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23. November 2012 16:15 Uhr

Zeugenaussagen

Unfall bei Offenburg: Geisterfahrer hat nicht mit Absicht falsch gewendet

Der Geisterfahrer-Unfall mit sechs Toten bei Offenburg ist auf einen fatalen Irrtum zurückzuführen. Der 20-jährige Verursacher wollte heim nach Kehl, fädelte versehentlich auf die A5 Richtung Süden ein. Ein Wendemanöver bei Lahr führte schließlich zur Katastrophe.

  1. Nach dem grausigen Unfall: Links ist der BMW des Geisterfahrers zu sehen. Foto: dapd

  2. Auf diesem Teilstück der A5 hat sich der grausige Unfall ereignet. Foto: Helmut Seller

Sechs Tage nach dem tragischen Ereignis am Volkstrauertag, dem 18. November, hat die achtköpfige Ermittlungsgruppe der Polizeidirektion Offenburg den Ablauf des Unfalls weitgehend rekonstruiert. Danach deutet nichts darauf hin, dass der 20-jährige Selbstmordabsichten hatte – im Gegenteil. Der junge Mann aus Kehl hatte sich mit vier Freunden am Pendlerparkplatz an der A 5-Anschlussstelle Offenburg getroffen. Dort blieben drei ihrer vier Autos zurück, darunter der weiße 3er-BMW des 20-Jährigen. Gemeinsam fuhren die fünf in einem Auto nach Freiburg, wo sie eine Disco besuchten. Am frühen Sonntagmorgen ging es zurück zum Pendlerparkplatz. Dort, am sogenannten Offenburger Ei, wo sich die Autobahn mit der Landstraße nach Kehl und dem Zubringer in die Stadt Offenburg kreuzt, stieg der 20-Jährige in seinen BMW – wie inzwischen bekannt ist, mit 1,9 Promille Alkohol im Blut.


Um Richtung Westen heim nach Kehl zu fahren, wie er es vorhatte, musste der 20-Jährige vom Pendlerparkplatz fast einmal rund um das Offenburger Ei fahren. Dabei fädelte er offenkundig falsch ein, verpasste die Spur Richtung Kehl und fuhr stattdessen wieder auf die A5 nach Süden, Richtung Freiburg. Die Freunde, die später bei der Polizei einräumten, dass durchaus Anzeichen von Trunkenheit bei ihrem Kumpel zu erkennen waren, wiesen den 20-jährigen per Handy auf seinen Fehler hin. Einem Zeugen, der sich auf Aufrufe der Polizei hin gemeldet hatte, war der weiße BMW durch dichtes Auffahren und ein riskantes Überholmanöver aufgefallen. Bei Lahr schließlich kam es zum todbringenden Wendemanöver. Ob der junge Kehler auf einem Parkplatz kurz vor Lahr gewendet hatte oder von der Anschlussstelle Lahr aus falsch auf die Autobahn gefahren war, gibt noch Rätsel auf: "Dieser letzte Punkt ist für uns noch offen", sagte am Freitagabend Herwig Schäfer, Chef der Staatsanwaltschaft Offenburg. Doch sicher ist: "Von Lahr aus nahm die verhängnisvolle Fahrt Richtung Norden ihren Lauf."

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Wie die Fahrer eines Lkw und eines Abschleppwagens später berichteten, kam ihnen der weiße BMW mit mäßigem Tempo auf dem linken Fahrstreifen entgegen. Unmittelbar danach kam es zum folgenschweren Crash mit dem mit fünf Personen besetzten Sammeltaxi aus Offenburg. Laut Günther Preis, Chef der Autobahnpolizei Offenburg, wurde der der BMW in die Leitplanken abgewiesen. Der Touran des Taxifahrers drehte sich einmal um die Längsachse und kippte aufs Dach.

Ersthelfer berichteten, dass es zu diesem Zeitpunkt noch Lebenszeichen von den Insassen gab. Doch ein bis zwei Minuten später krachte ein Hyundai frontal in den Touran, gefolgt von einem großen BMW, der auf den Hyundai fuhr. Es gab also mindestens zwei Unfälle, die Auslöser für den Tod der fünf Touran-Insassen sein können. Schäfer: "Dies zu klären, steht in den kommenden Wochen im Fokus der Ermittlungen." Außer dem Geisterfahrer hatte kein Unfallbeteiligter Alkohol im Blut, das haben Untersuchungen ergeben. Ob Drogen oder andere berauschende Stoffe im Spiel waren, muss ebenfalls noch überprüft werden.

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Autor: Helmut Seller, Peter Disch