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11. Oktober 2010
"Wir sind Weinprinzessin"
Großer Empfang in Zell-Weierbach für die neue Ortenauer Hoheit Nicole End / 750 Brötchen wurden geschmiert.
OFFENBURG-ZELL-WEIERBACH. "Nach einer Landtagswahl kommt niemand auf die Straße, bei einer Weinprinzessin feiert das ganze Dorf”, bemerkte Landrat Frank Scherer am Freitagabend. Mehrere hundert Menschen waren der Einladung der Ortsverwaltung und der Abtsberg-Winzer auf den Dorfplatz gefolgt, um die neue Ortenauer Weinprinzessin Nicole End gebührend zu empfangen. Die Feuerwehr musste den Straßenverkehr im Fluss halten. In einer Kutsche wurde die neue Weinhoheit gemeinsam mit der Zeller Weinprinzessin Katharina Deck vom Rathaus zum Dorfplatz gefahren.
Dort stellten die Feuerwehrkameraden der 18-Jährigen einen "Maien”. "Das ist der größte Baum, den wir im Wald gefunden haben”, betonte der Geschäftsführer der Zell-Weierbacher Winzergenossenschaft, Jochen Basler. "Ich habe Willi Wunsch noch stolzer erwartet”, sagte der Landtagsabgeordnete Volker Schebesta, der in Zell-Weierbach wohnt. Er traue sich nun zu sagen: "Wir sind Weinprinzessin” und versuchte sich danach mit einem Weinspruch.Oberbürgermeisterin Edith Schreiner gestand: "Als Politikerin wird man, wenn man durch die Straßen geht, meist nicht so richtig wahrgenommen.” Ganz anders allerdings sei es, wenn man gemeinsam mit einer Weinprinzessin unterwegs ist. Künftig werde es wohl nicht Zell-Weierbach bei Offenburg, sondern Offenburg bei Zell-Weierbach heißen, zumindest, wenn es um Wein gehe.
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Jede Menge Küsschen und Händeschütteln musste die neue Ortenauer Weinprinzessin über sich ergehen lassen, behielt dabei aber stets ein sympathisches Lächeln im Gesicht. "Als ich die Tränen in Opas Augen sah, musste ich einfach mitweinen”, zeigte sich Nicole End gerührt. Vom Engagement ihrer Familie sei die junge Frau am meisten beeindruckt, verriet sie. Vater Reiner End war nämlich von ihrer Kandidatur anfangs nicht begeistert. Er hielt seine Tochter noch für zu jung. Mehrere hundert Menschen tummelten sich nach dem offiziellen Empfang um die Weinlaube im Hof und im "Schopf" des Elternhauses. Vertreter der gesamten Ortenauer Weinwirtschaft waren gekommen und feierten ausgelassen.
Cordula und Reiner End, der Vorstandsvorsitzende der Abtsberg-Winzer, Geschwister und Freunde hatten alle Hände voll zu tun. 750 Brötchen wurden gerichtet, zwölf Gugelhupf und sechs Hefezöpfe, mit je einem Meter Länge, wurden gebacken und zum Wein serviert. Auch 40 Liter Kürbissuppe waren bald verzehrt. Konrad Geppert, Direktor der Durbacher WG, steuerte einige Kartons Plauelrain bei, schließlich absolviert Nicole End ihr drittes Lehrjahr als Küferin in der dortigen WG. Mitgebracht hatte Geppert auch seinen Nachfolger, Johannes Himmelsbach. Obwohl der promovierte Agronom viele Erfahrungen in der Weinwirtschaft gesammelt hat, hatte er einen solchen Empfang noch nicht mit erlebt.
"Ich kenne Nicole schon als kleines Kind”, war auch der Vorstandsvorsitzende der WG Rammersweier, Meinrad Hurst, sichtlich stolz. Und weil Mama Cordula End Mitglied der Rammersweierer WG ist, könne nun auch Rammersweier sagen: "Wir sind Weinprinzessin." Auch Josef Renner, der Vorstandsvorsitzende der WG Fessenbach, schien mit der Wahl der Ortenauer Weinprinzessin und dem Abend zufrieden zu sein, denn "Katja Bohnert ist Deutsche Weinprinzessin”, verkündete ein Gast mit mobilem Internetzugang zu vorgerückter Stunde. Denn quasi zeitgleich zum Empfang wurde die neue Deutsche Weinkönigin in Neustadt gewählt. "Ich hab Katja ganz fest die Daumen gedrückt”, freute sich Nicole End, auch wenn es für Bohnert zur Königin nicht ganz gereicht hat. Katja Bohnert und Nicole End kennen sich aus der Vereingung der Jungwinzer.
Für die Familie End war die Nacht kurz. Denn schon ab halb neun morgens musste Riesling geerntet werden. Denn ohne Wein keine Weinprinzessin.
Autor: Cornelia Weizenecker
