Vom Aussterben bedrohtes Handwerk geisterhaft dargestellt

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Mo, 03. April 2017

Offenburg

Jochen Scherzinger und Tobias Raphael zeigen im Offenburger Salmen die um die "Herzland"-Serie ergänzte Reihe "Herz aus Holz".

OFFENBURG. " Man kann heute Kosmopolit sein und dennoch eine starke Heimatverbundenheit fühlen," hat Offenburgs Kulturchefin Carmen Lötsch bei der Ausstellungseröffnung von "Herz aus Holz" im Offenburger Salmen erklärt. Jochen Scherzinger, der seit 2015 mit der Fotoserie "Fabulous Black Forest" Furore machte, als er die Idee zum etwas anderen Schwarzwaldmädel-Bild hatte und gemeinsam mit dem Fotografen Sebastian Wehrle kecke, gepiercte, dunkelhäutige und punkige junge Frauen in traditionelle Schwarzwälder Trachten steckte, stellte am vergangenen Freitag sein neues Projekt in Offenburg vor. Zu den bereits vorhandenen zwölf fotografischen Handwerker-Porträts, die auf alte Holztüren gedruckt wurden, kommen nun weitere Bilder der neuen Serie "Herzland" hinzu. Es handelt sich um eine besondere Art von Schwarz-Weiß-Fotografie, die durch Tobias Raphael Ackermann, der sich "Lichtemotionist" nennt, umgesetzt wurde. In dieser Verfremdung erscheinen die Bilder wie sehr alte Fotografien oder sogar als geisterhafte Erscheinungen auf den alten Holztüren und Wandvertäfelungen, die aus einem Schwarzwaldhaus bei Gütenbach stammen. Allein die besondere Schärfe und ungewöhnlichen Bildinszenierungen weisen darauf hin, dass hier ein neuer Heimatbegriff zelebriert wird. Models waren Freunde, Bekannte, Sportskameraden, und auch Scherzingers Vater posiert als finster drein blickender Winzermeister. Statuarisch sind die Posen und dennoch voller Vitalität. Die Türen wurden bei Michael Bonath in Gengenbach bedruckt. Keine ganz leichte Aufgabe, da selbst im UV-Druckverfahren Höhenunterschiede nur bis zwei Zentimeter ausgeglichen werden können. Und die alten Türen sind alles andere als eben. Das führt an einigen Stellen der Bilder zu leichten Unschärfen, was aber wiederum den geisterhaften Aspekt und die dreidimensionale Wirkung verstärkt.

Die kleineren Türen stammen vom Hof (1781) des Großvaters Scherzinger, sogar eine Plumpsklotür wurde dem neuen Zweck zugeführt. Verkaufen würde Jochen Scherzinger angeblich keine der Türen, außer jemand würde alle kaufen. "Der persönliche Wert ist für mich zu hoch, um sie auseinanderzureißen. Die anderen Bilder stehen zum Verkauf. Die Ausstellung im Salmen (Lange Straße 52, Offenburg) ist noch bis 9. April, täglich von 16 bis 21 Uhr zu sehen.