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29. September 2017

"Wir müssen mitmischen"

Ortenauer Grüne diskutieren das Ergebnis der Bundestagswahl.

  1. Norbert Großklaus holte im Wahlkreis Offenburg und speziell in der Stadt Offenburg für die Grünen ein gutes Ergebnis. Foto: Lehmann

OFFENBURG (reim). 24 000 verteilte Flyer, 59 000 in der letzten Woche des Wahlkampfs über Facebook erreichte Menschen: Das daraus resultierende Ergebnis für den Offenburger Bundeskandidaten Norbert Großklaus kann sich sehen lassen. Noch nie hatte ein Grüner explizit in der Stadt Offenburg knapp 17 Prozent der Erststimmen erhalten. Am Mittwochabend, auf der Hauptversammlung, diskutierten die Ortenauer Grünen den Wahlkampf. Zufrieden zeigte sich Norbert Großklaus über das "wunderbare Ergebnis in Offenburg" und bedankte sich vor allem bei seinem noch recht jungen Team für die tatkräftige Unterstützung. "Eine wichtige Erfahrung war für mich auch, dass viele bei ‚Grün’ gleich Rot sehen", sagte Großklaus.

Wo die Grünen im Kreis zulegen konnten, veranschaulichte die Stimmauswertung. Ganz oben stand Großklaus’ Heimatstadt Offenburg mit einem Plus von 72 Prozent an Erststimmen und einem Zugewinn von 40 Prozent an Zweitstimmen. Ein Flop hingegen war in Appenweier zu verzeichnen: minus 23 Prozent bei den Erststimmen. Allerdings: Der letztmalige Kandidat, Ludwig Kornmeier, ist dort wohnhaft, Großklaus wiederum in Offenburg zu Hause.

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"Woran lag’s?", eröffnete der Kreisverbandsvorsitzende Alfred Baum die Diskussionsrunde. Künftig noch mehr Großplakate aufzubauen, forderte etwa Landtagsabgeordneter Thomas Marwein, selbst mal Bundestagskandidat. "Die waren ein gutes Mittel." Das sahen die Mitglieder allerdings unterschiedlich. Gerade in Appenweier sei man fast erschlagen worden von den vielen Plakaten, meinte einer. Auch über die Frage, ob Themenplakate oder besser Porträts besser ankamen, waren sie sich nicht ganz einig.

Nach dieser Sammlung an Anregungen für den nächsten Wahlkampf, widmeten sich die Grünen der bundespolitischen Ebene. "Das große Thema im Landtag ist die Analyse der Wahl. In Baden-Württemberg konnten wir 2,5 Prozent zulegen und wir haben so unsere Präsenz gesteigert", wusste Marwein zu berichten. Die Grünen in der Landesregierung seien jetzt zudem durch die Verluste der CDU im Land gestärkt. "Wir sind selbstbewusst und können noch selbstbewusster sein", so der Landtagsabgeordnete. Eine Sondierungskommission sei benannt worden, die sich nun über möglichen Koalitionspartner berät, Stichwort Jamaika-Koalition. Was halten die Ortenauer Grünen davon? "Mein erster Gedanke war, wir müssen das ausprobieren", erklärte Großklaus. "Der zweite: Die Gefahr, Kernwähler dadurch zu verlieren, ist da. Aber Neuwahlen würden die Rechten noch mehr stärken."

Für die Regierungsverantwortung sprach sich auch Dominic Preukschas aus. "Wir müssen mit unseren Schwerpunkten mitmischen." Die Erwartungen dürfe man allerdings nicht zu hoch setzen. Andere Mitglieder hoffen dagegen schon vage auf das Landwirtschafts- oder Umweltministerium. "Jamaika ist für alle drei Parteien schwierig. Manche Dinge, wie zum Beispiel der Kohleausstieg, sind nicht verhandelbar", meinte Marwein.

Chancen für seine Partei sieht Norbert Hense, Sprecher der Grünen Jugend Ortenau, beim Thema Bürgerrechte mit der FDP. "Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht von den anderen Partnern zerrieben wird. Die SPD ist dafür schließlich ein gutes Beispiel."

Autor: reim