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24. August 2013

Zimmer mit Waldblick als Drehort

Beim Zell-Weierbacher Böcklinstein haben junge Autorenfilmer eine surreale Kulisse für ihren Kurzfilm in den Wald gezimmert.

  1. Sascha Reimold (rechts) und Sebastian Etcheverry Kurzfilmprojekt Michaela Foto: Siefke Gertrude

OFFENBURG. Der Anfahrtsweg zum Drehort ist beschwerlich: Oberhalb des Böcklinsteins mitten im Wald von Zell-Weierbach entsteht der Kurzfilm "Michaela", den Studenten der Hochschule Offenburg mit Kommilitonen aus Stuttgart drehen. 10 000 Euro kostet die Produktion voraussichtlich. Die jungen Leute hoffen auf Sponsoren und auf einen Sendeplatz im Programm des französisch-deutschen Kultursenders Arte.

Ein Jahr lang haben Sascha Reimold und Sebastian Etcheverry gehirnt, wie sie sagen. Die beiden Masterstudenten der Hochschule der Medien in Stuttgart sind seit ihrer Kindheit vom Medium Film fasziniert ("Bewegte Bilder bewegen uns") und fast schon alte Hasen, was die Regiearbeit angeht. Unterstützt werden sie unter anderem vom Offenburger Hochschullehrer für Video- und Audioproduktion, Heiner Behring. Sascha Reimold machte in Offenburg seinen Bachelor und ist mit der Umgebung vertraut. Auf der Suche nach einem Drehort stieß er auf das Terrain in der Vorbergzone.

Ein surreal-abstrakt anmutendes Waldheim schwebte ihm als zentrales Sujet für die Geschichte vor. Im Internet wurde er fündig. Das Original steht in Portugal. In Zell-Weierbach wird es nachgebaut. Das Besondere: Es hat einen acht Meter langen Überhang. Und die eine Seite ist offen, der Blick der Insassen geht ungehindert in den Wald. Für knapp eine Woche steht das Gehäuse im Wald. Handwerker im 20-köpfigen Team sorgten dafür. Die Dreharbeiten konnten beginnen.

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"Man muss die Sache auf den Punkt bringen. Selbst ein Kurzfilm kann Längen haben."

Autorenfilmer Sascha Reimold
Die Story: Die junge Künstlerin Jasmin lebt mit ihrer Zwillingsschwester Michaela in einem Waldhaus. Bei einer Kunstausstellung lernt Jasmin den Kunstliebhaber Sebastian kennen. Er äußert Interesse an Jasmins Kunst. In ihrem Waldhaus versucht er, Jasmin zu vergewaltigen. Michaela kommt ihrer Schwester zur Hilfe, überwältigt den Mann und fesselt ihn. Während der den gewalttätigen Übergriff leugnet, sieht sich Jasmin mit ihrer traumatischen Vergangenheit konfrontiert.

Gedreht wurde bereits in der Städtischen Galerie auf dem Kulturforum und in einem Krankenhaus. Im Wald geht es weiter, nach Einbruch der Dunkelheit.

Eine Geschichte erzählen, die er selbst entwickelt habe, das ist für Reimold der Reiz am Autorenfilm. Bei "Michaela" gehe es um eine traumatische Situation, um ein albtraumhaftes Szenarium. Als Schauspieler konnten Johanna Garth und Christian Senger gewonnen werden, beide ausgebildete Nachwuchskräfte, die bereits Theater- und Fernseherfahrung gesammelt haben. Die Produktionsleitung hat Stefan Lange, der Sascha Reimold auch bei seinen Kurzfilmprojekten unterstützt. Kameramann Jascha Vick absolviert wie das Regieteam den Masterstudiengang "Elektronische Medien" in Stuttgart, Regieassistentin Anna Sereda arbeitet seit 2001 im Team von Sascha Reimold und hat eigene Kurzfilme gedreht. Jessica Müller kümmert sich um die Aufnahmeleitung und Marketing.

Vieles lasse sich heutzutage am Computer nachbilden, erklären die Regisseure. Aber wenn es wirklich echt aussehen soll, sei die Animation sehr kostspielig und zeitaufwändig. Außerdem fühlten sich sowohl die Schauspieler als auch das gesamte Team wohler, wenn der Schauplatz real sei. Pro Drehtag entstehen zwei bis drei Filmminuten. Eine ambitionierte Ausbeute, sagt Etcheverry. Das gelinge nur mit der richtigen Mannschaft. Die hat sich offensichtlich in Zell-Weierbach gefunden. Aus Kostengründen wird ein Kurzfilm gedreht. Aber auch, um eine besonders dichte Geschichte zu erzählen. "Man muss die Sache auf den Punkt bringen", erklärt Reimold. Selbst ein Kurzfilm könne Längen haben, wenn er nicht gut gemacht sei. Der Dank der Gruppe gilt Michael Hess aus Friesenheim, der als Kettensägenkünstler einen lebensgroßen Heiligen Michael mit Flügeln gestaltet und zur Verfügung gestellt hat.

Das Team rechnet mit der Fertigstellung des Streifens im Spätherbst. Etcheverry spricht von einem "magischen Moment", wenn das erste Bild im Kasten ist. Das sei wie eine Geburt. Vielleicht gibt es ja bei Arte ein Wiedersehen. Nicht nur die neugierigen Wanderer und Radfahrer, die am Drehort stehen bleiben, werden wohl die Daumen drücken.

Autor: Gertrude Siefke