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01. Juni 2010

Ziel ist mehr Selbstkontrolle

Bei "Raufen nach Regeln" sollen Schüler einen bewussteren Umgang mit ihren Aggressionen lernen.

  1. Judolehrer Michael Hockenjoos will das Bedürfnis der Kinder nach körperlichem Kräftevergleich mit einem Gefühl für gegenseitigen Respekt und Verantwortungsbewusstsein abfedern. Foto: Gertrude Siefke

OFFENBURG. "Raufen nach Regeln" heißt ein soeben beendetes Projekt an der Waldbachschule, bei dem Schüler der 3. und 4. Klasse mit den Techniken der Kampfsportart Brazilian Jiu-Jiutsu vertraut gemacht wurden. Trainiert werden sollte ein faires Kräftemessen.

"Gewalt soll nicht verboten werden, aber der bewusste Umgang damit einstudiert", so Projektleiter Michael Hockenjoos. Der staatlich geprüfte Judolehrer bietet "Raufen nach Regeln" seit 2003 an. Er will damit dem natürlichen Bedürfnis der Kinder nach körperlichem Kräftevergleich entgegenkommen und durch eine intensive Fallschule aktiv zur Unfallverhütung beitragen. Zudem sollen emotionale Lernziele wie Entschlusskraft, Selbstvertrauen und Selbstbeherrschung gefördert werden. Gänzlich auf Gewalt zu verzichten, hält Hockenjoos für realitätsfern. Es gebe einfach Situationen, in denen der Adrenalinspiegel steige. Entscheidend sei, mit diesem Zustand gut umzugehen.

Der mehrfache Deutsche Meister bot für zwei Gruppen je zehn Sitzungen an. Auch am letzten Übungstag ist Konzentration angesagt. Die Neun- und Zehnjährigen tragen bequeme Sportklamotten und hocken barfuß in dem mit Matten ausgelegten Bewegungsraum. Zunächst geht es um Gleichgewichtsübungen und Koordination. Dann werden Paarkämpfe ausgetragen. Erstes Gebot: "Wir geben uns die Hand und sagen unseren Namen." Wichtig sei, auf der Matte zu bleiben. Der Partner soll nicht umgerannt werden, sondern zum Beispiel mit Hilfe einer Blockade in die Knie gezwungen werden. "Wer bestimmte Techniken einsetzt und darin Sicherheit bekommt, der braucht keine brutalen Mittel", davon ist Hockenjoos überzeugt. Respekt vor dem Partner und Verantwortungsgefühl wolle er den jungen Leuten beibringen. In den zurückliegenden zehn Wochen haben die Jungs gelernt, sich großenteils auf die Spielregeln einzulassen.

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176 Schülerinnen und Schüler aus Offenburg und Umgebung besuchen derzeit die Waldbachschule. Es sind Kinder und Jugendliche, die als lernbehindert gelten. Manche Schüler zeigen sich auch in ihrem Verhalten sehr auffällig. Wie Schulleiter Harald Udri erklärt, liegt eine Lernbehinderung dann vor, wenn "umfängliche, schwerwiegende und anhaltende Defizite bei der Bewältigung von intellektuellen Leistungsanforderungen festgestellt" werden. Dabei sei die gesamte intellektuelle Entwicklung beeinträchtigt.

Ein Großteil der Schüler in Klasse 4 bis 6 weist erhebliche Defizite im Umgang mit Gewalt beziehungsweise angemessenen Lösungsstrategien auf. Eigene Gewalterfahrung sowie geringes Selbstwertgefühl spielen oft eine große Rolle. "Raufen nach Regeln" will hier vorbeugen.

Autor: Gertrude Siefke