Wissenschaft konsequent in die Praxis umgesetzt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 09. November 2010

Offenburg

Erfolg des "Schluckspecht E" mit Rekordfahrt in Südafrika ist für die Hochschule Beleg ihrer zukunftsorientierten Arbeit.

OFFENBURG (BZ). Als Ergebnis konsequenter Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis hat der Offenburger Hochschulrektor Winfried Lieber den jüngsten großen Erfolg des Elektrofahrzeug "Schluckspecht E" bezeichnet. Wie berichtet hat das Team um die Professoren Ulrich Hochberg und Claus Fleig einen neuen Reichweitenrekord für Elektrofahrzeuge auf öffentlichen Straßen aufgestellt: 626,6 Kilometer wurden mit nur einer Batterieladung gefahren.

"Wir sind damit 21 Kilometer weiter gekommen, als der umgebaute Audi A2, den zahlreiche Politiker Ende Oktober als Durchbruch in der Elektromobilität feierten", so Ulrich Hochberg. Sein Team hatte wenige Tage zuvor bei der South African Solar Challenge bewiesen, dass der neue "Schluckspecht ein alltagstaugliches Fahrzeug ist – und zwar auf den Straßen zwischen Kapstadt und Johannesburg, bei denen schließlich Steigungen von bis zu fünf Prozent überwunden werden mussten. Außerhalb der Konkurrenz war das "Schluckspecht-Team dort unterwegs, weil es den Wettbewerb nutzen wollte, die Leistungsfähigkeit des vom Brennstoffzellen betriebenen "Schluckspecht City" umgebauten "Schluckspecht E" mit Lithium-Ionen-Batterien offiziell zu beweisen.

"Das ist Wissenstransfer,

wie man ihn

sich wünscht."

Gerhard Krebs, Evomotiv
Vor dem Start wurde das Fahrzeug von den technischen Kommissaren der FIA (Fédération Internationale de l'Automobile) abgenommen und die Batterien versiegelt. Während der Fahrt wurde das Fahrzeug von einem Beobachter der FIA begleitet, die Reichweite wurde bestätigt.

Mit dem "Schluckspecht E leistet sich die Hochschule Offenburg nicht nur ein Forschungsprojekt, das Klimaschutz und Industriepolitik zu verbinden hilft, sondern sie sorgt auch für handfesten Wissenstransfer in eine der zukunftsfähigsten Branchen.

So ist unter anderem das Stuttgarter Unternehmen Evomotiv im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Forschungsprojekts fest in das Team um Ulrich Hochberg eingebunden. Evomotiv bietet Entwicklungs- und Beratungsleistungen rund um das Automobil an und ist beim "Schluckspecht" in die Weiterentwicklung des Radnabenmotors involviert. Dazu Gerhard Krebs, einer der drei Evomotiv-Geschäftsführer: "Das Know-how, das wir mit der Hochschule Offenburg entwickeln, fließt bestimmt zu rund 50 Prozent in unsere Kundenprojekte. Das ist Wissenstransfer, wie man ihn sich wünscht."

Der innovative 42-polige Radnabenmotor, für den das Team bereits den Bosch-Innovationspreis erhalten hat, wird im neuen Fahrzeug über ein leistungsfähiges Managementsystem aus zwölf Lithium-Ionen-Batterien gespeist. Um die Last der Batterien optimal zu verteilen, hat das Team aus Professoren und Studierenden zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft EMI in Freiburg ein neues Fahrzeugchassis entwickelt. "Denn, so Ulrich Hochberg, "um einen Liter Diesel zu ersetzen, fahren wir im Moment mit 30-Kilogramm-Batterien. Rein rechnerisch, darin sind sich Professor Hochberg und sein Team einig, ist mit einem einmaligen Aufladen der Batterien eine Strecke von mehr als 1200 Kilometern möglich.

"Unser Dank gilt den zahlreichen Partnern und Sponsoren aus der Industrie, die den Umbau und die Reise nach Südafrika erst ermöglicht haben", so Rektor Lieber.
Ulrich Hochberg, seine Kollegen und Studierenden sowie die Fraunhofer-Kollegen glauben fest an den "Schluckspecht". Ein Blick auf die Reihe von Pokalen, viele davon eingefahren beim Shell Eco-Marathon, gibt ihnen Recht.