd ist per se ein musikalisches Brett und somit der bombastische Einstieg für Peter Oehler und seine Band. Oehler, der für seinen Perfektionismus an der Gitarre bekannt ist, lässt dennoch seinen Mitspielern Freiraum für eigene Anmerkungen und Töne. Das bekannte Synthesizer-Intro wird von Bertram Birk an den Keyboards mit hüpfenden Einsprengseln aufgelockert, bis das emblematische Gitarrenarpeggio erklingt. Hier wird Konzertatmosphäre gezaubert.

Fast 30 Hits werden an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag auf die begeisterten Fans in der Reithalle abgefeuert. Rob Notes und Andrea Schäfer, geborene Möschle, sind zwei Sprengkörper an den Mikrophonen, die dem Publikum wenig Zeit zum Luft holen lassen. "Rikki Don’t Loose That Number" eine flockig-jazzige Nummer von Steely Dan, die aber auch einen erdigeren Charakter hat, als das flirrende Gespinst, mit dem der Abend beginnt. Schäfer steigt zunächst als zweite Stimme ein, während Julia Gutwein und Frank Haberer einen reggae-artigen Chor anstimmen. Santana gehört eindeutig zu Oehlers Lieblingsgitarristen: mit diesem weichen, schwingenden, weitausholenden, unverwechselbaren Ton, den man unter Hunderten sofort ausmachen kann, und den Oehler scheinbar mühelos in die Halle zaubert.

"Kiss" von Prince wird von Schäfer schnörkellos, ohne die exaltierten Ausreißer des Originals, aber nicht weniger mitreißend präsentiert. Die Energie, die die beiden Sänger entfalten, erfasst das Publikum, und das Team um Oehler, mit Bertram Birk am Keyboard, Daniel Doll an den Drums, Franz Horn am Bass, dem Freiburger Niko Halfmann am Saxophon und Patric Hetzinger, Percussions, ist die Spielfreude anzumerken. Der Titel "Na Neh Nah" der Band Vaya Con Dios entwickelt Tempo und bringt selbst den größten Mitsingmuffel ins Wanken.

Nach der Pause geht es mit "Stop Dragging Me" von Stevie Nicks und "On the Beach" von Chris Rea zunächst etwas ruhiger, aber nicht weniger professionell zur Sache. Aber schon mit dem Chaka Khans Klassiker "Ain’t Nobody", bei dem Julia Gutwein ins Rampenlicht tritt, wird wieder leidenschaftlich gepowert. Die Tanzleidenschaft greift zusehends in der Reithalle um sich. "Teardrops" von Womack & Womack und das folgende "I’m so excited" von den Pointer Sisters bringen den Saal final zum Kochen. Höhepunkt des Abends ist mit Sicherheit ein Queen-Medley, bei dem ein vermeintlicher kurzer Stromausfall auf der Bühne bei "Bohemian Rhapsody" zu einer Überraschung mitten im Publikum sorgt. Hier steht nämlich plötzlich der Frank-Döhring-Projektchor und singt den emblematischen "Galileo, Galileo"-Teil unplugged.

Selbstverständlich darf Gary Moores "Still Got the Blues", dessen Geschichte um die Tantiemenklage von Jud’s Gallery, Oehlers früherer Band, gegen den Bluesrocker, wohl halb Offenburg kennt. Geschmeidig hängen die Riffs in der Luft, und dass Musik glücklich macht, ist deutlich in Oehlers Gesicht geschrieben. Die Gesichtszüge der Zuhörer stehen diesem in nichts nach. "Don’t Let the Sun Go Down on Me" ist ein würdiger Ausklang des Abends und wird bis zum 26. Dezember 2019 in bester Erinnerung bleiben.