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06. April 2010 20:32 Uhr

Insolvenzantrag

Wagner-Kliniken: 100 Stellen stehen auf dem Spiel

Die Kliniken Dr. Wagner Sasbachwalden haben Insolvenz beantragt. Die Folge: Das idyllische Weindorf bang um die Arbeitsplätze von 100 Menschen. Wie geht es nun weiter?

  1. Die Kliniken Dr. Wagner Sasbachwalden haben einen Insolvenzantrag gestellt. Foto: Claus Donath

SASBACHWALDEN (obe). Als Grund für den Insolvenzantrag werden vor allem bauliche Mängel und eine "desolate Immobilie" angeführt. Gespräche der bisherigen Geschäftsführung mit dem Eigentümer, einer börsennotierten Gesellschaft in Israel, blieben noch ohne Ergebnis.

Insolvenzverwalter bestimmt

Das Amtsgericht Baden-Baden hat am Dienstag als vorläufigen Insolvenzverwalter den Juristen Harald Kroth von der Acherner Kanzlei Schultze & Braun bestimmt. Nun beginnt die neutrale Prüfung der Sachlage. Kroth machte sich schon am frühen Nachmittag auf den Weg nach Sasbachwalden, um das erste Gespräch mit der Geschäftsführung zu suchen. Nähere Auskünfte könne er noch keine erteilen, man müsse sich zunächst ein Bild machen.

Investitionen nötig

Im Blumen- und Weindorf schaut man in der Bevölkerung und im Rathaus mit Argusaugen auf das Wohl und Wehe der Kliniken, stellen sie doch seit jeher einen gewichtigen Standortfaktor für die kleine Gemeinde dar. Zuletzt waren die Wagner-Kliniken durch bauliche Mängel der Immobilie ins Straucheln geraten. Es müsse investiert werden, betonte der bisherige Geschäftsführer Marios Tampris. Therapie-Angebote wurden ins ebenfalls von ihm geführte Hotel Brandbach verlegt, die Abteilungen für Anschluss-Heilbehandlung und Rehabilitation sollten an die Schwesternkliniken in Bad Peterstal-Griesbach und Bad Rippoldsau verlegt werden. Ob und wie der Sanierungsstau der Klinik behoben werden könnte, wird nun auch das Insolvenzverfahren ergeben.

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Passiert ist nichts

Zwischen Hoffen und Bangen befindet sich Rathauschef Valentin Doll. Klar sei angesichts der dürftigen Belegung: "Sasbachwalden braucht eine funktionierende Klinik Dr. Wagner." Als die Klinik in andere Hände überging habe er Hoffnung gehabt, dass investiert wird. Passiert sei jedoch nichts. "So ist die Klinik baulich nicht überlebensfähig." Fachlich höre er keine Klagen – im Gegenteil. Er habe ebenfalls in den vergangenen Monaten mit den israelischen Eigentümern der Gebäude Kontakt aufgenommen. Mehr als Lippenbekenntnisse habe es nicht gegeben. "Die nutzbaren Zimmer sind top", die Therapieeinrichtungen jedoch ein Problembereich. So sei schon die Schließung des Sole-Bades vor rund vier Wochen, das nicht nur Klinikpatienten offen stand, ein Schlag gewesen. Seit den 90er Jahren sei baulich eben nichts passiert. Der Ort profitiere nicht nur von den Patienten, sondern auch von besuchenden Angehörigen. Die Wagner-Klinik sei zudem ein großer Arbeitgeber, von Seiten der Gemeinde werde man alles tun, um Erhalt und Sanierung zu unterstützen.

Die Sanierung als Chance

Der bisherige Geschäftsführer Marios Tampris sieht in einer Sanierung der Immobilie die Möglichkeit, die Situation zum Besseren zu wenden. Dann könnten neue, erweiterte Therapiekonzepte, Anschlussheil- und Reha-Behandlungen sowie Gesundheitstourismus in Sasbachwalden angeboten werden. Seit 2003, als die Kliniken GmbH aus einer früheren Insolvenz übernommen wurden, habe diese trotz aller Schwierigkeiten bis zum Jahr 2009 rund 16,5 Milionen Euro Erlöse erwirtschaftet. Davon seien etwas zwölf Millionen Euro an Löhnen ausgezahlt worden.

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Autor: obe