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20. Dezember 2008
Von Monte Carlo nach Offenburg
Der "Offenburger Weihnachtscircus" verbindet Zirkusluft und den Glanz großer Galashows mit weihnachtlicher Feststimmung
OFFENBURG. Manege frei – es ist wieder so weit: Bis zum 6. Januar gastiert der 13. "Offenburger Weihnachtscircus" auf dem Messegelände und will bei Jung und Alt für Unterhaltung und Abwechslung sorgen. Die Premiere am Donnerstagabend konnte sich sehen lassen. Ein paar ganz große Nummern waren dabei, die sogar schon beim Festival in Monte Carlo beklatscht wurden. Ein paar wenige indes sind längst Zirkusstandard.
Viel lokale Prominenz war im Zirkusrund versammelt. Geschlossen gab sich die Verwaltungsspitze ein Stelldichein; zudem ließen es sich Stadträte, Ortsvorsteher, Medienvertreter und Wirtschaftsleute nicht nehmen, beim 13. Start des Jongleur- und Artistikunternehmens von Anja Oschkinat dabei zu sein. Auch Freikarten verfallen.Was die 22 Künstler/innen dann im Zweieinhalb-Stunden-Programm darboten, war sehenswert und kurzweilig und wurde von kräftigem Beifall begleitet. Aber das in mehr als einem Jahrzehnt von der rührigen Direktorin verwöhnte Publikum hat vielleicht auch schon noch glänzendere Sternstunden im Grand Chapiteau erlebt. Allerdings: So was ist immer auch Geschmackssache. Indes vermisste mancher Besucher die Musik-Kapelle: Keine Tonkonserve vermag die atmosphärische Dichte eines Live-Auftrittes zu ersetzen. Auch klar: Solch ein Ensemble gibt es nicht zum Nulltarif.
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Mit seinem Gleichgewichtssinn völlig im Reinen stellte sich Davide Roberts vor, der ein Brett auf einer Rolle zum Ausgangspunkt seines akrobatischen Geschicks erkor. Ein bisschen Wackeln gehört zum Handwerk und erhöht die Spannung. Auf den feurigen Drahtseilakt des Massimiliano Sblattero folgte die einzig tierische Nummer: Erwin Frankello führte seine beiden afrikanischen Elefanten ins Rund und zeigte auf humorvolle Weise, dass mit den Dickhäutern zu rechnen ist. Höhepunkt des ersten Teils dürfte die Jonglier-Nummer der strahlenden Shirley Dean gewesen sein, die mit irrwitzigem Tempo Bälle, rote Zylinder und schwarz-weiße Schachteln durch die Luft wirbelte und den Gegenständen zu einem enormen Eigenleben verhalf. Sympathisch-charmant ging die US-Amerikanerin ans Werk, auch kleinere Fehlgriffe brachten sie nicht aus dem Konzept: Hut ab!
Die Pellegrini Brothers zeigten unglaubliche Körperbeherrschung bei ihrer Performance, jeder Muskel war angespannt und zeichnete sich ab: ein kraftvolles Zusammenspiel, das in einer Handstandpyramide gipfelte. Mit Anmut und fließenden Bewegungen zeigten die Zwillinge Svetlana und Marina, wie sich quadratische Teppiche optisch in runde Teller verwandeln lassen, indem sie scheinbar mühelos auf Fußspitzen und Fingerkuppen gedreht werden. Clio Togni stellte mit ihrem riesigen Reifen ihre enorme Biegsamkeit unter Beweis. Und schließlich war da noch Jimmy Enoch aus Dänemark. Er bot mit seiner Einrad-Gläserturm-Darbietung den Knüller im zweiten Teil: Elektrisierende Spannung kam auf, als der Blondschopf einen Turm aus sage und schreibe 80 Weingläsern, in Vierergruppen übereinander gestapelt, ergriff und mit diesem labilen Konstrukt durch die Manege radelte – von dieser Nummer dürfte noch lange die Rede sein.
Klaus Kaulis führte in bewährter Art durchs Programm – und Totti Alexis hielt ihn dabei mächtig auf Trab: Der Clown, der im wirklichen Leben seine Freundin Charlotte am 2. Januar im Offenburger Zirkusrund ehelichen will, stellte sich als verzweifelten Brautschauer vor, der viel stolperte, sich aufrappelte, erneut stolperte und zu spät kam – zum großen Vergnügen der kleineren Zuschauer. Bei den älteren Semestern sorgten die Sangeseinlagen für mehr Begeisterung: Der 26-jährige Deutsch-Spanier zeigte sich intonationssicher und Rhythmus erprobt – das hatte Klasse. Am Ende wurden die Scheinwerfer auf die Frau gerichtet, die den meisten Applaus verdiente: Anja Oschkinat. Sie verriet denn auch ihr Erfolgsrezept: "Was von Herzen kommt, geht auch zu Herzen." Und so ist es auch diesmal: Ein Besuch lohnt sich allemal.
Offenburger Weihnachtscircus: täglich Vorstellungen um 15.30 und 19.30 Uhr, Heiligabend nur um 14 Uhr. Ökumenischer Gottesdienst am Sonntag, 28. Dezember, 11 Uhr. Karten unter Tel. 0781/6393404.
Autor: Gertrude Siefke


