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06. April 2009
XXL-Ohrwürmer reloaded
15 Jahre Rock Symphony Orchestra Orso: ein Geburstagskonzert der Extraklasse
OFFENURG. Mit einem monumentalen Marathonlauf durch Jahrzehnte feinster Rockgeschichte hat am Wochenende das Rock Symphony Orchestra Orso in der ausverkauften Oberrheinhalle in Offenburg seinen 15. Geburtstag gefeiert.
Starke 200 Musikerinnen und Musiker boten zusammen mit einer ausgeklügelten Lichtshow schon fürs Auge ein beeindruckendes Bild, das durch die faszinierenden Klangbilder, in die die Zuschauer satte vier Stunden lang entführt wurden, bei Weitem in den Schatten gestellt wurde: Ohrwürmer von Queen, den Stones und Beatles lieferten dem Publikum beim genüsslichen Schließen der Augen als bombastisch orchestrierte, manchmal bis zur Unkenntlichkeit umarrangierte Klanggemälde den Stoff für großes Gefühlskino, ließen es beispielsweise bei Claptons "Layla" melodramatisch mitleiden, um es Sekunden später in der leichten Zuversicht eines Gospels zu wiegen oder mit "Ruby Tuesday" beschwingt wie einen Schmetterling davonfliegen zu lassen. Ob Robbie Williams, Weather Girls, John Miles oder Filmmusik aus Star Wars – es gibt nichts, was Orchesterleiter und Arrangeur Wolfgang Roese nicht in ein immer wieder überraschend neues Hörerlebnis verwandeln könnte.
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Höhepunkte des Konzerts waren zwei Inszenierungen aus seiner neuesten Schaffensphase. Zum einen die kurz vor der zweiten Pause stattfindende "Beatles Metamorphosis", die ganz harmlos mit geheimnisvollen Windspiel-Klängen beginnt, sich dann in einer kraftvoll-experimentellen Mischung aus dem schier Unmöglichen entlädt, mal atonal, mal rückwärts, mal im Walzertakt, mal als Kirchenchoral auf ein schräg-dramatisches Finale hinausläuft, das einem Schauer über den Rücken laufen lässt.
Ebenso grandios die Umsetzung des "Dreamer" von Supertramp, der in der Version von Roese zu einem wahrhaften Desaster mutiert, in dem sich Schnipsel von Wiener Walzerseligkeit mit kruden Fetzen von Radetzkymarsch ein Klangduell liefern, in dessen Mitte auch ganz im räumlichen Sinn der Zuschauer sitzt und einfach nur den Mund offen hat vor Staunen über so viel Einfallsreichtum und an Wahnsinn grenzende Genialität eines Musikers der Extraklasse.
Dabei hatte 1994 alles ganz jugendlich- unschuldig angefangen: Wolfgang Roese, hochbegabter und ambitionierter Leiter eines damals 17-köpfigen Schulorchesters, wollte seine Vision verwirklichen von der perfekten Verschmelzung der beiden Genres, denen bis heute sein musikalisches Herz gehört – der seelenvollen Zartheit romantischer Klassik und der ungezähmten Wildheit des Rock. Mit dem Vorbild des London Symphony Orchestra im Hinterkopf, einer üppigen Portion Wagemut und dem unerschütterlichen Vertrauen in sich und seine Musiker schaffte er es, Skeptiker zu überzeugen und mit seinem rasant wachsenden Orchester in nur wenigen Jahren zu einer bekannten Größe zu werden, die mittlerweile international Erfolge feiert und internationale Stars in ihr Programm einbindet.
Bei den Rock-Symphony-Nights in Offenburg waren dies Michael Sadler, ehemals unverwechselbare Front-Stimme der kanadischen Kultband Saga , der als Solist und im Intermezzo mit einem überaus ausdrucksstarken Gunnar Schierreich bei den Besuchern Erinnerungen wachrief. Die beiden weiteren Gaststars Fausto Reinhart und Mariel Bravo brachten mit ihren gefühlvollen Duetten im zweiten Konzertteil sowie bei den Zugaben echt italienischen Opern-Schmelz ins Spiel. Mit einem nochmals in monumentaler Stärke daherkommenden "Smoke on the Water" verabschiedete sich Orso gegen Mitternacht von seinem begeistert applaudierenden Publikum.
Autor: ulb
