Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. April 2009

Wer, wenn nicht die Mädchen?

Agentur für Arbeit sagt einen Fachkräftemangel in technischen Berufen voraus/ Der Girls’ Day will diese Berufe weiblicher machen

  1. Technik ist nicht reine Männersache, so wenig wie Pflege und Pädagogik reine Frauensache sind. Foto: dpa

OFFENBURG. Die berufliche Zukunft gehört den Frauen, sagt Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Agentur für Arbeit Offenburg, beim Informationsabend in ihrem Institut zum diesjährigen Girl’s Day in der Ortenau am 23. April.

Sie zitierte den Zukunftsforscher Matthias Horx, der das Erstarken des weiblichen Geschlechts als Megatrend der kommenden Jahrzehnte sieht. Belegt sei dies auch durch simple Zahlen: Doppelt so viele Jungen wie Mädchen verlassen die Schule ohne Abschluss. Die Zahl der Mädchen mit Abitur ist laut Statistik um ein Drittel höher als die der Jungs. Außerdem, so Höltzen-Schoh, hätten Mädchen eine höhere Sozialkompetenz. Dennoch gingen Frauen zu einem hohen Anteil in schlechter bezahlte Berufe.

Ziel des bundesweiten Girls’ Day ist, Mädchen für die Vielfalt der möglichen Berufe zu öffnen, insbesondere für die technischen Berufsfelder.

Höltzen-Schoh gestand ein, dass der Girls’ Day die Berufswahl der Mädchen bislang noch nicht signifikant verändert habe. 200 unterschiedliche Ausbildungsberufe würden in der Ortenau angeboten. Doch trotz Berufsberatung, Berufsmesse und Praktika sei die Hitliste der Mädchen-Berufswünsche gleich geblieben, so Höltzen-Schoh. Ein Viertel wolle Kauffrau werden, jedes siebte Mädchen entscheidet sich für Verkäuferin oder Friseurin.

Werbung


Das liegt für Höltzen-Schoh am persönlichen Umfeld. Die Berufswahl sei geprägt von Familie und Freundeskreis. Wichtig sei auch, ob man sich unter einem Beruf etwas Konkretes vorstellen könne. Zugleich wies die Agenturleiterin auf den Fachkräftemangel in der Ortenau hin. Bis zum Jahr 2025 werde sich die Bevölkerung im Ortenaukreis voraussichtlich um 16 000 Einwohner verringern, es werde 10 000 Jugendliche unter 18 Jahren weniger geben als heute. Die Generation 45 plus – die derzeit die Stamm-Mannschaft der Fachkräfte stellt – werde dann nicht mehr im Berufsleben stehen. Man brauche im technischen Bereich die Mädchen. Den Girls’ Day sieht sie als Mutmacher-Tag "und zugleich brauchen wir Berufskunde für Eltern!", forderte Höltzen-Schoh. Ein Problem sowohl für die jungen Frauen, die sich beruflich entscheiden, wie für die Betriebe sei die Familienphase. Hier müsse man Wege finden, dass Frauen nicht außen vor bleiben.

Regina Geppert, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Offenburg und eine von vier Ansprechpartnerinnen des Bündnisses Girls’ Day im Ortenaukreis, fordert deshalb, dass mit dem Werben um Mädchen für technische Berufe die Vereinbarung von Familie und Beruf Hand in Hand gehen muss. Die Kommunen verbesserten hier viel. Die Wirtschaft müsse mitgehen, mit betriebliche Kindergärten, Tagesbetreuungen etwa für Krankheitsfälle bei Kindern, und Teilzeitarbeit oder Zuarbeit von zu Hause aus ermöglichen.

Geppert weist darauf hin, dass ein Berufsleben weit länger dauert als die Familienphase. Betriebe sollten deshalb auf Frauen nicht verzichten. In der Ortenau unterstützen die Kommunen Achern, Kehl, Lahr und Offenburg das Bündnis Girls’ Day. Aktuell gibt es laut Geppert am Girl’s Day über 90 Angebote mit derzeit 760 Plätzen, von der Forstwirtschaft bis zu Abwassertechnik, Ingenieursberufen, der Feuerwehrfrau, der Schreinerin oder den Gewerken in der Bauwirtschaft. Um Eltern stärker zu erreichen, ist ein spezieller Elternabend angedacht. Neu ist die Aktion "Neue Wege für Jungs". Hier sollen Jungs für pädagogische und pflegerische Berufe interessiert werden.

Der Industrieverband Südwestmetall will ab kommendem Schuljahr an Ortenauer Schulen eine Girls’ Day Akademie einrichten. Dabei geht es um Technikorientierung, Praktika und Firmenbesuche.
Info: www.girls-day.de, www.neue-wege-fuer-jungs.de

Autor: Robert Ullmann