Von den Iren geadelt

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Do, 01. Februar 2018

Offenburg

"Cara" zeigt in Offenburg, warum sie auch in der Heimat des keltischen Folks hoch geschätzt wird.

OFFENBURG. Wenn eine Band, die fast ausschließlich aus deutschstämmigen Musikern besteht, so wie "Cara" die Ehrungen "Top Group" und "Best new irish Band" von den Iren verliehen bekommen hat, ist das wie ein musikalischer Ritterschlag. Dass Gudrun Walther (Violine/ Gesang), Jürgen Treyz (Gitarre/Dobro/Backin Vocals), Rolf Wagels (Bodrán), Hendrik Morgenbrodt (Dudelsack/Flöten) und Kim Edgar (Piano/ Gesang) diese Auszeichnungen mit Fug und Recht erhalten haben, beweisen sie an diesem Freitag nicht zum ersten Mal in Offenburg. "Es regnet schon den ganzen Tag und somit ist wettertechnisch größte Authentizität geboten", witzelt Edgar Common, Leiter des Kulturbüros und bekennender Fan der Band. Bereits zum fünften Mal hat Common "Cara" nun schon in die Reithalle geholt.

Morgenbrodt, der Neuzugang und mit 24 Jahren das jüngste Mitglied eröffnet mit klaren, klagenden Tönen und einem Touch Brave-Heart-Melancholie auf seinem Dudelsack. Er baut seine Pipes und die dazugehörigen Rohrblätter, die er bei Cara spielt, selbst und hat sie speziell für die Band entwickelt. Walther greift das Thema mit der Violine auf. Es folgen Treyz mit der Gitarre und Wagels an der Bodrán. Der Rhythmus auf dem mit Ziegenfell bespannten Instrumentwird schneller, abwechslungsreicher, die Gitarre klingt sogar kurz ein bisschen funky, bevor die Geige impulsiv einen Tacken Irish Dance drauf gibt.

Und schon endet die erste irische Umarmung. Gemeinsam mit der aus Edinburg stammenden Singer/Songwriterin Kim Edgar schafft Gudrun Walther sphärische Gesangspassagen. Cara komponiert eigene Stücke oder adaptiert alte bekannte Traditionals. Balladen von tödlich endender Liebe wie zwischen dem Ritter "Little Musgrave und Lady Barnad" trägt Walther mit einem wunderschönen typisch irischen weiblichen Timbre vor, womit man offensichtlich auch beschenkt sein kann, wenn man nicht auf der grünen Insel geboren ist.

Das folgende Stück stammt aus dem Jahr 1650 und ist eine "Warnung für alle verheiraten Frauen". Augenzwinkernde Botschaft: Lass dich mit keinem Ex ein, der dich nach Italien entführen möchte. Walthers Gesang wird fast zärtlich von Morgenbrodt auf der Whistle Pipe begleitet.

Mit großer Leidenschaft und ebenso viel Können wechselt die Band zwischen feenhaft leicht klingenden Balladen und rhythmischen, schnellen Stücken, bei denen selbst die hartnäckigsten Tanzverweigerer ihre Knie nicht im Zaum halten können.

Kim Edgar und der Rest der Band streiten sich, ob die Schotten oder die Iren die traurigeren Balladen in ihrem historischen Musikschatz haben, und die Entscheidung ist wirklich nicht leicht. Gewinnt der einsame Fischer, der allein auf das Meer hinaus fährt, der nichts mehr zu verlieren hat und letztendlich "he was taken by the ocean and find his freedom" oder "The Ballade of Little Musgrave" über eine blutig endende Affäre? Beide Sängerinnen harmonieren und schaffen zauberhaft filigrane Harmonien.

Die Gewinner des Abends sind auf jeden Fall die Besucher, die dem Zauber von Romantik und Lebenslust der grünen Insel und Schottlands schon lange erlegen sind.