BZ-Interview

Warum Pulse of Europe in Offenburg nochmal Flagge zeigen wird

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 16. September 2017 um 15:39 Uhr

Offenburg

"Runter vom Sofa, raus auf die Straße für die Werte Europas!" Das fordern zwei der Veranstalter im Gespräch mit der BZ. Vor der Bundestagswahl sei es nochmal dringend an der Zeit.

Aufstehen für Europa, der Euroskepsis nicht nachgeben, für eine Reform der EU einstehen, aber das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: Pulse of Europe ist eine Bewegung, die auch in Offenburg viele Menschen in Sorge um das Friedensprojekt Europa auf die Straße gebracht hat. Am Sonntag,17. September, ruft die Bewegung dazu auf, vor der Bundestagswahl noch einmal Flagge zu zeigen für Europa. Benigna Bacher und Cordelia Schulz vom Organisationsteam ziehen im Gespräch mit Ralf Burgmaier Bilanz der bisherigen Pulse of Europe-Aktivitäten.

BZ: Auf der Wahlinfoveranstaltung der Badischen Zeitung am vergangenen Samstag in Freiburg hat Wolfgang Schäuble gelobt, dass Menschen in Deutschland für die Europäische Union auf die Straße gehen. Freut Sie so ein Lob?

Schulz: Das freut uns. Pulse of Europe ist eine überparteiliche Veranstaltung. Jeder, der für den Erhalt, aber auch für eine Reform der EU arbeitet, ist uns willkommen.
Bacher: Schäuble setzt natürlich auf ein Pferd, das schon rennt. Aber er sieht eben auch, dass Pulse of Europe etwas bewegt hat.
Schulz: Ich persönlich teile nicht Schäubles Haltung in der Griechenlandpolitik, aber gerade die Vielfalt der Meinungen zeichnet Europa ja auch aus.

BZ: Wie viele Menschen hat Pulse of Europ Offenburg seit der ersten Demo im März mit ihren insgesamt acht Kundgebungen erreichen können?

Schulz: Zu den Kundgebungen kamen zwischen 150 bis 500 Leute. Im Schnitt hatten wir zwischen 200 und 250. Gerade im Verhältnis von Größe der Stadt zur Teilnehmerzahl hat Pulse of Europe Offenburg im bundesweiten Vergleich immer sehr gut abgeschnitten.

"Wolfgang Schäuble setzt auf ein Pferd, das schon rennt." Benigna Bacher
BZ: Wenn man sich bei den Demos umschaute, sah man einen hohen Anteil an Akademikerinnen und Akademikern. Erreicht Pulse of Europe nicht nur die ohnehin willigen EU-Befürworter?
Bacher: Es erreicht die politisch wachen Leute, denen der Erhalt der Demokratie wichtig ist, die etwa bei der Brexit-Entscheidung und der Trump-Wahl gesehen haben, dass es so nicht weitergehen kann und dass sie Straßen und Plätze in Deutschland nicht den Pegida-Demonstranten überlassen wollten. Die konnten wir sammeln nach dem Motto: Runter vom Sofa, raus auf die Straße für die Werte Europas!

Schulz: Es war wichtig, uns in der Öffentlichkeit zu zeigen, damit wir über die primäre Ebene auch andere Leute erreichen. Natürlich gab es auch Passanten, die gesagt haben: Davon will ich nichts wissen. Aber die Mehrheit ist interessiert stehen geblieben, einige haben sich am offenen Mikrofon eingebracht. Auch weil wir Reformen einfordern. Vor allem aber, weil wir für Europa eintreten.
Bacher: Die Form sollte auch auf den Inhalt verweisen. Auch über den Spaß an der Sache sollte ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt werden, was uns, denke ich, auch gelungen ist.

BZ: Die Zustimmung zur EU-feindlichen AfD steigt in den Umfragen angeblich wieder. War es ein Fehler, nach der Frankreich-Wahl die Demonstrationen einzustellen und sie erst jetzt, ein Wochenende vor der Bundestagswahl, wiederzubeleben?
Schulz: Nein, das wurde mit den Terminen schwierig und die Teilnehmerzahlen gingen zurück. Wir haben uns gesagt, dass wir lieber direkt vor der Wahl noch einmal kraftvoll auftreten wollen.

BZ: Was bleibt von Pulse of Europe?

Bacher: Das Netzwerk, das durch Pulse of Europe Offenburg entstanden ist, können wir über die Bundestagswahl hinaus nutzen.Wenn wir nicht jeden Sonntag auf die Straße gehen, haben wir Gelegenheit, über die weiteren Ziele von Pulse of Europe vertieft nachzudenken.

"Pulse of Europe erhält den Dönhoff-Förderpreis."Cordelia Schulz

Schulz: Wir hoffen, dass die Aufmerksamkeit für die Bewegung bleibt. Ein Hinweis in diese Richtung ist, dass Pulse of Europe am 3. Dezember den Marion-Döhnhoff-Förderpreis erhält. Dieser Preis ist auch deshalb wichtig, weil seine Namensträgerin immer auch nach Osten schaute und gerade in Osteuropa viele Menschen zum Schutz ihrer Demokratie Hoffnungen auf eine Bewegung wie Pulse of Europe setzen.
Pulse of Europe:

Kundgebung am Sonntag, 17. September, Bürgerpark, Offenburg, mit Redebeiträgen, Open Air-Konzert (Neckermann and Friends, Posaunenensemble unter der Leitung von Heiko Petersen) und Picknick aus dem eigenen Korb.

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