UNTER UNS: Empörend

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 19. Januar 2019

Offenburg

Zwölf Tage hat die Blockade des überfüllten Flüchtlingsrettungsschiffs "Professor Albrecht Penck" vor Malta gedauert, bis die 17 vor Libyen aus einem winzigen Holzboot geretteten Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern an Land gehen durften. Der Besatzung wurde nach anstrengender Mission weiter das Einlaufen in den Hafen von Valetta verweigert. Wie die BZ berichtete (8. Januar, "Wie von der Welt abgehängt") gehörten auch die Ortenauer Künstlerin Angelika Nain und ihr Lebensgefährte Jürgen Drafehn zur Crew. Zehn der 18 Mitglieder der jüngsten Mission durften erst am Freitag vor einer Woche das Schiff der Hilfsorganisation Sea-Eye verlassen. Inzwischen sind auch die beiden Ortenauer wieder in der Heimat: Schweren Herzens mussten sie acht Crew-Mitglieder zurücklassen – die Mindestbesatzung, die notwendig ist, um das Schiff zu fahren. Auch die zehn von Bord Gegangenen gegen vier neue Crew-Mitglieder auszutauschen, lehnte Malta ab. Nun muss die "Professor Albrecht Penck" einen anderen Hafen – für die achtköpfige Besatzung inzwischen eine echte Belastung, zumal ständige Wachwechsel auch körperlich ihren Tribut fordern. Eine gemeinsame europäische und humanitäre Lösung zur Verteilung der aus dem Mittelmeer geretteten Menschen steht weiter aus. Nicht nur für Jürgen Drafehn, für den die Rettung aus Seenot ein hohes Gut und Menschenrecht ist, ist das empörend. Er und Angelika Nain berichten am Montag, 21. Januar, um 19 Uhr im Club Voltair in der Kehler Hafenstraße 3 über die Mission.

Friede, Freude...

Es ist ja manchmal die Aufgabe von PR, die Dinge etwas schöner zu malen, als sie sind. Am Mittwoch schickte die Stadt eine Meldung, dass die Abteilung Baurecht auf gutem Weg sei. Die lange wegen Überlastung und zahlreichen Personalabgängen gelähmte und deswegen auch heftig kritisierte Behörde hat mittlerweile durch Personalaufstockung von sechs auf dreizehn ihre Effizienz deutlich steigern können. Bauanträge werden schneller bearbeitet als früher. Da wir Journalisten entgegen der landläufigen Meinung uns über gute Nachrichten freuen, haben wir die Meldung abgedruckt. Wer allerdings am selben Abend die Sitzung des Planungsausschusses besuchte, musste erfahren, dass das Baurecht im Dezember schon wieder einen Personalabgang hatte. Da waren’s nur noch zwölf. Und dass deshalb die Bearbeitungsrate von Bauanträgen wieder nach unten tendierte. Die PR-Meldung war also ein "netter" Versuch. Aber wie sagt der Volksmund? Und ist es noch so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen.

Brauer wechseln

Im Brauwerk Baden gibt es eine Personalie zu vermelden. Konstantin Nitze, Sohn des langjährigen Geschäftsführers Michael Nitze, ist jetzt für die Gastronomie zuständig. Die Brauereigaststätte hat in den vergangenen zwei Jahren unter der Leitung von Gesamtbrauwerkchef Frank Stetter Höhen und Tiefen erlebt. Jetzt stellt man an der Gutenberg-Straße – auch mit neuem Chefkoch – die Zeichen auf Neuanfang.